Zeitung: Mengele-Tagebücher versteigert

Frankfurt - Ein US-amerikanisches Auktionshaus will nach einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) die Erinnerungen des KZ-Arztes Josef Mengele versteigern.

Der Schätzwert der in weiten Teilen noch unbekannten Tagebücher liege bei 300 000 bis 400 000 Dollar, berichtet die FAZ in ihrer Mittwochsausgabe. Sie umfassten mehr als 3380 Seiten und stammten aus Mengeles Zeit in Brasilien. Die Papiere, deren Besitzer laut Zeitung anonym bleiben will, sollen am Donnerstag in Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) angeboten werden. Sie hätten zeitweise auch dem Sohn des KZ-Arztes gehört, berichtet die Zeitung mit Bezug auf das Auktionshaus Alexander Autographs.

Mengele war im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz für grausamste medizinische Experimente verantwortlich und unter dem Namen “Todesengel von Auschwitz“ berüchtigt. Ihm war nach Kriegsende zunächst die Flucht nach Argentinien und 1960 nach Brasilien gelungen. 1979 ertrank er bei einem Badeunfall im Küstenort Bertioga im Bundesstaat São Paulo. Mengele, der unter andrem Versuche an Zwillingspaaren vornahm, wird laut FAZ für den Mord an mindestens 40 000 Häftlingen verantwortlich gemacht.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Die Aufzeichnungen des KZ-Arztes, die laut FAZ in 31 einzelnen Ringbüchern sowie in Schulheften stehen, stammen aus der Zeit von 1960 bis 1975. Sie gäben nicht nur Auskunft über seine Flucht und seine Zeit in Lateinamerika, sondern enthielten auch politische Betrachtungen über die sechziger und siebziger Jahre. Auch selbstverfasste Gedichte und Zeichnungen fänden sich in den Papieren, in denen Mengele aus Vorsicht von sich nur in der dritten Person und mit dem Tarnnamen “Andreas“ spreche.

Dem Bericht zufolge hatte das Auktionshaus bereits 2009 ein Dokument des KZ-Arztes versteigert, das sich mit der nationalsozialistischen Ideologie, mit Überbevölkerung, Eugenik und Euthanasie beschäftigt habe. Der damalige Käufer habe es einer Institution geschenkt, die sich mit dem Holocaust beschäftige. Nun hoffe das Auktionshaus auf einen ähnlich akzeptablen Käufer, “wenn möglich eine “jüdische Organisation“, wie es heißt“.

dpa

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