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Nach „Winnetou“-Debatte: ZDF zeigt Karl-May-Film mit Uschi Glas am Tag der Deutschen Einheit

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Von: Martina Lippl

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Winnetou (Pierre Brice) ist froh, dass es gelungen ist Apanatschi (Uschi Glas) zu beschützen in einer Szene des Films „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ (undatierte Aufnahme).
Winnetou (Pierre Brice) ist froh, dass es gelungen ist Apanatschi (Uschi Glas) zu beschützen in einer Szene des Films „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ (undatierte Aufnahme). © G.-V.Krau/L.Winkler/K.Reiter/ZDF/dpa

Trotz Winnetou-Debatte hält das ZDF weiter an den Karl-May-Filmen mit Pierre Brice und Uschi Glas fest. Ein Klassiker läuft jetzt im Fernsehen am Nationalfeiertag.

Mainz – Die Karl-May-Verfilmungen aus den 60er Jahren – vor allem mit Pierre Brice als Winnetou – haben Generationen in Deutschland geprägt. Die Winnetou-Filme flimmerten regelmäßig über den Bildschirm und faszinierten kritiklos.

Mit dieser verklärten Wildwest-Romantik ist es spätestens seit diesem Sommer vorbei. Es tobte eine heftige Debatte über kulturelle Aneignung und Rassismus rund um Winnetou. Der Auslöser: Ein Verlag zog zwei Begleitbücher zu einem neuen Winnetou-Film für Kinder zurück. Das befeuerte erst recht die Diskussionen. Die Darstellungen seien rassistisch, würden die Kolonialisierung nicht kritisieren und das Leid und die Unterdrückung indigener Völker romantisieren.

Trotz Winnetou-Diskussionen: ZDF zeigt Karl-May-Klassiker im Fernsehen

Andere dagegen hielten das Winnetou-Buch für unbedenklich und kritisierten die Entscheidung des Verlags. Es sei eine fiktive Geschichte und nicht als sachgerechte Darstellung des Lebens indigener Völker zu verstehen, sagte Karl-May-Experte Andreas Brenne in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Das ZDF hält an den Winnetou-Filmen fest. Das stellte der Sender schon Ende August klar. „Das ZDF besitzt Ausstrahlungsrechte für diverse Karl-May-Filme, die in den nächsten Jahren zur Sendung kommen“, teilte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa mit. Zuvor befeuerte das ZDF mit einem Facebook-Post allerdings die Diskussionen um das Thema.

„Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ – mit Pierre Brice und Lex Barker – wird am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober, 11.30 Uhr) im ZDF ausgestrahlt. Uschi Glas spielt darin die Siedlertochter Apanatschi, die zum Geburtstag die geheime Goldmine ihres Vaters geschenkt bekommt und von gierigen Goldsuchern gekidnappt wird.

„Auch die Figur der Apanatschi stammt nicht von Karl May, sondern ist frei erfunden.“

ZDF zu „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“

Das ZDF schreibt zum Winnetou-Spielfilm-Highlight: „Nach den großen Erfolgen der vorherigen Karl-May-Filme in den 60er Jahren, blieb Erfolgsproduzent Horst Wendlandt der bewährten Vorgehensweise treu: Die Vorlage des berühmten Schriftstellers, in diesem Fall die Erzählung ‚Halbblut‘, wurde nahezu bis zur Unkenntlichkeit verändert und umgeschrieben; übrig blieben lediglich grundlegende Motive.“

„Auch die Figur der Apanatschi stammt nicht von Karl May, sondern ist frei erfunden“, ist auf der ZDF-Webseite zu lesen. Für die junge Schauspielerin Uschi Glas sei es 1966 die erste Hauptrolle in einem Kinofilm gewesen und ihre Stimme sei nicht zu hören. „Dem hartnäckigen Gerücht, dass sie aufgrund ihres bayerischen Akzents synchronisiert worden sei, widersprach sie knapp 50 Jahre später jedoch in einem Interview.“

Uschi Glas war 22, als der Film im Sommer 1966 ins Kino kam. Die Schauspielerin äußerte sich in der Bild eher verständnislos: „In den Filmen und den Romanen gibt es Gute und Böse. Sie haben weiße oder rote Haut. Es bildet das echte Leben ab. Man soll doch aufhören, hier auf Biegen und Brechen einen Anlass zu finden, über etwas zu schimpfen.“

Szenenbild aus Winnetou II – seit Jahrzehnten sind die Helden Winnetou und Old Shatterhand in Filmen und Büchern vertreten (Symbolbild).
Szenenbild aus Winnetou II – seit Jahrzehnten sind die Helden Winnetou und Old Shatterhand in Filmen und Büchern vertreten (Symbolbild). © United Archives / IMAGO

Die ARD-Sender werden keine Winnetou-Filme mehr zeigen. Nach Angaben der ARD-Programmdirektion liefen die Lizenzrechte 2020 aus und sollen nicht mehr verlängert werden. (ml)

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