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Nach Hohn und Spott: „Schwedens hässlichste Weihnachtstanne“ endet auf der Mülldeponie

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Von: Florian Naumann

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„Schwedens hässlichste Weihnachtstanne“ – mittlerweile hat die Kleinstadt Mjölby den Baum ersetzt.
„Schwedens hässlichste Weihnachtstanne“ – mittlerweile hat die Kleinstadt Mjölby den Baum ersetzt. © Biograf Saga Mjölby Svenska Bio/fkn

„Besser kein Baum als dieser!“ Eine Not-Weihnachtstanne in Schweden wird zum Politikum – und muss weichen. Auch Deutschland debattiert gerne übers Fest-Gehölz.

Mjölby/Frankfurt am Main – Dass der große Auftritt als Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz tatsächlich der Höhepunkt eines Nadelbaum-Lebens ist – man darf es bezweifeln. Schließlich markiert er unweigerlich das Ende des Lebenszyklus. So oder so: Tradition ist Tradition. Festlich geschmückt und als Blickfang wärmen Tanne oder Fichte ja auch Beobachter-Herzen.

Eher herzzerreißend ist allerdings das Schicksal des diesjährigen Weihnachtsbaums der Kleinstadt Mjölby im Osten Schwedens: Kurzfristig als Ersatz für ein beschädigtes Exemplar aufgefahren, brach ein Sturm von Hohn und Spott über den Baum und die Aufstellenden herein. Wenig später ließen die Behörden die Tanne wieder fällen. „Sie erfüllte die Erwartungen nicht so recht“, lautete das Verdikt – fast so trocken wie ein Christbaum nach dem Neujahrstag. Letzte Station nach nur wenigen Tagen zweifelhaften Ruhms: Die Mülldeponie.

Weihnachtsbaum-Desaster: Kleinstadt sägt „hässlichste Tanne Schwedens“ wieder um

Das betrübliche Schicksal des Weihnachtsbaums schaffte es sogar in die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen TV-Senders SVT. Schon kurz nach Aufstellung der Tanne befragte ein Kamerateam Passanten. „Der sollte doch Äste haben – und eine andere Farbe“, wunderte sich ein älterer Mann vor dem SVT-Mikrofon: „Das sieht ja eher aus wie ein Kahlschlag!“

In den sozialen Medien fielen die Reaktionen kaum positiver aus. „Mjölby hat in jedem Fall Schwedens hässlichste Tanne“ amüsierte sich ein Facebook-Nutzer. „Teufel noch eins, der trägt nicht mehr viel Lebenslust in sich“, lautete ein anderes Urteil. „Man könnte fast glauben, dass der sich den Borkenkäfer eingefangen hat“, spottete ein ortsansässiger Landwirt auf Twitter. Die Tanne sei als „abscheulich hässlich“ durchgefallen, bilanzierte SVT: Besser kein Baum als dieser, habe es geheißen.

Es gab allerdings auch eine eher unglückliche Vorgeschichte, wie Mjölbys Park- und Gartenmeisterin Ida Andersson dem Sender erklärte. Der eigentlich vorgesehene Baum habe seine Fällung nicht überstanden, sondern sei „kaputtgegangen“. „Wir haben das Beste genommen, was wir so kurzfristig bekommen konnten, aber sehen ein, dass der nicht den Standard erfüllt und werden deshalb noch einmal tauschen.“

Weihnachtsbaum-Misere auch in Deutschland: „So sieht Waldsterben aus!“

Gesagt, getan: Bereits wenige Tage nach der Baum-Premiere rückten Arbeiter an und sägten „Schwedens hässlichste Tanne“ wieder um. Um die Mittagszeit des 28. November meldete Mjölby Vollzug: Der Baum sei abtransportiert und, Zitat, auf die städtische Deponie geworfen worden.

Wer meint, das nadelbaumreiche Schweden habe ein besonders kritisches Verhältnis zu weihnachtlichem Gehölz, irrt allerdings. So plagt etwa auch Frankfurt am Main seit Jahren ein holziges Problem. Dort erhalten die Weihnachtsbäume vor dem berühmten Römer sogar Namen. Vor Spott schützt das nicht.

Der sieht so ranzig aus, Alter!

Passanten sahen „Gretel“, Frankfurts Weihnachtsbaum 2021, eher kritisch.

2021 etwa bekam „Gretel“ schon kurz nach dem Aufstellen ihr Fett weg. „Der sieht so ranzig aus, Alter“ hieß es aus der Menge der Schaulustigen, wie fr.de notierte – oder auch: „So sieht Waldsterben aus!“ 2020 hatte „Bertl“ laut fnp.de beim Aufstellen sichtlich gelitten. Weihnachtsmarktleiter Kurt Stroscher sah sich damals zu einer freundlichen aber durchaus vielsagenden Klarstellung genötigt: Der extra aus dem österreichischen Schladming herantransportierte Baum habe „eine wunderschöne Schokoladenseite“, betonte Stroscher. Der Umkehrschluss liegt auf der Hand.

Dennoch: So viel Wohlwollen aus berufenem Munde hätte sich womöglich auch die namenlose Tanne von Mjölby gewünscht. Zumal einige Passanten nach dem Aufstellen auch auf ein anderes Problem hingewiesen hatten: „Ein bisschen mehr Beleuchtung“ hätte nicht schaden können, sagte eine junge Frau SVT. „Aber ich verstehe natürlich, dass wir dieses Jahr Strom sparen müssen.“ Ein bisschen Weltpolitik steckt eben auch hinter jedem Weihnachtsbaum. Gerade hinter denen mit kurzer Karriere. (fn)

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