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ARD: Drosten fürchtet Turbulenzen nach Ostern und wagt Ausblick - „Im Sommer, in eineinhalb Jahren ...“

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Von: Patrick Huljina

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In den ARD-„Tagesthemen“ sprach Virologe Christian Drosten über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Er gab dabei eine Prognose für den Sommer 2022 und warnte vor frühzeitigen Lockerungen.

Berlin - Bei den Corona-Zahlen in Deutschland ist ein positiver Trend zu erkennen. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt im Vergleich zu den Vorwochen, die 7-Tage-Inzidenz ebenso. Dennoch warnen Experten vor zu schnellen Lockerungen. Es gibt weiterhin zu viele Corona-Todesfälle in Deutschland, am Mittwoch meldete das RKI 982. Zudem herrscht große Sorge vor der Ausbreitung der Corona-Mutationen, unter anderem der Virus-Variante B.1.1.7*, die in Großbritannien für eine Explosion der Infektionszahlen gesorgt hat.

Corona-Reisebeschränkungen in Deutschland: Drosten hält Maßnahmne für wissenschaftlich sinnvoll

Zuletzt wurde berichtet, dass die Bundesregierung angesichts der Risiken der Corona-Mutation über eine Einschränkung des Reiseverkehrs nachdenkt. „Dazu gehören deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu Null“, sagte Innenminister Horst Seehofer (CSU) laut Bild.

Aus rein wissenschaftlicher Sicht sei ein solches Vorgehen sinnvoll, erklärte Christian Drosten in den ARD-„Tagesthemen“. „Wenn wir sehr viel Infektionstätigkeit im Land haben, dann macht das Bisschen, was von außen kommt, nichts mehr aus. Aber wenn wir schon ein großes Stück des Weges gegangen sind, dann müssen wir auch darauf achten, was von außen kommt“, so der Virologe der Berliner Charité. Die rein wissenschaftliche Antwort sei in dieser Sache allerdings deutlich einfacher als die politische.

Corona in Deutschland: Drosten warnt vor zu schnellen Lockerungen

Zeitgleich warnte Drosten vor zu schnellen Lockerungen der Corona*-Maßnahmen - auch im Hinblick auf die Ausbreitung der Corona-Mutationen*. Der Virologe zeigte sich am Dienstagabend zuversichtlich, dass die in Deutschland ergriffenen Maßnahmen auch gegen die neu entdeckten, deutlich ansteckenderen Virus-Varianten wirksam seien. Es bestehe die begründete Hoffnung, dass „die Mutanten sich erstmal nicht so stark verbreiten, wenn wir das noch ein bisschen durchhalten“.

Virologe Christian Drosten warnte in den ARD-„Tagesthemen“ vor zu schnellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen.
Virologe Christian Drosten warnte in den ARD-„Tagesthemen“ vor zu schnellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. © Screenshot / ARD-„Tagesthemen“

Zwar würden zu irgendeinem Zeitpunkt genügend Menschen gegen das Coronavirus geimpft* sein, um eine exponentielle Vermehrung zu stoppen, so Drosten. Die Frage sei allerdings: „Wie lange dauert das?“ Der Virologe erklärte, er sei nicht sicher, ob das in allzu nächster Zeit passiert.

„Wenn wir uns mal die Zeit nach Ostern vorstellen – da werden wir wahrscheinlich noch nicht genügend Menschen geimpft haben“, sagte Drosten. Die „etwas naive“ Vorstellung, alle Maßnahmen dann einfach zu beenden, würde unweigerlich zu einer erneuten starken Verbreitung des Coronavirus* führen. „Dann werden wir wieder in medizinische Probleme kommen“, mahnte der Experte.

Corona in Deutschland: Drosten mit Prognose zu Sommer 2022 - „Dieses Virus ist nicht harmlos“

„Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga fragte Drosten zudem nach einer Prognose zum Sommer 2022, im Hinblick auf eine mögliche Geburtstagsfeier zu seinem 50. Geburtstag. „Im Sommer in eineinhalb Jahren, denke ich, dass man wieder ganz normal feiern kann“, erklärte der Virologe. Man werde zu diesem Zeitpunkt bereits viele Geimpfte in Deutschland haben.

Abschließend erklärte Drosten, ihm sei dennoch wichtig zu sagen: „Man kann diese Pandemie nicht für beendet erklären.“ Man müsse die Maßnahmen in der Zukunft schrittweise zurücknehmen und schauen, wie das funktioniert. „Dieses Virus ist nicht harmlos. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass man die Risikogruppen abdeckt und das Problem dann erledigt hat“, so der Appell des Virologen. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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