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Tempolimit 200: Raser-Wahnsinn auf A2 - Staatsanwalt macht Vorschlag

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Von: Simon Stock

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Mit Tempo 417 schoss ein Millionär über die A2 - und stellte ein Video ins Netz. Von der Staatsanwaltschaft kommt nun ein außergewöhnlicher Vorschlag.

Naumburg/Hamm - Es war eine Irrsinnsaktion: Im Juli 2021 raste ein tschechischer Millionär in seinem Bugatti Chiron mit 417 Kilometern pro Stunde über die A2 und prahlte damit später in einem Video, das er online stellte. Die Öffentlichkeit war wahlweise schockiert ob der Rücksichtslosigkeit des Mannes oder beeindruckt von Mumm und Moneten. Nur kalt ließ der Rekordversuch auf einer ganz normalen deutschen Autobahn kaum jemanden.

AutobahnA2
Länge473 km
BundesländerNRW, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg

Raserwahnsinn auf der A2: Staatsanwaltschaft schlägt Tempolimit 200 auf Autobahnen vor

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Berlin und Hannover, auf dem der Raser die 417 Sachen erreichte, galt zwar kein Tempolimit, dennoch wurde der Geschwindigkeitsrausch ein Fall für die deutsche Justiz. Denn nach dem Strafgesetzbuch ist auch ein sogenanntes Alleinrennen strafbar, wenn sich der Fahrer „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“. Die Ermittlungen gegen den Bugatti-Mann wurden dennoch eingestellt.

Und sie bleiben es auch weiterhin. Das hat über ein Jahr nach der Raserei über die A2 jetzt - Mitte August 2022 - die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg (Sachsen-Anhalt) entschieden. Sie reagierte damit auf eine Beschwerde auf die ursprüngliche Einstellung des Verfahrens.

Die Begründung: Es „mag äußerst leichtsinnig und lebensmüde erscheinen“, mit annähernd 116 Metern je Sekunde zu fahren, es handele sich aber um keinen Straftatbestand. „Beweisverwertbare Anhaltspunkte dafür, dass die Fahrt im Einzelfall - abgesehen von der deutlich übersetzten Geschwindigkeit - grob verkehrswidrig und rücksichtslos unternommen wurde, waren nicht vorhanden.“

Tempo 417 auf der A2: Tempolimit könnte das verhindern

Dass der tschechische Raser zeitweise sogar beide Hände vom Lenkrad genommen hatte, änderte an der Auffassung nichts. Auch das sei Autofahrern - anders als Motorradfahrern - nicht verboten, argumentierte die Generalstaatsanwaltschaft.

Die Juristen machten jedoch einen Vorschlag, wie solche „leichtsinnigen, aber nicht strafbaren Aktionen“, wenn schon nicht unterbunden, so doch immerhin juristisch verfolgbar zu machen: durch die Aufnahme einer bislang nicht vorhandenen Geschwindigkeitsobergrenze für Autos in die Straßenverkehrsordnung. Somit könnte ein sehr schnelles Fahren noch erlaubt sein, aber kein übermäßig-rasendes Fahren. Als Beispiel nannten die Juristen eine Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde.

Ein Raser-Trio aus NRW lieferte sich Autorennen im A46-Tunnel, einer von ihnen prahlte per Video mit Tempo 305 auf der A3. Jetzt vergeht ihnen das Lachen. Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ist ein Dauerthema in Deutschland. Im Zuge der durch den Ukraine-Krieg stark gestiegenen Benzinpreise forderte Greenpeace ein scharfes Tempolimit - nicht nur für Autobahnen.

Die Autobahn A2 verbindet die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. - mit dpa

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