Tagesmütter vor Gericht

Kindern nasse Windeln ins Gesicht gedrückt?

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Die beiden angeklagten Tagesmütter (l.) auf dem Weg in den Gerichtssaal.

Magdeburg - Sie sollen ihre Schützlinge gequält und geschlagen haben. Zwei Tagesmütter stehen deswegen in Magdeburg vor Gericht. Doch ohne Aussagen der mutmaßlichen Opfer ist die Aufklärung schwierig.

Wenn die Kinder auf dem Töpfchen weinten, sollen die Betreuerinnen ihnen Toilettenpapier in den Mund geschoben haben. Als ein Kind sich übergeben musste, soll ihm das Erbrochene zurück in den Mund gestopft worden sein. Viele Seiten umfasst die Anklage, die Staatsanwältin Barbara Schulte-Frühling am Donnerstag vor dem Magdeburger Landgericht verlas. Zwei Tagesmütter sind angeklagt, mehrere ihrer Schützlinge misshandelt zu haben. Den beiden Frauen - Mutter und Tochter - werden insgesamt 89 Straftaten vorgeworfen. Ehemalige Mitarbeiterinnen hatten den Fall ins Rollen gebracht.

Die beiden Angeklagten weisen die Anschuldigungen zurück. „Das stimmt nicht“, sagte die 52 Jahre alte Angeklagte am Donnerstag zu dem Vorwurf, sie habe in den Jahren 2010 und 2011 Kinder geschlagen und gequält. Die Frau mit der roten Kurzhaarfrisur hatte zusammen mit ihrer Tochter in Magdeburg eine private Kindertagespflege betrieben.

Die Frauen sollen den Kindern nasse Windeln ins Gesicht gedrückt oder sie am Hals aus ihren Stühlchen gezogen haben. Außerdem sollen sie ihre Schützlinge ins Kinderbett geworfen haben. Dabei hätten die Frauen lebensbedrohliche Situationen wie Schädelbrüche oder Erstickungsgefahr billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklage. Bis heute litten einige Kinder unter den Folgen der Misshandlung. Sie seien verängstigt, hätten Schlafstörungen oder panische Angst vor dem Töpfchen.

Kinder können nicht vernommen werden

Die Vorwürfe zu klären, ist schwierig. Die betroffenen Kinder könnten nicht vernommen werden, sagte ein Gerichtssprecher. Sie seien damals alle höchstens drei Jahre alt gewesen. Ehemalige Mitarbeiter der Kindertagespflege sowie Vertreter des Jugendamts sollen Licht ins Dunkel bringen. In den angesetzten zehn Prozesstagen sollen 35 Zeugen aussagen. Bei einer Verurteilung drohen den beiden Angeklagten nach Angaben des Sprechers bis zu 15 Jahre Haft. Ein Urteil soll im Oktober gefällt werden.

Die 28 Jahre alte Tochter, eine gelernte Ergotherapeutin, sagte, es habe ein konsequentes, aber kein strenges Erziehungskonzept gegeben. Wenn ein Kind bockig war, habe es sich auf dem „Ruhekissen“ eine Auszeit nehmen müssen. Misshandlungen habe es nicht gegeben.

Die 52-Jährige schwieg meistens, sprach nur gelegentlich leise mit ihrer Anwältin oder ihrer Tochter. Die 28-Jährige erzählte dagegen mit energischer Stimme vom Alltag in der Kindereinrichtung, von Besuchen mit den Kindern in Parks und dem Verhältnis zu den ehemaligen Mitarbeiterinnen. Die hatten den Fall ins Rollen gebracht. Einige betroffene Eltern treten als Nebenkläger auf. Einmal brach die junge Frau mit den rotbraunen Haaren kurz in Tränen aus, fing sich aber schnell wieder.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Berufsverbot für die beiden Tagesmütter beantragt. Noch bis vor kurzem hatten die beiden Frauen Kinder betreut.

dpa

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