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Neonazi-Aufmarsch für „SS-Siggi“: Ordner verhindern Zusammenstoß mit Gegendemo

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Von: Sandra Kathe, Mirko Schmid

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Ein Teilnehmer der Kundgebung von Rechtsextremisten trägt zu Ehren von Neonazi Siegfried Borchardt einen Kranz durch die Polizeiabsperrung. Laut Polizei sind rund 480 Teilnehmer vor Ort. Mehrere Gegendemos protestieren gegen den Aufmarsch.
Ein Teilnehmer der Kundgebung von Rechtsextremisten trägt zu Ehren von Neonazi Siegfried Borchardt einen Kranz durch die Polizeiabsperrung. Laut Polizei sind rund 480 Teilnehmer vor Ort. Mehrere Gegendemos protestieren gegen den Aufmarsch. © Roland Weihrauch/dpa

Am Tag der „Trauerfeier“ für den Neonazi Siegfried Borchardt meldet die Polizei Dortmund neben einem Aufmarsch Hunderter Neonazis auch mit Gegendemos. Der Ticker.

+++ 17.22 Uhr: Der „Trauermarsch“ ist zum Stehen gekommen. Die Polizei hat nur 100 Personen erlaubt, in die Wörthstraße und von dort zur Tusneldastraße, Borchardts letztem Wohnort, zu gehen. Während die Versammlungsleitung der Rechten durchsagt, im Vorfeld nichts davon gewusst zu haben, halten die 100 Durchgelassenen ihre nun eigene, kleinere Veranstaltung vor dem Wohnhaus ab.

+++ 17.05 Uhr: Ein Videoclip zeigt, wie Teilnehmer des rechtsextremen „Trauermarsches“ mit den Gegendemonstrierenden „in Dialog treten“ wollen. Die Polizei muss allerdings nicht eingreifen, da die entsprechenden Rechten von ihren eigenen Ordnern in die Schranken verwiesen werden.

+++ 15.30 Uhr: Die Dortmunder Polizei twittert, dass bei den Durchsuchungen einzelner Versammlungsteilnehmender Quarzhandschuhe gefunden worden seien. Diese wurden laut Polizei sichergestellt, „um einen friedlichen Verlauf der Versammlung zu gewährleisten“. Am Jahrestag der rechtsterroristischen Morde von Halle haben sich laut Polizeiangaben inzwischen rund 480 Rechtsextreme versammelt.

Update, 13.45 Uhr: Die Kundgebung von Rechtsextremisten nach dem Tod von Neonazi Siegfried Borchardt wird heute um 14 Uhr beginnen. Startpunkt ist der Hauptbahnhof in Dortmund. Der Zug soll anschließend über die Rheinische Straße in den Stadtteil Dorstfeld führen und dort an Emscher-/Thusneldastraße enden. Entlang der Route hat sich Gegenprotest angekündigt. Die ersten Neonazis haben sich inzwischen vor dem Hauptbahnhof versammelt.

Dortmund: Rechtsextreme sagen „SS-Siggi“ Adieu

Erstmeldung: Dortmund - Mit etlichen Einsatzkräften wird die Polizei Dortmund einen für Samstagnachmittag (09.10.2021) geplanten Trauermarsch für den verstorbenen Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt* begleiten. Die Polizei rechnet neben 250 rechtsextremen Teilnehmer:innen des Aufzugs, der von der Innenstadt zum letzten Wohnhaus des in der Szene als „SS-Siggi“ bekannten Mannes führt, auch mit mehreren Gegendemonstrationen.

Ziel des Einsatzes sei, „friedliche Demonstrationen zu schützen, aber auch mit aller gebotenen Konsequenz gegen Straftäter einzuschreiten“ kündigte die Dortmunder Polizei in einer Pressemeldung an - ein „besonderer Schwerpunkt“ werde für die Einsatzkräfte auch die „Gewährleistung der uneingeschränkten Pressefreiheit“ sein. Aufgrund des Aufmarschs, zu dem Neonazis aus ganz Deutschland erwartet würden, sei am Nachmittag in der Dortmunder Innenstadt mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen.

Rechtsextremer Trauerzug für vielfach vorbestraften Neonazi „SS-Siggi“ in Dortmund

Der im Alter von 67 verstorbene Borchardt war lange Zeit einer der Köpfe der Dortmunder Rechtsextremen-Szene und auch bundesweit bekannt. Für die Kleinstpartei Die Rechte saß „SS-Siggi“ 2014 kurzzeitig im Dortmunder Stadtrat, legte das Mandat aber nach nur zwei Monaten nieder. In den 80ern war er Anführer der rechten „Borussenfront“, für die „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) trat er in mehreren Wahlen erfolglos an. Die FAP wurde 1995 verboten.

In Borchardts langem Vorstrafenregister werden unter anderem Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung aufgeführt. Bei Neonazi-Aufmärschen mischte Borchardt immer wieder mit und zeigte hierbei auch den Hitlergruß - deswegen verurteilte ihn zum Beispiel das Dortmunder Amtsgericht 2003 zu vier Monaten Haft ohne Bewährung. (ska/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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