Schwester fand ihn verwahrlost

„Wie in einem Horrorfilm“: Mutter soll Sohn fast 30 Jahre weggesperrt haben - nun gibt es eine Wende

Ein Polizeiauto steht vor einem Mehrfamilienhaus in Haninge, südlich von Stockholm
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In Haninge, südlich von Stockholm, wird eine Frau verdächtigt, ihren Sohn jahrzehntelang eingesperrt zu haben.

Eine Mutter soll ihren Sohn über jahrelang weggesperrt und isoliert haben. Die Schwester fand ihn völlig verwahrlost. Zu dem Fall aus Schweden gibt es jetzt neue überraschende Details.

Update vom 3. Dezember, 13.30 Uhr: Der Verdacht gegen eine Schwedin, die ihren Sohn 28 Jahre lang weggesperrt und misshandelt haben soll, hat sich nicht erhärtet.

„Wir haben keinerlei Anhaltspunkte gefunden, dass der Mann eingesperrt oder gefesselt oder anderweitig physisch daran gehindert wurde, die Wohnung zu verlassen“, sagte Staatsanwältin Emma Olsson am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Seine Wunden seien krankheitsbedingt und keine Folge von Misshandlungen erklärte die Staatsanwältin laut schwedischen Medienberichten. Das hätten medizinische Untersuchungen ergeben.

Der 41-jährige Mann war am Sonntag von seiner Schwester in einer völlig verwahrlosten Wohnung gefunden worden. Die Schwester sagte mehreren Medien gegenüber, sie habe ihren Bruder seit mehr als 20 Jahren nicht gesehen. Die Mutter habe ihn von der Außenwelt isoliert, seit er 12 Jahre alt war. Die Polizei hatte die 70-Jährige zunächst der „illegalen Freiheitsberaubung und der Verursachung körperlicher Schäden“ verdächtigt.

Die Tür war nie abgesperrt

Inzwischen sagte der 41-Jährige aber laut Olsson aus, dass er selbst entscheiden konnte, ob er die Wohnung verlassen wollte oder nicht. Auch Nachbarn sahen ihn manchmal draußen. Die Mutter wurde nun freigelassen.

Update vom 2. Dezember, 13.32 Uhr: Es sind erschütternde Details. Eine Mutter (70) sperrt ihren Sohn (41) jahrelang ein. Niemand vermisst das Kind. Schulleiter können sich nicht an den Jungen erinnern, berichtet das schwedische Boulevardblatt Aftonbladet. In den 90er Jahren muss der damals 12-Jährige von der Schule genommen worden sein. Dann verschwand der Junge offenbar von der Bildfläche.

Nach fast 30 Jahren wurde der inzwischen 41-Jährige aus seiner Isolation befreit. Eine Verwandte fand den Mann in der Wohnung (siehe Erstmeldung). Sie hatte erfahren, dass seine Mutter im Krankenhaus ist und sich auf den Weg gemacht.

Mit einer Dose Makrelen, einer Scheibe Knäckebrot und Chips soll die Mutter den Mann in der Wohnung zurückgelassen haben, berichtet die Bild.

Die Schwedische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts der illegalen Freiheitsberaubung, Körperverletzung. Die Frau bestreitet das Verbrechen, nach Angaben der Staatsanwaltschaft. Ob ein Haftbefehl gegen die 70-Jährige erhoben wird, entscheide sich spätestens am Donnerstag (3. Dezember).

„Wie in einem Horrorfilm“: Mutter soll Sohn fast 30 Jahre isoliert haben - Verwandte fand ihn verwahrlost

Erstmeldung vom 1. Dezember 2020

Stockholm - Entsetzlicher Fall in Schweden: Eine 70-jährige Frau steht unter Verdacht, ihren Sohn jahrzehntelang isoliert zu haben. Die Zeitung „Expressen“ berichtete am Montagabend, eine Verwandte habe den Mann, der inzwischen 41 Jahre alt ist, in der völlig verwahrlosten Wohnung im Stockholmer Vorort Haninge gefunden. Er sei von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sein, seit er 12 Jahre alt gewesen sei.

Mann in Schweden jahrzehntelang von Mutter isoliert - Polizei nimmt Frau fest

Der Mann sei „eine sehr lange Zeit eingesperrt“ gewesen, sagte Polizeisprecher Ola Österling der Nachrichtenagentur AFP. Wie lange der Sohn tatsächlich von der Aussenwelt abgeschnitten war, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Auch weitere Einzelheiten zu dem Fall wurden von Seiten der Polizei nicht kommentiert. Bestätigt wurde gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aber, dass die Frau festgenommen worden sei. Gegen sie werde wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung ermittelt. Die Frau bestreite die Vorwürfe.

Schwede nach Jahrzehnten befreit: „Es war wie in einem Horrorfilm“

Die Verwandte sagte gegenüber „Expressen“, sie habe lange den Verdacht gehabt, dass die Frau ihren Sohn eingesperrt habe. Als sie gehört habe, dass die 70-Jährige im Krankenhaus sei, sei sie am Sonntagabend zu der Wohnung gegangen: „Es war wie in einem Horrorfilm“, sagte sie der Zeitung. Die Wohnung sei dunkel und völlig zugemüllt gewesen. Der Mann habe in einer Ecke auf dem Boden gesessen. Er habe kaum sprechen können. Er habe trotz seines Alters nur wenige Zähne und Wunden an den Beinen. Sie habe einen Krankenwagen gerufen, die Ärzte im Krankenhaus hätten schließlich die Polizei alarmiert.

„Sie hat ihm sein Leben gestohlen“, wird die Verwandte von Expressen zitiert. Schon vor vielen Jahren, habe die Verwandte versucht einzugreifen., hätte aber schließlich aufgegeben. „Ich war noch jung“, verteidigt sie ihre damalige Reaktion.

. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sich der Mann weiterhin im Krankenhaus befinde. Zu der Art der Verletzungen wollte sie sich nicht äußern.

Ebenfalls in Schweden machte dieser Fall Anfang des Jahres Schlagzeilen: Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hat ein Elternpaar die gemeinsamen drei Kinder in ihren Zimmern eingesperrt. (va/dpa)

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