Winter lähmt Verkehr in Europa

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Chaos am Flughafen Frankfurt.

Frankfurt/Main - Chaos auf Flughäfen, überfüllte Züge, eisglatte Straßen - der Winter hält am vierten Advent weiter zigtausende Reisende fest. Ein Ende der Geduldsprobe zeichnet sich nicht ab.

Schnee und Eis haben an einem der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres den Flug- und Bahnverkehr in Europa gelähmt. Tausende Reisende mussten wenige Tage vor Weihnachten auf Flughäfen unter teils chaotischen Bedingungen campieren, weil Flüge ausfielen oder sich um viele Stunden verspäteten. Am Drehkreuz Frankfurt am Main kam es zu Tumulten, die Polizei musste einschreiten. Fluggesellschaften rieten zum Umsteigen auf Züge, doch bei der Bahn sah es nicht viel besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Die Deutsche Bahn empfahl, für Sonntagnachmittag geplante Zugfahrten zu verschieben. Und: Entspannung ist nicht in Sicht, es soll weiter schneien.

“Die Flugpläne sind völlig durcheinander“, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Hier wurden bis Sonntagabend knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen. Tausende Reisende stauten sich in den beiden völlig überfüllten Terminals. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport bezeichnete die Lage am Sonntag aber als “insgesamt geordneter“ als noch am Samstag. Denn da lagen in der endlos langen Schlange vor der Gepäckabfertigung die Nerven blank: Als frisch angekommene Fluggäste versuchten, eine neue Schlange zu bilden, sahen einige seit Stunden festsitzende Reisende rot. Die Polizei musste einschreiten.

Auch an anderen deutschen Flughäfen fielen Flüge aus oder verspäteten sich. Doch auch auf der Schiene gab es Probleme. Züge fielen aus oder kamen mit teils stundenlanger Verspätung an. In einer ungewöhnlichen Aktion riet die Deutsche Bahn von Zugreisen am Sonntagnachmittag ab: Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit “Kapazitätsengpässen“ zu rechnen. Reisende sollten, wenn möglich, auf “weniger nachgefragte Zeiten“ wie den Morgen oder Abend ausweichen, hieß es.

Wetterdienst macht keine Hoffnung auf Besserung

Wenig Hoffnung auf Besserung machte der Deutsche Wetterdienst (DWD): Auch in den kommenden Tagen soll es weiter kräftig schneien, von Süden rückt aber mildere Luft heran. Die wärmere Front werde voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag Flensburg erreichen. Der Schnee könne zunehmend in Regen übergehen und auf den frostigen Straßen gefrieren. “Also wenig Vergnügen für Autofahrer in den betroffenen Gebieten“, warnten die Meteorologen. Besonders schwer war am Wochenende Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow betroffen, der schließlich sogar geschlossen wurde. Auch der Betrieb an den Flughäfen in Lüttich und Charleroi sowie in Luxemburg wurde zeitweise eingestellt. Heathrow sollte am Montag wieder öffnen. Zunächst aber saßen allein in London tausende Passagiere am Flughafen fest.

Fluggäste schliefen unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden im Transitbereich. Die Schließung des Drehkreuzes hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten. Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sorgten Schnee und Eis für Ausfälle und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Samstag waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden.

Mehrere Hundert von ihnen verbrachten die Nacht auf dem Flughafen. Ein Konzert der Sängerin Lady Gaga in Bercy wurde abgesagt: Mehrere Lastwagen ihrer Tournee waren steckengeblieben. Chaotische Verhältnisse auf den Straßen wurden erneut für den Wochenanfang befürchtet. Mehrere Politiker forderten eine Schneekettenpflicht für Lastwagen. “Es kann nicht sein, dass liegengebliebene Lkw im Winter die Autobahnen verstopfen“, sagte der Verkehrsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. In einer Verordnung müsse festgeschrieben werden, dass Lastwagenfahrer Schneeketten dabei haben, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann. In den Alpen und im Harz lockte das teils sonnige Winterwetter viele Ski- und Schlittenfahrer in die Berge. Im Oberharz wuchs die Schneedecke inzwischen auf bis zu einen Meter. “Mal wieder ein Winter ohne Schneekanonen“, freute sich der Wirt auf dem Torfhaus im Harz. Eine andere gute Nachricht kam vom Deutschen Wetterdienst: “Im größten Teil Deutschlands dürfen wir auf weiße Weihnacht hoffen.“

dpa

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