Schmerzensgeld für Kindesmörder

Frankfurt/Main - Das Gericht hat entschieden: Magnus Gäfgen, der verurteilte Kindermörder, bekommt Schmerzensgeld, weil ein Polizist ihm Gewalt angedroht hatte.

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Der Kindsmörder Magnus Gäfgen bekommt eine Entschädigung vom Land Hessen. Das Frankfurter Landgericht sprach dem 36-Jährigen am Donnerstag 3.000 Euro zu. Seine Klage auf Schmerzensgeld wiesen die Richter jedoch ab. Gäfgen hatte das Land verklagt, weil ihm ein Polizist nach seiner Festnahme Gewalt angedroht hatte, um das Versteck des entführten Bankierssohn Jakob von Metzler zu erfahren.

Die Polizei dachte damals, der Elfjährige sei noch am Leben, aber in höchster Gefahr. In Wirklichkeit war Jakob von Metzler zu dem Zeitpunkt schon tot. Gäfgen führte die Polizei schließlich zu der Leiche.

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Der damalige Jurastudent wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, außerdem stellte der Richter die besondere Schwere der Schuld fest. In dem aktuellen Verfahren verlangte Gäfgen 10.000 Euro Schmerzensgeld plus Schadenersatz. Seine Forderung begründete er zum einen mit psychischen Schäden, die er durch die Gewaltandrohung erlitten haben will. Zum anderen habe der Polizist ihn auch geschüttelt und geschlagen, was dieser in dem Prozess aber entschieden bestritt. Seinen Angaben zufolge blieb es bei Drohungen. Gäfgen muss nach dem Urteil den Großteil der Prozesskosten tragen.

Kritik von der Polizei-Gewerkschaft

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die Entschädigungszahlung kritisiert. Das Urteil sei emotional nur sehr schwer erträglich, erklärte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut am Donnerstag in Berlin. “Diese dicke Kröte muss jedoch unter dem Gesichtspunkt der Rechtsstaatlichkeit geschluckt werden“, fügte der Gewerkschafter hinzu.

Die Entscheidung dürfe jedoch nicht zur Folge haben, dass die Polizei in Vernehmungen nicht mehr intensiv nachfragen dürfe, betonte Witthaut.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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