Säuretanker gehoben: Leiche von Besatzungsmitglied gefunden

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Bergungskräfte tragen den Leichnam eines Besatzungsmitgliedes des auf dem Rhein gekenterten Säuretankschiffs Waldhof auf ein Polizeiboot.

St. Goarshausen - Nach dem Aufrichten des havarierten Säuretankers “Waldhof“ an der Loreley haben die Einsatzkräfte die Leiche eines der beiden noch vermissten Besatzungsmitglieder geborgen.

Die Leiche fand sich in den völlig zerstörten Räumen des Wohnbereichs der “Waldhof“, wie die Einsatzleitung am Sonntag in St. Goarshausen mitteilte. Die Identität des Toten war noch unklar, die Suche nach dem zweiten Vermissten dauert an.

Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass auch die zweite Leiche sich an Bord des Schiffs findet. Nach Aussagen der beiden überlebenden Besatzungsmitglieder hatte einer ihrer beiden Kollegen zum Zeitpunkt des Unfalls in seiner fensterlosen Kabine geschlafen. Es steht deshalb zu vermuten, dass dessen Leiche nun gefunden wurde. Der zweite Vermisste hingegen hatte am Steuerstand gestanden, der bei dem Unfall komplett abgerissen worden war. Seine Leiche dürfte deshalb vermutlich von der Strömung weggespült worden sein.

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Bergung der havarierten "Waldhof" beginnt

Zuvor war die “Waldhof“ von Bergungsspezialisten angehoben und gedreht worden. “Wir haben das Schlimmste hinteruns. Uns fallen viele Steine vom Herzen“, sagte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Roger Rewentz (SPD), am Sonntagmittag. Zuvor war befürchtet worden, das auf der Seite liegende Schiff könnte bei der Bergung auseinanderbrechen. Seit den Morgenstunden wurde Wasser aus den Tanks des Havaristen gepumpt, um ihm Auftrieb zu geben. Drei Kräne waren im Einsatz. Am Mittag war das Schiff bereits fast in Normallage.

Damit liefen die Bergungsarbeiten der Spezialfirma Mammoet, die 2001 das russische Atom-U-Boot “Kursk“ aus den Tiefen der Barentssee gehoben hatte, deutlich schneller als erwartet. Die Niederländer hatten zwei Tage dafür angesetzt.

“Wir sind mit dem Verlauf mehr als zufrieden“, sagte Lewentz. Es habe zum Schluss keine größere Probleme mehr gegeben. Auch habe er volles Vertrauen, dass die Experten auch den letzten Schritt meisterten: Das Schiff sollte danach ans Ufer gezogen werden.

Lewentz zog ein erstes Fazit: “Wir haben hier einen Großeinsatz zu bewältigen gehabt, wie man ihn am Rhein noch nicht gekannt hat.“ Das 110 Meter lange Schiff war am 13. Januar mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord nahe des Loreleyfelsens aus ungeklärter Ursache gekentert. Zwei Besatzungsmitglieder wurden gerettet, zwei weitere Bootsleute wurden seither vermisst. Möglichst noch am Sonntag sollten die Wohnräume in dem Wrack untersucht werden. Sie waren bisher nicht zugänglich. Die Familien der Vermissten sollten Klarheit über das Schicksal ihrer Angehörigen erhalten, hieß es.

Auf dem Weg zur Bergung sahen sich die Experten immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Erst verzögerte das Hochwasser die Anfahrt der Kräne, weil sie wegen des hohen Wasserstands nicht unter den Rheinbrücken durchkamen. Dann bildete sich wegen der Strömung eine mehrere Meter tiefe Mulde an der “Waldhof“, das Schiff drohte abzurutschen. Als diese Gefahr mit Hilfe weiterer Stahlseile gebannt war, entdeckten Chemiker, dass sich in der mit Wasser gemischten Säure Wasserstoff gebildet hatte. Stickstoff wurde deshalb tagelang in die Tanks gepumpt und verdrängte das hochexplosive Gas.

Zuletzt musste die Einsatzleitung sogar ein Auseinanderbrechen des Havaristen fürchten. Nachdem man angefangen hatte, die Säure aus einem der sieben Tanks zu pumpen, verbog sich der Schiffsrumpf. Aufgrund der enormen Spannung entstanden Beulen an dem Tanker. Die Behörden ließen daher kontrolliert Schwefelsäure in den Rhein ab. Bis auf einen Rest von 100 Tonnen wurde die Säure in den Fluss oder auf ein anderes Schiff gepumpt. Behörden und Umweltschutzverbände sprachen von nur geringen Beeinträchtigungen der Natur. Beim Mischen der Chemikalie mit Wasser entstehen vor allem hohe Temperaturen.

dpa/dapd

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