Prozess um Zwangsehe eines jungen Griechen

Berlin - Der Fall war ganz und gar ungewöhnlich. Ein Junge, nicht die Braut, sollte zwangsverheiratet worden sein. Vor Gericht reichten die Beweise nicht. Der Richter sprach die angeklagte Familie frei.

Mit 17 Jahren wurde ein Grieche mit einer 20-jährigen Griechin verheiratet. Später erhob der Junge schwere Vorwürfe gegen die Braut und ihre Familie. Die Anschuldigungen einer Zwangsehe konnten jedoch nicht bewiesen werden. Am Mittwoch wurden die inzwischen 22-Jährige, ihre Eltern, die Großmutter und ein Bruder von einem Berliner Amtsgericht freigesprochen. Es gab Widersprüche und Aussagen, die nicht nachzuvollziehen sind, erklärte Richter Sascha Daue die Entscheidung.

Der Schüler war 13 und das Mädchen 17, als es zu ersten Kontakten im Internet kam. Später bei der Polizei und auch im Prozess hatte der Zeuge behauptet, das Mädchen habe ihn schon bald zum Telefonsex gezwungen. Eine Aussage, die das Gericht befremdete, zumal die Schwester immer im selben Zimmer geschlafen hatte.

Die Familie, die seit Jahren in Berlin lebt, hatte sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anklage hatte ihnen auch Bedrohungen und Misshandlungen vorgeworfen. Die angehende Kassiererin wurde zusätzlich beschuldigt, den Jungen noch vor der Ehe zum Sex gezwungen zu haben.

„Alles Lüge“, hatte die heute 22-Jährige erklärt. „Wir haben uns geliebt“, sagte die seit kurzem mit einem anderen Mann Verheiratete im Prozess. Probleme seien erst aufgetaucht, als sie mit dem 17-Jährigen bei dessen Familie gelebt habe.

Auch die Staatsanwältin und sämtliche Verteidiger hatten auf Freisprüche plädiert. Nur die Anwältin des heute 19-Jährigen beantragte eine Verurteilung. Sie vermutet nach wie vor, dass der Junge in die Ehe gedrängt wurde, weil das Mädchen seine Jungfräulichkeit bereits verloren haben soll. Ihr Mandant sei psychisch angeschlagen und durch die Hochzeit finanziell ruiniert, erklärte Anwältin Nurcan Aydin.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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