Deutscher gewinnt beim Pokern 8,7 Millionen - dank "Anna Kurnikowa"

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Pius Heinz hat ausgesorgt.

Las Vegas - Pius Heinz hat als erster deutscher Spieler das Finale der World Series of Poker gewonnen und den Jackpot von 8,7 Millionen Dollar eingestrichen. Das Kartenspiel lernte der 22-Jährige auf ganz einfachem Wege ...

Verstohlen und nervös blickte Pius Heinz unter seiner weißen Kapuze immer wieder auf den riesigen Bargeldstapel. Nur noch eine günstige Karte - und die wahnwitzige Summe von 8,7 Millionen Dollar Preisgeld würde ihm, dem 22 Jahre alten Studenten aus der Nähe von Köln, gehören. Als die Spannung im Rio Casino von Las Vegas nahezu unerträglich wurde, deckte der Kartengeber endlich die erlösende Karo Vier auf - und machte Heinz zum ersten deutschen Poker-Weltmeister der Geschichte.

Heinz stürmte im Konfettiregen auf seine Anhänger zu und verschwand binnen Sekunden in einer Jubeltraube. Das größte Einzel-Preisgeld, das je ein Deutscher gewonnen hat, blieb im ersten Glücksmoment einsam auf dem Pokertisch zurück. Fast sieben Stunden hatte Heinz um den Sieg im Main Event der World Series of Poker (WSOP) gerungen. Mann gegen Mann mit dem Tschechen Martin Staszko. Im längsten „Heads-up“ der WSOP-Geschichte.

„Wahnsinn! Ich kann es immer noch nicht wirklich fassen, dass ich für Deutschland den Titel geholt habe“, sagte Heinz nach dem größten Erfolg seiner noch jungen Karriere: „Es ist der Traum eines jeden Pokerspielers, dieses Turnier einmal im Leben zu gewinnen.“

Erst in der 123. Hand fiel die Entscheidung. Immer wieder hatte die Führung im Duell mit Staszko gewechselt, ehe der Tscheche mit einer Zehn und Sieben in Kreuz „All-in“ ging und seine restlichen Chips riskierte. Heinz, Markenzeichen weißer Kapuzenpulli, hielt Ass König - in der Pokerszene auch „Anna Kurnikowa“ (sieht gut aus, gewinnt aber selten) genannt - und callte.

„Endlich ist ein Deutscher Poker-Weltmeister geworden. Das ist ein historischer Sieg“, sagte Boris Becker. Der dreimalige Wimbledon-Sieger, der seit knapp vier Jahren Zugpferd eines Online-Pokerportals ist und häufig an professionellen Turnieren teilnimmt, trifft Anfang Dezember in Prag auf den 22-Jährigen Heinz. „Ich freue mich sehr, ihn dort kennenzulernen und gegen ihn anzutreten“, sagte Becker.

Der erste Erfolg eines Deutschen war für die Experten der Szene eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. „Heinz gehört zu der jungen Generation, die Poker im Internet gelernt hat. Sie setzt sich mit Psychologie und Mathematik auseinander“, sagte Dominik Kofert, Gründer der weltweit größten Online-Poker-Schule: „Die ältere Generation spielt mehr nach Bauchgefühl. Pius Heinz ist ein aggressiver Spieler, er ist sehr risikofreudig.“

Der Student der Wirtschaftspsychologie, der erst seit einigen Jahren pokert und zum zweitjüngsten Sieger avancierte, hatte schon vor der Finalrunde der besten Neun von 6865 Spielern 530.000 Euro sicher. Heinz war, angefeuert von Freunden und Familie, als Siebtplatzierter ins Rennen um die Millionen gegangen.

Was er mit seinem Riesengewinn machen will, ist noch unklar. „Ich bin recht bescheiden und habe eigentlich alles. Eventuell aber eine schöne Uhr. Ich habe vor, meine Schwester bei ihrem Studium zu unterstützen und meiner Mutter bei der Finanzierung einer Immobilie zu helfen“, sagte Heinz: „Definitiv aber werde ich sehr vorsichtig und konservativ mit dem Geld umgehen.“

Erstmal freut sich „Poker-Papst Pius“, wie ihn die Bild-Zeitung bereits taufte, auf ein wenig Ruhe nach anstrengenden zehn Tagen. „Ich werde ein paar Tage ganz alleine mit meiner Familie verbringen“, sagte Heinz. Dann dürfte ihm auch möglicherweise klar werden, welche Bedeutung sein Sieg haben könnte.

sid

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