Täter in Griechenland gefasst

Mord im Sauerland: Spektakulärer Erfolg für Ermittler nach 31 Jahren

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In diesem Wald in Plettenberg im Sauerland (NRW) soll der 37-jährige Täter eine Frau getötet haben.  Nach dem mutmaßlichen Mord flüchtete er nach Griechenland.

Ein Mord in Plettenberg im Sauerland (NRW) ist nach 31 Jahren offenbar aufgeklärt. Der verdächtige Täter ist in Griechenland gefasst worden - durch einen Zufall.

  • 31 Jahre nach einem Mord in Plettenberg im Sauerland ist der mutmaßliche Täter in Griechenland gefasst worden.
  • Der damals 37-jährige Spiridon K. soll eine 25-jährige Frau aus Plettenberg im Frühjahr 1989 getötet haben.
  • Der heute 68-Jährige hat sich offenbar über 30 Jahre in Griechenland versteckt.

Plettenberg - Es war eine grauenhafte Bluttat, die ganz Plettenberg und das Sauerland (NRW) erschütterte. Der Mordfall, der sich am 6. April 1989, also vor 31 Jahren auf einem abgelegenen Parkplatz in der Nähe des zu Plettenberg gehörenden Dorfes Dingeringhausen ereignete, hat eine ganze Familie traumatisiert und zwei neun- und achtjährigen Mädchen die Mutter genommen. Nun könnte der Cold Case zu den Akten gelegt werden, berichtet come-on.de*. Der mutmaßliche Täter ist in Griechenland von der Polizei gefasstworden.

Mord in Plettenberg: Opfer und Täter stammen aus Griechenland

Rückblick: Der 37-jährige Spiridon K. hatte sich im Jahr des deutschen Mauerfalls offenbar Hoffnungen auf eine Beziehung mit einer 25-jährigen Frau aus Plettenberg im Sauerland (NRW) gemacht. Die Ermittler schildern den Ablauf so: Als die zweifache Mutter dem Freund ihres Ehemannes auf dem einsam gelegenen Parkplatz mitteilte, dass sie keinerlei Beziehung zu ihm wünsche und ihren Mann keinesfalls verlassen werde, eskalierte die Situation. Spiridon K. sei der Frau aus Plettenberg zu deren Auto nachgegangen, habe eine Pistole gezogen und durch die Scheibe des Opel Kadett auf die Frau geschossen, die gerade ihr Auto starten wollte.

Die zu dem Gespräch mitgekommene Freundin versuchte den Mann aufzuhalten, doch der 37-jährige mutmaßliche Täter habe vor den Augen der Freundin noch weitere sechs Mal geschossen. So habe er die aus Griechenland stammende Frau, die seit vielen Jahren in Plettenberg lebte und arbeitete, bei laufendem Motor mit insgesamt acht Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet. Die verwendete Waffe, für die der Täter keinen Waffenschein besaß, blieb bis heute unentdeckt. Direkt nach dem mutmaßlichen Mord flüchtete der Mann. Im Hafen von Bari hatte der Täter das Fluchtauto abgestellt, das sein Bruder von dort nach Plettenberg zurückbringen sollte. Dort verlief sich seine Spur.

In diesem Wald in Plettenberg im Sauerland (NRW) soll der 37-jährige Täter eine Frau getötet haben.  Nach dem mutmaßlichen Mord flüchtete er nach Griechenland.

Mord in Plettenberg: Suche nach Täter bei Aktenzeichen XY 

Ein TV-Beitrag zu dem Mord in Plettenberg (NRW) wurde in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" ausgestrahlt. Erst im vergangenen Jahr war in der beliebten Sendung auch ein Beitrag zu einem ungeklärten Doppelmord, zu dem es ebenfalls im Jahr 1989 im benachbarten Menden* gekommen war, ausgestrahlt worden.

Trotz der akribischen Arbeit der heimischen Kripobeamten blieb der Fall in Plettenberg 31 Jahre lang ohne echten Erfolg. Der Täter, der fünf Jahre vor der Tat aus Eifersucht mit einer Schere 24 Mal auf seinen Schwager eingestochen hatte und dafür eine Gefängnisstrafe erhielt, blieb verschwunden. Bis jetzt.

Umso mehr freute sich der mittlerweile pensionierte Kriminalhauptkommissar Wilfried Böcker aus Plettenberg, als am 29. April 2020 sein Telefon klingelte. "Der Bruder der damals ermordeten Frau rief mich an, um mir mitzuteilen, dass der von uns gesuchte Mörder der Polizei in Griechenland ins Netz gegangen ist", berichtete Böcker. "So etwas freut einen natürlich, denn ein Mord verjährt nie und es ist schön, wenn ein Mordfall nach so vielen Jahren zum Abschluss gebracht werden kann", sagte Böcker, der am 6. April 1989 Dienst hatte und am Tatort die Leiche der 25-Jährigen im noch laufenden Auto in Plettenberg fand.

Mord in Plettenberg: Täter in Griechenland im Krankenhaus

Zu den Akten gelegt wurde der Fall aus Plettenberg (NRW) mit dem Vermerk 41 JS 136/89 jedoch nie - die internationale Fahndung lief weiter. Als nun die Polizei in Griechenland vor wenigen Tagen den Namen eines 68-jährigen Mannes, der einen epileptischen Anfall erlitten hatte, routinemäßig in das internationale SIS-Fahndungsystem eingab, ploppte der immer noch laufende, internationale Haftbefehl am Bildschirm auf.

In Griechenland verjährt ein Mord nach 25 Jahren. In Deutschland gibt es auch Verjährungsfristen, die aber nicht für Mord mit Heimtücke gelten. Und auch das Strafmaß ändert sich nicht, wie Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, zuständiger Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Hagen, auf Anfrage bestätigte: "Bei Mord ist das Strafmaß gleich, ganz egal, wie lang es her ist: lebenslänglich."

Der Mord in Plettenberg (NRW) war Thema im Fernsehen in Griechenland. Der Täter war gefasst worden, nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Mord in Plettenberg: Auslieferung von Täter beantragt

Und dass es zu einer Anklage wegen Mord in Deutschland kommt - dafür laufen 31 Jahre nach der grausamen Tat in Plettenberg (NRW) gerade die Vorbereitungen: "Wir haben die Auslieferung des Mordverdächtigen nach Deutschland bei den griechischen Behörden beantragt. Es besteht ein europaweiter Haftbefehl im Schengenraum", sagte Pauli. Die Staatsanwaltschaft Hagen arbeite daran, das Mordverfahren in Deutschland eröffnen zu können. "Wir warten derzeit auf eine Reaktion aus Griechenland. Aktuell soll sich der Verdächtige im Krankenhaus befinden", sagte Pauli.

Auch für den erfahrenen Oberstaatsanwalt ist dieser Fall kein normaler. "Wie sich der Mann über 30 Jahre unter dem Radar bewegen konnte, weiß ich nicht", sagte Pauli.

Ähnlich sieht das Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski: „Manchmal muss Kommissar Zufall helfen, so ein abscheuliches Verbrechen Jahrzehnte später abzuschließen“ sagte Pressesprecher Dietmar Boronowski zu dem unverhofften Fahndungserfolg. Damit kann ein „Cold Case“ der Kriminalgeschichte des Märkischen Kreises geschlossen werden.

Ein weiterer dieser Fälle, zu dem es eine Verbindung ins benachbarte Lüdenscheid gibt, ist noch ungeklärt. Vor 44 Jahre verschwand die damals zwölfjährige Monika Frischholz - eine Spur führt in den Märkischen Kreis*.

*come-on.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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