Pflege im Alter

Niederlande: Würdevolles Leben für Demenzkranke – mit Indoor-Strand und „Bike Labyrinth“

Auch in Deutschland gibt es Ansätze, Demenzkranken ein Stück ihres alten Alltags zurückzugeben: Die Theke eines im Stil einer 60er-Jahre-Kneipe eingerichteten Gemeinschaftraumes in Duisburg.
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Auch in Deutschland gibt es Ansätze, Demenzkranken ein Stück ihres alten Alltags zurückzugeben: Die Theke eines im Stil einer 60er-Jahre-Kneipe eingerichteten Gemeinschaftraumes in Duisburg.

Weil Essen und Waschen alleine nicht ausreicht: In den Niederlanden wird Demenzkranken mit auch mit Videoinstallationen ein Teil ihres alten Lebens zurückgegeben.

Haarlem – Wo liegt der Haustürschlüssel? Ist der Herd aus? Wer hat das Fenster geschlossen? Vergesslichkeit im Alter gehört zu den Frühzeichen einer Demenzerkrankung. Und je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr beeinträchtigt sie das Gedächtnis. Viele Betroffene sind irgendwann auf die Pflege von Verwandten oder Pflegeheimen angewiesen.

In den Niederlanden wird in Pflegeeinrichtungen versucht, den Menschen mit innovativen Mitteln Lebensqualität zurückzugeben. Dabei werden nicht nur Fototapeten und Videoinstallationen eingesetzt.

Demenzkranke in Holland: Erhöhung der Pflegesätze

Um eine Verbesserung in der Pflege zu erzielen, erhöhte Holland den Pflege-Etat. Wie der Stern berichtet, sollen unter dem Motto „Würde und Stolz“ jährlich 135 Millionen Euro für Zusatzangebote zur Verfügung stehen, 2020 sollen es sogar 180 Millionen Euro gewesen sein.

Die Erhöhung stand am Ende einer regen Debatte in der niederländischen Gesellschaft, angestoßen vom Schriftsteller Hugo Borst. Der habe in einem offenen Brief die katastrophalen Zustände im Pflegeheim seiner Mutter angeprangert. Kurz darauf lernte auch Martin van Rijn, ein ehemaliger Minister für Gesundheitsversorgung, die Situation im Pflegeheim seiner Mutter kennen, was die Debatte zusätzlich befeuert hat.

Demenzkranke in Holland: Ein Strand im Pflegeheim

Mit den Geldern haben die Pflegeheime aufgerüstet, um das Leben von Demenzkranken zu verbessern. So gibt es laut Stern zum Beispiel im Pflegeheim „Leo Polak“ viele antiquarische Gegenstände aus den 1960er und 1970er Jahren, wie Leselampen, altmodische Sessel und Vorhänge. Die meisten Bewohner haben in diesen Jahrzehnten viel erlebt und würden intensive Erinnerungen mit den Gegenständen verbinden.

Im Pflegeheim „De Houttuinen“ gebe es einen eigenen Kinoraum mit Samtsesseln. Dort werden rund um die Uhr alte Klassiker mit Humphrey Bogart oder Romy Schneider gezeigt. Außerdem wurde ein künstlicher Strand angelegt: In einem Raum liegt Sand auf dem Boden, es gibt Strandkörbe und Muschel, und aus Boxen kommt das authentische Möwenkreischen.

Demenzkranke in Holland: Auch ein Bus wird fahren gelassen

In „Leo Polak“ gibt es eine Videoinstallation, die einem vorgaukele, man fahre in einem Bus: Die Heimbewohner können sich auf Stühle setzen und dann ziehen Häuser und Landschaften an ihnen vorbei.

In den Niederlanden weit verbreitet sei das „Bike Labyrinth“. In mehr als 1000 Einrichtungen gebe es die Videovorrichtungen, die eine Fahrradtour nachahmen. Gleichzeitig sitzen die Bewohner auf Trimmrädern und können so auch Sport machen. Körper und Geist der Demenzkranken werden fitgehalten*. Für diese Technik sollen sich auch deutsche Anbieter interessieren.

Keine Patentlösung für Demenzkranke: Genaues Hinhören wichtig

Der personelle Aufwand für diese Angebote soll laut Stern überschaubar sein. Eine Patentlösung für die Bewohner gebe es aber nicht. Wichtig bei Demenz sei es, genau hinzuhören. So werde in „Leo Polak“ von einem alten Mann erzählt, der immer schlecht gelaunt war. Irgendwann fand man dann heraus, es lag an der Kleidung, die man ihm hinlegte.

Ein schönes Hemd und eine schöne Hose habe der Mann früher nämlich immer nur Sonntags getragen und mit Sonntagen verknüpfte er schlechte Erinnerungen. Daraufhin habe der Mann seine alte Arbeitskluft bekommen und sei dann wieder gut gelaunt gewesen. (seg) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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