Wäre frühestens 2023 entlassen worden

Nach beispielloser Mordserie: „Würger von Regensburg“ liegt tot in Zelle - bekannter Podcast rekonstruierte einst den Fall

Der Regensburger Serienmörder Horst David (l.) ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Rechts sein Anwalt Werner Leitner nach der Hauptverhandlung.
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Der Regensburger Serienmörder Horst David (l.) ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Rechts sein Anwalt Werner Leitner nach der Hauptverhandlung.

Horst David mordete in München und Regensburg. Jetzt wurde der Serientäter im Alter von 81 Jahren tot in seiner Gefängniszelle gefunden.

  • Mindestens sieben Morde gehen auf das Konto des Serienmörders Horst David. Zwischen 1975 und 1993 trieb er sein Unwesen in München und Regensburg.
  • Im Alter von 81 Jahren ist Horst David am 8. November in seiner Gefängniszelle in der JVA Straubing gestorben.
  • Ein bekannter Podcast berichtete einst über die Kriminalfälle des „Würgers von Regensburg“.

Update 13. November, 13.37 Uhr: Die Mordserie des Frauenmörders Horst David war einst auch Thema in einem bekannten Podcast. In der Reihe „Zeit Verbrechen“ veröffentlicht Die Zeit Verlagsgruppe seit über zwei Jahren Podcast-Folgen, die Kriminalfälle behandeln. Sabine Rückert aus der Zeit-Chefredaktion spricht mit Andreas Sentker, Leiter des Zeit-Wissensressorts über mysteriöse Fälle.

In der Folge „Warum Polizisten so oft Morde übersehen“ sprechen die beiden auch über den „Würger von Regensburg“, Horst David. Dessen Serienmorde wurden lange von Polizei und Behörden nicht entdeckt, da sie als natürliche Tode älterer Damen eingestuft wurden (siehe Update vom 12. November, 16.27 Uhr).

So auch im Fall der Mutter von Helmut T. . Wie Rückert und Sentker in der Podcast-Folge rekonstruieren, sei diese im Januar 1992 von ihrem Sohn Tod in der Wohnung aufgefunden worden. Herbeigerufene Polizei und Notärzte erklärten, die Frau sei eines natürlichen Todes gestorben. Der Sohn vermutete, dass ein Mieter, Horst D., etwas damit zu tun haben könne. Doch da es laut Kriminalpolizei keinerlei Anzeichen auf einen Mord gäbe, wurde die alte Dame bestattet. Erst Jahre später weiß man, dass die Mutter von Helmut T. eines der Mordopfer von Horst David war.

Nach beispielloser Mordserie: „Würger von Regensburg“ liegt tot in Zelle - Ermittler erinnert sich

Update 12. November, 16.27 Uhr: Der Frauenmörder Horst David schrieb vor Jahren diesen Satz aus seiner Zelle in der JVA Straubing. „Es gibt Menschen, die zum Heilen und Helfen geboren sind. Andere zum Vernichten…“ Damit meinte er sich, den Serienkiller.

Der „Würger von Regensburg“, wie David genannt wurde, kam im November 1938 in Breslau zur Welt. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde der damals Sechsjährige mit Namensschild um den Hals allein auf dem Hofer Bahnhof entdeckt. Er kam ins Heim, das Rote Kreuz suchte die Mutter und fand sie 1948. Der inzwischen Zehnjährige freute sich, doch die Mutter wies ihn ab.

Serienmörder tot in Gefängniszelle gefunden: Ermittler aus München spricht über „Schlüsselerlebnis“

Für den Ermittler und späteren Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, der Horst David überführte, war diese Zurückweisung „ein Schlüsselerlebnis“. David hatte eine Lehre als Maler absolviert. 1975 erwürgte der nun verheiratete Vater in München innerhalb weniger Tage zwei Prostituierte. Es dauerte über fünf Jahre bis zum nächsten Mord. Bis 1994 tötete er in Regensburg weitere fünf Frauen. In fast allen Fällen bescheinigten die Hausärzte den Frauen einen natürlichen Tod. Erst 1994 kommt die Kripo ihm auf die Spur, im Dezember 1995 wird David in München zu lebenslanger Haft verurteilt (siehe Ursprungsmeldung).

Josef Wilfling – hier in der Haftanstalt des Polizeipräsidiums München.

Josef Wilfling, der ihn überführte und nun Bestseller-Autor ist: „Ich kann nicht sagen, dass ich traurig bin. Gleichwohl ist der Tod eines Menschen immer traurig. Das gestehe ich auch dem Frauenmörder zu.“ Keiner kam dem Serienkiller näher als er. Wilflings Schlüssel zu Horst David war der Respekt: „Den hatte er sein Leben lang vermisst. Möge er nun Frieden finden.“ (mc)  

Berüchtigte Taten in München und Regensburg unterwegs: Serienmörder gestorben

Ursprungsmeldung:

München/Straubing - Mindestens sieben Menschenleben hat Horst David auf dem Gewissen. Zwischen den Jahren 1975 und 1993 hielt der „Würger von Regensburg“ den Freistaat mit einer beispiellosen Mordserie in Atem. Jetzt ist David im Alter von 81 Jahren gestorben. Wie die JVA Straubing tz.de* bestätigte, wurde er am Sonntag (8. November) tot in seiner Gefängniszelle gefunden.

Der ermittelnde Regensburger Oberstaatsanwalt Dr. Markus Pfaller berichtet von einem Todesermittlungsverfahren, das eingeleitet wurde: „Es gibt derzeit keinen Hinweis auf eine Fremdeinwirkung.“ Man warte nun auf das Ergebnis einer Obduktion. Mit dem Coronavirus* war der „Würger von Regensburg*“ allerdings nicht infiziert.

Davids Fall gilt heute als Meilenstein in der deutschen Kriminalgeschichte. Erstmals war es der Polizei gelungen, eine fast 20 Jahre zurückliegende Tat mittels eines automatisierten Fingerabdruckidentifizierungssystems aufzuklären.

München: Horst David tötete zwei Prostituierte - Jahre später wird er überführt

Seine ersten beiden nachgewiesenen Morde beging der ausgebildete Maler David im August 1975. Bei einem Ausflug nach München* ermordete er zunächst die Prostituierte Waldtraud Frank, zwei Tage später ihre Kollegin Fatima Grossart. Mit Spuren aus dem Fall Grossart kamen die Ermittler David Jahre später auf die Schliche.

1994 gestand der Serientäter fünf weitere Morde an seinem Wohnort Regensburg. Stets waren Rentnerinnen die Opfer, die in ihren Wohnungen erdrosselt worden waren. Dieser Umstand sollte David seinen wenig schmeichelhaften Spitznamen einbringen. Als Motiv wurden jeweils finanzielle Aspekte geführt.

„Würger von Regensburg“ tot: Gehen weitere Morde auf sein Konto?

1995 wurde der Frauenmörder vom Landgericht München zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt. Ermittler gehen davon aus, das weitere Taten auf sein Konto gehen dürften.

Frühestens im Jahr 2023 wäre der „Würger von Regensburg“ aus der Haft entlassen worden. Der stellvertretende Leiter der JVA Straubing, Marcus Hegele, erklärte gegenüber tz.de*, dass der 81-Jährige bereits vor seinem Tod am Sonntag auf der Krankenstation des Gefängnisses behandelt worden war. (lks)

Ein weiterer Mord, der Regensburg schockierte: Nach dem Urteilsspruch im Fall Maria Baumer hat die Sendung „Aktenzeichen XY“ die Ermittlungen erneut beleuchtet. Der verurteilte Verlobte des Opfers hatte sich Jahre zuvor im TV-Studio in Szene gesetzt. *Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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