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Söder warnt bei Lanz vor „gefährlicher Kombination“, da platzt ein anderer Gast heraus: „Wenn ich einhaken darf“

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Von: Katarina Amtmann

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Söder bei Markus Lanz
Markus Söder warnte bei Markus Lanz vor zu schnellen Öffnungen. © Screenshot ZDF/Markus Lanz

Markus Söder äußert im ZDF-Talk von Markus Lanz große Sorge vor der Corona-Mutation und warnt vor vorschnellen Lockerungen. Dafür wurde er von Journalistin Anna Clauß kritisiert.

Markus Söder* wird nicht müde, vor dem Coronavirus* zu warnen. Das tat er auch am Mittwochabend. Da war er in der ZDF-Talkrunde von Markus Lanz* zugeschaltet. Der Moderator sprach Bayerns Ministerpräsidenten auf seinen Kollegen Winfried Kretschmann an, der angegeben hatte zumindest Kitas und Grundschulen so schnell wie möglich öffnen zu wollen. „Wir haben uns in Bayern entschieden ganz bewusst auf Nummer sicher zu gehen. (...) Wir halten uns auch an die Beschlüsse aus Berlin“, sagte er mit Blick auf die Gespräche zwischen Bund und Ländern. Es habe sich leider herausgestellt, dass auch Schulen und Kitas „Teil einer Pandemie sein können“, so der CSU*-Chef. Am Abend sei dann ja sogar die Meldung gekommen, dass die Mutation in einer Kita aufgetreten sei. „Insofern rate ich einfach dringend zur Vorsicht.“

Söder warnt bei Markus Lanz (ZDF) vor Corona-Mutation und Lockerung: „Gefährliche Kombination“

Man blicke auf eine gute Entwicklung. Am Mittwochabend lag die Inzidenz in Bayern knapp unter 100, vor einiger Zeit sei sie noch doppelt so hoch gewesen. Außerdem lagen vor ein paar Wochen 51 Landkreise und Städte über dem Grenzwert von 200, Stand gestern Abend waren es nur noch vier. „Aber diese Mutation* macht mir echte Sorgen. Wenn man jetzt zu schnell lockert und die Mutation kommt dazu, dann kann es eine gefährliche Kombination sein“, warnte Söder im Talk mit Markus Lanz. Man brauche nun Geduld.

„Wenn ich gleich einhaken darf. Uns Bürgern wurde doch immer die Inzidenz* von 50 wie so die Karotte vor die Eselschnauze gehalten. Und jetzt sind wir doch in vielen Landkreisen und Städten knapp davor“, meinte Journalistin Anna Clauß. „Und wie jetzt Markus Söder hier von überstürzten Öffnungen schon wieder redet, als könnten wir jetzt noch die nächsten drei Monate uns im Lockdown mal eben so befinden, finde ich schon interessant.“ Dass es trotz besserer Zahlen nur einen weiteren Lockdown* als Perspektive gebe, kritisierte sie.

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): Söder mit Spitze gegen Politiker - „Es gibt viele davon“

Söder gibt im Laufe des Gesprächs zu, eher bei der vorsichtigen und manchmal auch pessimistischen Prognose gewesen zu sein, aber: „Ich musste mich nicht korrigieren, im ganzen letzten Jahr nicht. Andere mussten sich ständig korrigieren.“ Von Lanz darauf angesprochen, wen er damit meinte, wollte Söder keine Namen nennen. „Da fällt mir jetzt keiner speziell ein, aber es gibt viele davon“, drückte er sich um eine konkrete Antwort.

Wenn es dann Zeit für Lockerungen ist, liegt der Fokus auch auf Schulen und Kitas, „aber im Moment ist noch nicht die Zeit.“ Das Grundproblem sei gewesen: „Wir haben zu spät reagiert und dann wieder zu schnell gelockert“, das solle jetzt nicht passieren.

Söder: „Das Impfen entwickelt sich zunehmend zu einem echten Problem“

Corona als Thema bei Markus Lanz (ZDF): Söder äußert sich zum Impf-Thema und erneuert Kritik

Markus Lanz fragt Söder dann auch zum Thema Impfen.* „Was ist denn da eigentlich tatsächlich schief gelaufen?“ will der Moderator wissen. „Das ist eine spannende Frage*“, so Söder nach kurzem Zögern. „Die Impf-Logistik steht eigentlich in Deutschland. (...) Was da ist an Impfstoff, wird verimpft.“ Allerdings fehle der Impfstoff*, „erkennbarerweise klappen verschiedene Dinge nicht. Offenkundig wurde zu wenig bestellt“, so der Vorwurf. Möglicherweise wurde auch das Falsche bestellt, sagte er mit Blick auf AstraZeneca. Man müsse nun die Ergebnisse abwarten, ob der Impfstoff* sich mehr für Jüngere eignet und nicht für Ältere.

In den USA liefert Pfizer schneller als geplant und sogar zehn Prozent mehr, erzählte Söder. „Insgesamt entsteht da wirklich kein gutes Bild“, gab er zu. Viele Impfstoff-Hersteller* würden offen sagen, dass Europa zu spät bestellt habe und deshalb auch später dran sei. Es wirke laut Söder so, als ob man ein klassisch europäisches Vergabe- und Bestellungsverfahren gemacht habe. Dabei wird oft knapp kalkuliert und auf die Preise geachtet. „Das ist in normalen Zeiten ein sicheres und gutes Verfahren“, erklärte Söder im Gespräch mit Lanz. In Not-Zeiten sie dies aber schwierig. Möglicherweise habe man auch zu sehr auf einzelne Impfstoffe gesetzt.

Corona-Impfungen: Söder äußert Kritik und fängt sich Konter ein

Söder selbst hätte einen „breiteren Ansatz gewählt“, also auf zahlreiche Hersteller gesetzt und lieber mehr bezahlt. „Ganz verstehe ich es nicht.“ Für seine Impf-Kritik hatte sich Söder am Mittwoch (27. Januar) einen Konter von Ludwig Hartmann, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, eingefangen. „Söders Impfkritik ist ein billiges Blamegame“, so der Vorwurf.

„Ausgerechnet der Mann, der seit Beginn der Pandemie mit aller Macht das Gesicht der deutschen Coronapolitik sein will und sich beim Verkünden neuer Maßnahmen breit vor die Mikros der Hauptstadtpresse schiebt, drückt sich feige zur Seite, wenn er auch die Verantwortung mittragen soll für das, was schief läuft. Er ist aber nicht nur Ministerpräsident und als CSU-Vorsitzender Teil der Bundesregierung, sondern hat mit seinem Parteifreund Manfred Weber auch den Vorsitzenden der größten EU-Parlamentsfraktion an der Hand“, kritisierte Hartmann im Interview mit Merkur.de. Laut ihm hätte Söder demnach aktiv daran arbeiten können, dass hierzulande Produktionskapazitäten für mehr Impfstoff aufgebaut werden. „Das hat er nicht getan, sondern lieber Pressekonferenzen und Bild-Zeitungsinterviews gegeben.“ (kam) *Merkur.de und 24hamburg.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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