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„Das ist Manipulation“: Eltern loben ihre Kinder oft falsch

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Von: Alina Schröder

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Eltern loben ihre Kinder oftmals falsch. Um das zu verhindern, sollten einige Punkte beachtet werden. (Symbolbild)
Eltern loben ihre Kinder oftmals falsch. Um das zu verhindern, sollten einige Punkte beachtet werden. (Symbolbild) © Mint Images/Imago

„Super“, „klasse“, „toll“: Viele Eltern legen Wert darauf, ihre Kinder oft zu loben. Doch das kann der Entwicklung des Kindes schaden.

Kassel – „Wow, das hast du toll gemacht“ – lobende Sprüche wie diese hört man von Eltern wohl öfter. Ob auf dem Spielplatz, beim Basteln, oder bei guten Leistungen in der Schule, viele Kinder werden regelrecht mit Lob von Mama und Papa überhäuft. Allerdings kann das auch Nachteile für das Kind haben, wie Expertinnen und Experten erklären.

Denn: Nicht jedes Lob ist förderlich. Wie der niederländische Psychologe Eddie Brummelman in einer Langzeitstudie beobachtete, kann übertriebenes Loben eine mögliche Ursache dafür sein, dass das Kind narzisstische Seiten entwickelt. Gemeint ist damit allerdings nicht die Menge der ausgesprochenen Anerkennung, sondern vielmehr die Art und Weise.

Lob für die Kinder: Das machen Eltern oftmals falsch

Beim Loben können demnach Fehler gemacht werden, die dem Kind in der Persönlichkeitsentwicklung enorm schaden können. Übertriebenes und oberflächliches Lob kann beispielsweise den Erwartungsdruck beim Kind extrem steigen lassen, anstatt das Selbstwertgefühl zu stärken. Das betonte auch die Psychologin Johanna Graf, Mitgründerin des Nürnberger Instituts zur Stärkung der Erziehungskompetenz, in einem Interview mit der Zeit.

Im Hinblick auf die Würdigung nach einer guten Schulnote erklärte sie: „Übertriebenes Lob und Lob, das sich auf die Fähigkeiten der Person bezieht, führt bei den meisten Menschen nicht zu einem übersteigerten Selbstwertgefühl, sondern zu einem enormen Erwartungsdruck. Eine schlechtere Note wird dann als persönliches Versagen erlebt.“ Eine angemessenere Reaktion sei, die Mühe dahinter zu loben. Laut Graf kann man beispielsweise sagen: „Ich freue mich mit dir, ich habe gesehen, wie viel du geübt hast.“ Doch auch der Zeitgeist hat Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder: Laut einem Psychologen werden diese immer unglücklicher.

Das Kind für jeden Schaukelschwung auf dem Spielplatz zu loben, ist Graf zufolge allerdings unnötig. Was das Kind von den Eltern in diesem Moment brauche, sei nur die Aufmerksamkeit. „Schauen Sie ihm in die Augen, dann sehen Sie seine Freude und freuen sich mit ihm. Das bemerkt das Kind“, sagte die Psychologin.

Gezielt Loben oder Fehlverhalten des Kindes anmerken? Was das für Konsequezen hat

Einige Eltern gehen zudem nach diesem Schema vor: Positives Verhalten des Kindes wird mit Lob hervorgehoben, Fehlverhalten bestraft. Jedoch ist diese Vorgehensweise in der Erziehung laut Graf absolut nicht angebracht. „Das eine wie das andere ist Manipulation“, erklärte sie. „Für erwünschtes Verhalten gibt es eine Belohnung, für nicht erwünschtes eine Strafe. Wie bei Zirkusaffen.“

Dem Kind werde schließlich mit beiden Techniken gezeigt, dass sich die elterliche Zuneigung und Liebe an Bedingungen orientiert. Damit es Mama und Papa also stolz und zufrieden macht, „wird es versuchen, sich möglichst oft ‚richtig‘ zu verhalten“, wie die Psychologin erklärt. Das könne schließlich dazu führen, dass das Kind mit seinem Verhalten hauptsächlich versucht, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Übertriebene Anerkennung vermeiden: So loben Sie Ihre Kinder richtig

Sie fragen sich nun, wie sie beim Loben der Kinder demnächst am besten vorgehen sollen? Wie das Portal familie.de schreibt, spielen dabei drei Punkte eine wichtige Rolle:

Lob ist wichtig für Kinder, und man sollte dies in angemessenen Situationen auch aussprechen. Essenziell ist es allerdings nicht. Graf zufolge sei „Lob wie Dünger – ein schöner Zusatz.“ Doch damit Kinder sich bestens weiterentwickeln können, benötigten sie in erster Linie „Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit“. (asc)

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