Um Mitternacht startet die Tour

Auf Katzenpatrouille: Ehepaar kümmert sich um frei lebende Katzen - und wird dafür angefeindet

Frei lebende Katzen finden draußen oftmals nicht genug zu essen. Ein Ehepaar aus Rotenburg (Wümme) kümmert sich jede Nacht um die Tiere in der Stadt. (Symbolbild)
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Frei lebende Katzen finden draußen oftmals nicht genug zu essen. Ein Ehepaar aus Rotenburg (Wümme) kümmert sich jede Nacht um die Tiere in der Stadt. (Symbolbild)

Ein Ehepaar aus Rotenburg (Wümme) hat jede Nacht eine besondere Aufgabe: Sie füttern frei lebende Katzen und retten sie vor dem Verhungern - dafür wurden sie schon beschimpft.

Rotenburg (Wümme) – Frei lebende Katzen haben es im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme besonders gut. Denn dort gibt es Menschen, die sich draußen um sie kümmern - jede Nacht und bei Wind und Wetter. Pünktlich um Mitternacht zieht ein älteres Ehepaar täglich los, um die Vierbeiner im Stadtgebiet zu füttern.

Einem Bericht von kreiszeitung.de zufolge werden insgesamt acht Stellen angesteuert, an denen sie regelmäßig auf bereits wartende hungrige Katzen stoßen. Das tun die Eheleute bereits seit 20 Jahren. „Wenn die Katzen zu wenig Fressen bekommen, leidet darunter ihr Immunsystem. Sie werden krank und stecken dann womöglich die Hauskatzen an. Damit sie sich nicht weiter vermehren, fangen wir Katzen ein, die zum ersten Mal zur Futterstelle kommen, und lassen sie kastrieren. Wir haben dafür eine Lebendfalle im Kofferraum“, berichten sie.

Rotenburg (Wümme): Rentnerpaar kümmert sich seit 20 Jahren um frei lebende Katzen

Der 78-jährige Mann und seine 79-jährige Ehefrau wollen jedoch zum Selbstschutz sowie zum Schutz der Katzen anonym bleiben. „Es gibt in Rotenburg leider viele Katzenhasser, die nicht verstehen, was wir machen“, bedauert der Mann. Einige Male seien sie bereits beschimpft worden. Außerdem sei ihre Angst zu groß, erneut Opfer von Einbrechern zu werden. „Das war damals ein großer Schock für uns. Wir wurden nachts auch schon verfolgt. Das war ein Katz-und-Maus-Spiel, wir sind seitdem sehr vorsichtig geworden“, erzählt das Rentnerpaar, das zudem Mitglied in der Tierhilfe Rotenburg ist.

Um das Jahr 1990 hat alles angefangen. Es habe damals ein Problem mit frei lebenden Katzen in einem Kleingartenverein gegeben. Innerhalb von zwei Wochen habe das Paar 17 Tiere eingefangen und anschließend kastrieren lassen. Danach wurden sie wieder ausgesetzt. „Diese Tiere lassen sich nicht vermitteln und kommen in Gefangenschaft nicht zurecht. Weil einige der Katzen stark abgemagert waren, haben wir sie damals zum ersten Mal gefüttert“, so die Frau.

„Die Katzen brauchen uns“: Ehepaar aus Rotenburg (Wümme) füttert die Tiere jede Nacht

Für beide war von da an relativ schnell klar, dass sie den Katzen jede Nacht helfen möchten. Es habe Zeiten gegeben, in denen zwölf Plätze angefahren und mehr als 30 Freigänger gefüttert wurden. „Unsere Arbeit zeigt Erfolg: Heute treffen wir auf unserer nächtlichen Tour nur noch 14 Katzen.“ Viele von ihnen würden bereits vorher an der entsprechenden Stelle sitzen und warten. „Wir haben immer drei verschiedene Sorten dabei. Wir wissen genau, welche Katze was am liebsten frisst – und was nicht“, erklärt die Tierschützerin. Nach der Fütterung wird alles wieder weggeräumt, denn das Paar möchte keine Spuren hinterlassen. Hin und wieder seien sie von der Polizei nachts angehalten und überprüft worden, doch heute würden die meisten Beamten sie bereits kennen.

Gegen halb vier morgens endet schließlich ihre nächtliche Tour. Dann holen sie ihren Schlaf bis Vormittags nach. „Unsere Freunde und Bekannten wissen das und nehmen Rücksicht darauf. Vor elf Uhr ruft niemand bei uns an“, erzählen sie. Manchmal denke das Paar altersbedingt daran die Aufgabe abzugeben - einen Nachfolger zu finden sei jedoch nicht einfach. „Wir machen also weiter, bis wir irgendwann umfallen“, erklärt das Ehepaar. „Die Katzen brauchen uns.“ (Alina Schröder)

Ein Tierheim im Schwalm-Eder-Kreis fing mehr als 60 frei lebende Katzen* ein. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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