Biologe veröffentlicht neues Buch

Altern kann geheilt werden - laut einem Forscher ist es schon bald soweit

Eine Seniorin surft im Meer.
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Ältere Menschen könnten schon bald weniger gebrechlich sein und mit Jüngeren körperlich mithalten.

Ein Forscher sieht das Altern als Krankheit an und ist optimistisch, dass die Medizin den Alterungsprozess demnächst verlangsamen könnte.

London - Folgendes Gedankenexperiment: Ein etwa 100 Jahre alter Mann rennt im örtlichen Park über die improvisierten Linien eines Fußballfeldes. Er ist kurz davor ein Tor zu schießen. Zumindest hat er das vor.

Doch plötzlich taucht sein 92-jähriger Kumpel aus der gegnerischen Mannschaft auf und stellt sich ihm mir nichts dir nichts in den Weg. Dieser huscht jetzt mit dem Ball über das gesamte Feld, passt ihn an seinen Mannschaftskollegen und: Tor! Die beiden Senioren machen Luftsprünge und flitzen umher unter der sengenden Sonne. Und keine Sorge - ihnen geht es gut, sie sind nur etwas außer Atem.

Zugegeben, es klingt schon irgendwie absurd, oder? Doch wenn es nach dem britischen Biologen Andrew Steele geht, ist das ein durchaus realistisches Szenario der näheren Zukunft. Er hält es für möglich, das Altern zu verlangsamen - denn Steele zufolge ist das Altern eine Art Krankheit, die es zu heilen gilt.

Seine These: Senioren können körperlich schon bald mit Jüngeren mithalten. Andrew Steele hat nun ein Buch mit dem Titel Ageless: The New Science of Getting Older Without Getting Old zu diesem Thema veröffentlicht.

Forscher: Älterwerden ist „größte Ursache für Leid in der Welt“

Für den Wissenschaftler ist das Altern (*FR berichtete) „die größte humanitäre Angelegenheit unserer Zeit“, wie er in einem Gespräch mit The Guardian erzählt. Er attestiert dem Älterwerden „die größte Ursache für das Leid in der Welt“.

Das Narrativ des leidvollen Alterns als unüberwindbaren Teil des Lebenszyklus hält Steele für überholt. Die meisten Menschen würden an Krebs, Herzleiden oder Schlaganfällen sterben. Alles Dinge, die vorwiegend ältere Menschen betreffen, bedingt durch den körperlichen Zerfallsprozess.

Andrew Steele definiert das Altern als „exponentiellen Zuwachs von Tod und Leid pro Zeit“. Schließlich verdoppele sich das Todesrisiko eines Menschen alle sieben bis acht Jahre. Im Alter von 92 Jahren stünden die Chancen im selben Jahr zu sterben 1:5.

Künftige Behandlungen und Therapien müssten die Ursachen von Defekten im Körper identifizieren und diese verlangsamen oder gar rückgängig machen, wie der Biologe gegenüber theguardian.com erklärt. Krebs werde beispielsweise durch verschiedene Prozesse des Alterns verursacht. Steele möchte diese Prozesse verlangsamen, um potenziell tödliche Krankheiten wie Krebs zu verzögern.

Der Wissenschaftler betont, dass es nicht nur darum gehe, länger zu leben, sondern viel eher darum, die Gesundheitsspanne jedes Individuums zu verlängern. Also eine Art verlängerte Lebensqualität schaffen. Es geht ihm nicht darum, Ü-100 Menschen wie 20-Jährige aussehen zu lassen, sondern alte Menschen sehr lange sehr fit zu halten.

Doch wie genau soll das gehen?

Studien: Alterungsprozesse lassen sich zum Teil umkehren

In einer Studie der Mayo Clinic aus dem Jahr 2015 wurden Labormäusen eine Kombination des Krebsmedikaments Dasatinib und dem sekundären Pflanzenstoff Quercetin verabreicht. Ziel der Untersuchung war es, die alternden Zellen zu entfernen. Und tatsächlich konnten ein rückläufiges Altern und verbesserte Herzfunktionen gemessen werden. Drei Jahre später wurden diese beiden Mittel in einer weiteren Studie verwendet. Hierbei fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Medikamente den Alterungsprozess in älteren Mäusen verlangsamen oder teilweise umkehren.

Dem Biomediziner Greg Fahy ist in einem Versuch gelungen, durch die Aktivierung der Thymusdrüse Menschen quasi zu verjüngen. Wie quarks.de berichtet, hat Fahy „systematische Anti-Aging-Effekte“ bei den Teilnehmern seines Experiments erzielt. Er hatte ihnen unter anderem ein Wachstumshormon verabreicht, um die Thymusdrüse in Gang zu setzen. Sie bildet Abwehrzellen und hilft dem Immunsystem.

Doch ab 60 lässt ihre Wirkung nach und der Mensch hat ein höheres Risiko für Infekte oder Krankheiten. Die Teilnehmer entwickelten am Ende des Experiments mehr Muskelmasse, waren fitter und durch die Alterung bedingte Begleiterscheinungen wie Haarausfall gingen zurück.

Im kommenden Jahr soll eine Studie zeigen, ob das Diabetesmedikament Metformin altersbedingte chronische Krankheiten wie Krebs, Herzleiden oder Demenz hinauszögern kann. Steele ist zumindest optimistisch: „Ich denke, wir werden wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren ein Medikament entwickeln, dass Altern heilen kann.“ *FR ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

 

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