Gladbecker Geiseldrama

Degowski: Vorbereitungen für Entlassung

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Der Entführer Dieter Degowski bedroht die Geisel Silke Bischoff am 17.08.1988 an der Raststelle Grundbergsee mit einer Waffe.

Arnsberg - Der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski hofft, bald auf Bewährung aus der Haft freizukommen. Das Gefängnis wird seinen Antrag demnächst prüfen. Der Psychiater gibt offenbar grünes Licht.

Der Antrag des Gladbecker Geiselnehmers Dieter Degowski auf Haftentlassung wurde an diesem Mittwoch in der Justizvollzugsanstalt Werl geprüft. Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg trat am Vormittag zu einem Anhörungstermin im Besucherraum des Gefängnisses zusammen. Die Richter entschieden darüber, ob Degowski nach 25 Jahren zur Bewährung auf freien Fuß gesetzt werden kann.

Kurz nach der 45-minütigen Anhörung verkündete Degowskis Anwältin Lisa Grüter, dass für ihren Mandanten keine kurzfristige Haftentlassung ansteht. Die zuständige Kammer des Landgerichts Arnsberg habe aber immerhin deutlich gemacht, „dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss. Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren.“ Degowski sei nach dem Haftprüfungstermin „froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat“, sagte Grüter. Seine Mindesthaftzeit hat er inzwischen verbüßt.

Die Kammer sprach auch mit einem psychiatrischen Gutachter, der nach vorab bekanntgewordenen Informationen empfahl, Degowski in den nächsten Jahren erst einmal auf die Freiheit vorzubereiten. Der Psychiater Norbert Leygraf soll den 57-jährigen für nicht mehr gefährlich halten. Aber aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur und seiner großen Bekanntheit kann Degowski nach Einschätzung von Justizkreisen nicht wie andere Straftäter einen unauffälligen Neuanfang starten. Seine Mindesthaftzeit hat er inzwischen verbüßt.

Psychiater hält Degowski offenbar nicht mehr für gefährlich

Der Termin fand kurz vor dem 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas statt, bei dem Degowski vom 16. bis 18. August 1988 zusammen mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner durch Deutschland und die Niederlande floh. Dabei starben drei Menschen, mehrere wurden verletzt. Das Verbrechen wirkt auch wegen des umstrittenen Verhaltens von Medien bis heute nach.

Angehörige der Opfer hatten sich gegen eine Freilassung Degowskis ausgesprochen. Jetzt steht fest: Den Jahrestag des Geiseldramas am Freitag wird er noch nicht in Freiheit verbringen.

So lief das Gladbecker Geiseldrama ab

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Degowski hatte am 16. August 1988 gemeinsam mit Rösner in Gladbeck eine Bank überfallen und war danach mehrere Tage durch einige Bundesländer und die Niederlande geflüchtet. Die Männer erschossen zwei Geiseln, ein Polizeibeamter verunglückte bei dem Einsatz tödlich. Während Rösner als Kopf des Verbrechens gilt, wird Degowski als Mitläufer bezeichnet.

Seit mehr als 20 Jahren verbüßt Degowski seine Haft in der JVA Werl. Dort schloss er nach mehreren Anläufen eine Kochlehre ab und arbeitet als Hofreiniger. Als Gefangener soll er eher unauffällig sein. Während Degowski zumindest therapiewillig zu sein scheint, verweigert sein Komplize Rösner immer noch jede Therapie. Seine Entlassung wird erstmals 2016 geprüft, weil das Gericht bei ihm eine längere Mindesthaftdauer festgelegt hat.

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dpa

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