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Fischsterben in der Oder: Baerbock mit klarer Forderung an Polen: „Konsequenzen treffen uns alle“

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Von: Yasina Hipp, Martina Lippl

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Die Suche nach der Ursache für das Fischsterben in der Oder geht weiter. Forscher halten an der Theorie von der giftigen Alge fest. Der News-Ticker.

Update vom 1. September, 19.01 Uhr: Die Oder scheint sich nach dem massenhaften Fischsterben zu erholen. Bei Beprobungen in einem Abschnitt in Brieskow-Finkenheerd bei Frankfurt/Oder sind 19 gesunde Fischarten nachgewiesen worden. Das berichtete der Wissenschaftler am Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow, Daniel Hühn.

Dabei sei unter den über 1800 gefangenen Fischen vom Jungfisch bis zu mehrjährigen Fischen alles dabei gewesen. Das Institut in Potsdam forscht unter anderem zu Fischökologie in Binnengewässern.

Baerbock richtet klare Forderung an Polen: „Konsequenzen treffen uns alle“

Update vom 1. September, 17.57 Uhr: Annalena Bearbock wünscht sich im Fall des mysteriösen Fischsterbens in der Oder eine bessere Zusammenarbeit mit Polen. „Das Wasser kennt keine Grenze, und die Konsequenzen treffen uns alle. Deswegen ist es für mich persönlich entscheidend, dass wir, in Deutschland und in Polen, gemeinsam über die Oder beraten - nicht ohne oder gar gegeneinander“, sagte die Außenministerin am Donnerstag in Reitwein.

In der Gemeinde an der Oder hatte sich die Grünen-Politikerin in ihrer Funktion als brandenburgische Bundestagsabgeordnete ein Bild von der aktuellen Lage am Fluss gemacht. Die Zusammenarbeit mit Polen betreffe alle Fragen: die Aufklärung des Fischsterbens, aber genauso Fragen der weiteren Nutzung und des Oder-Ausbaus. „Wir müssen mehr miteinander sprechen, nicht weniger“, bekräftigte Baerbock.

Fischsterben in der Oder: Satelliten-Aufnahmen zeigen massive Algenblüte bereits Anfang August

Update vom 1. September, 14.18 Uhr: Nach dem Fischsterben in der Oder geht die Suche nach der Ursache weiter. Ein Phänomen der Umweltkatastrophe war selbst aus dem All zu sehen: Eine massive Algenblüte in der Oder. Neue Auswertungen der Daten zeigen, dass bereits vom 19. und 20. Juli die Werte erhöht gewesen waren.

Am 3. bis 4. August 2022 gab es einen sprunghaften Anstieg. Das teilt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) am Donnerstag (1. September) mit. Binnen einer Woche breitete sich die Algenblüte demnach bis zum 10. und 11. August auf der ganzen Oder aus. Erst Ende August habe die Algenblüte wieder das mittlere Niveau von Anfang Juli erreicht. Ob die Algenblüte im Juli und August in einem direkten Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen, kann nach Angaben der Forscher noch nicht abschließend beurteilt werden. 

Die giftige Alge ist nach Ansicht der IGB-Experten verantwortlich für das massenhafte Fischsterben. Eigentlich ist die Algenart Prymnesium parvum nur in Brackwasser zu finden. Das immense Wachstum der Pflanze sei nur durch eine hohe Salzkonzentration im Flusswasser möglich gewesen. Doch woher stammt das Salz?

Fischsterben in der Oder: Satellitenaufnahmen zeigen massive Algenblüte im Ende Juli und Anfang August.
Fischsterben in der Oder: Satellitenaufnahmen zeigen massive Algenblüte im Ende Juli und Anfang August. ©  Brockmann Consult/IGB

Die Chlorophyll-Konzentrationen in der Oder diente den Forschern als Anzeiger für die Algenblüte. Basis für die Analyse sind Daten des Kopernikus-Satelliten namens „Satellit Sentinel 2“, der mit optischen Sensoren ausgestattet ist.

Oder-Fischsterben: „Die aktuelle Krisenlage ist vorbei“

Update vom 31. August, 16.17 Uhr: Nach dem mysteriösen Fischsterben in der Oder hat Brandenburg nun wieder Entwarnung gegeben. „Die akute Krisenlage ist vorbei“, sagte Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Mittwoch im Umweltausschuss des Brandenburger Landtags in Potsdam. Die Werte für Sauerstoff und Chlorophyll seien rückläufig und entwickelten sich in Richtung der Normwerte. „Wir haben auch jetzt seit einigen Tagen keine toten Fische mehr zu verzeichnen.“

Auch Daphnien - kleine Wasserkrebse, die zur Kontrolle eingesetzt wurden - sterben laut Vogel nicht mehr. Das sei auch ein Indikator für Entspannung an vielen Stellen. Die genaue Ursache sei aber noch immer nicht abschließend geklärt.

Fischsterben in der Oder bei Brandenburg: Mehrere Ursachen verantwortlich?

Seit Anfang August war aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss tonnenweise toter Fisch geborgen worden. Hunderte chemische Substanzen können nach Angaben von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) als Mitverursacher der Umweltkatastrophe infrage kommen. Experten gehen davon aus, dass ein hoher Salzgehalt im Fluss ein wesentlicher Grund ist, verbunden mit Niedrigwasser, hohen Temperaturen und einer giftigen Algenart. Bis Ende September soll ein Abschlussbericht einer Expertengruppe über die Ursachen vorliegen.

Sonnenaufgang am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder: Das Fischsterben gibt weiter Rätsel auf. Die einzig positive Nachricht: Nach nur wenigen Jahren könnte sich der Bestand erholt haben
Sonnenaufgang am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder: Das Fischsterben gibt weiter Rätsel auf. Die einzig positive Nachricht: Nach nur wenigen Jahren könnte sich der Bestand erholt haben. © Patrick Pleul/dpa

Update vom 30. August, 6.16 Uhr: Das massenhafte Fischsterben in der Oder ist am 9. August 2022 in Brandenburg beobachtet worden. Ein Schiffskapitän hatte tote Fische im Fluss gesichtet und dies an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel gemeldet. Die Ursache ist zunächst noch unklar. Viele Faktoren könnten eine Rolle spielen.

Fest steht: Das Oder-Fischsterben ist eine Umweltkatastrophe. Das gesamte Ökosystem an der Oder – Muscheln, Mollusken (Weichtiere), Algen und Bakterien – ist betroffen. 10.000 Baltische Jungstöre in zwei Aufzuganlagen zur Wiederansiedlung sind verendet oder geschädigt.

Polen versucht aktuell, mit Pumpen die Sauerstoffversorgung im Fluss anzukurbeln und das Fischsterben zu stoppen. Offenbar mit Erfolg, wie der TV-Sender TVP3 berichtet. Die Situation in der Oder habe sich deutlich verbessert. Durch den Sauerstoff würden keine Fische mehr sterben. Zuletzt seien es nur noch mehr 300 Kilogramm gewesen, statt täglich bis zu 28 Tonnen.

Oder-Fischsterben: Geht das Sterben durch die toten Fische am Flussboden weiter?

Doch auch die Kadaver am Flussboden könnten jetzt für weiteres Fischsterben verantwortlich sein, erklärt der polnische Wasserwirtschaftsingenieur Piotr Parasiewicz im rbb. „Wir haben sehr viele Kadaver am Flussboden – nicht nur Fische, sondern andere Organismen – die gerade zerlegt werden. Wir haben Fermentationsprozesse, die Sauerstoff verbrauchen“, so Parasiewicz. Deswegen käme das sauerstoffarme Wasser hinunter, samt den ganzen Nahrungsstoffen.

„Dadurch haben wir hier so etwas wie Gülle, die runterfließt. Und sie wird weiter zum Fischsterben führen“, warnt der Wasserwirtschaftsingenieur. „Wir machen alles, um es zurückzuhalten, aber es ist sehr schwierig.“

Fischsterben in der Oder: Hunderte Chemikalien kommen infrage

Update vom 29. August, 15.30 Uhr: „Hitze, niedrige Wasserstände und menschengemachte Einleitungen“, das waren laut Bundesumweltministerin Steffi Lemke die Ursachen für das Fischsterben in der Oder. Bei dem deutsch-polnischen Treffen in Bad Saarow sagt die Grünen-Politikerin, dass mehrere Hundert chemische Substanzen in Frage kommen können. Genauere Aussagen über die Art der chemischen Einleitungen könnten aber erst nach Vorliegen des Expertenberichts gemacht werden. Dieser solle bis spätestens 30. September vorliegen.

Fischsterben an der Oder: 300 Tonnen toten Fisch (Foto vom 16. August) sind in Brandenburg und Polen eingesammelt worden.
Fischsterben an der Oder: 300 Tonnen toten Fisch (Foto vom 16. August) sind in Brandenburg und Polen eingesammelt worden. © Christian Thiel/imago

 „Es ist natürlich eine anstrengende Diskussion zu einem so schwierigen Thema“, sagt Lemke am Rande des Treffens mit ihrer polnischen Amtskollegin Moskwa. Der polnischen Seite war zu Beginn der Katastrophe ein zäher Informationsfluss vorgeworfen worden. Mittlerweile seien sich aber beide Seiten einig, dass der Artenbestand in der Oder erneuert werden soll, dies bestätigt Anna Moskwa.

Umweltkatastrophe an der Oder: Rätseln über Ursache für Fischsterben

Erstmeldung vom 29. August

Bad Saarow – Die Bilder von der deutsch-polnischen Grenze sind schockierend. Tonne um Tonne toter Fische werden seit Tagen aus der Oder geborgen. Bis vor einigen Tagen waren das auf beiden Seiten des Flusses rund 300 Tonnen Fischkadaver. Und noch immer ist die genau Ursache der Umweltkatastrophe nicht klar. Experten vermuten, dass ein hoher Salzgehalt in der Oder ein wesentlicher Grund dafür ist, dass eine giftige Algenart stark wachsen konnte. Verbunden mit Niedrigwasser und den aktuell anhaltenden hohen Temperaturen könnten diese Faktoren die Auslöser für das massenhafte Fischsterben sein.

Polen will erste Laborergebnisse aus der Oder präsentieren

Vor dem Hintergrund der Naturkatastrophe findet im brandenburgischen Bad Saarow nun ein Treffen des Deutsch-Polnischen Umweltrates statt. Ziel sei es, die Ursachen des Fischsterbens aufzuklären, so Bundesumweltministerin Steffi Lemke. Die Grünen-Politikerin will außerdem dafür Sorge tragen, „dass eine solche Katastrophe sich nicht wiederholen kann“. Lemke und Axel Vogel, Umweltminister von Brandenburg, erhoffen sich zudem einen intensiven Austausch und den Grundstein für eine bilaterale Zusammenarbeit für die Zukunft der Oder legen zu können.

200 Tonnen tote Fische
200 Tonnen tote Fische wurden bereits aus der Oder geborgen. © Patrick Pleul/dpa

Polens Umweltministerin Anna Moskwa möchte sogar erste Wasser-Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Laboren vorstellen. Dabei steht vor allem der Salzeintrag im Fokus. Axel Vogel sagt dazu: „Wir wissen bis heute nicht, wie sie in welcher Menge in die Oder eingekommen ist.“

Polen pocht auf Ausbau der Oder - Deutschland ist dagegen

Ein weiterer Punkt sorgt für Diskussionen: Der Ausbau des Flusses, den vor allem die polnische Seite forciert. Bundesumweltministerin Lemke spricht sich dafür aus, den Ausbau zu stoppen: „Vor diesem Hintergrund ist aus meiner Sicht auch der Ausbau der Grenzoder höchst problematisch und muss nun gestoppt werden.“ Sie fordert angesichts der Klimakrise und deren Auswirkungen einen anderen Umfang mit der Ressource Wasser. Ähnliches betont auch Axel Vogel. Sein Land habe gegen den polnischen Umweltprüfbericht Widerspruch eingelegt, der aber zurückgewiesen worden sei.

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