Behörden geben Entwarnung

Virus: 1500 Tiere vorsorglich getötet

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Rolf Winter, Geschäftsführer des Bioland-Betriebs, am Freitag in Tangstedt (Schleswig-Holstein) vor seinem leeren Gänsestall

Bad Oldesloe - Auf einem Bioland-Hof in Tangstedt bei Hamburg ist der Erreger einer für den Menschen harmlosen Form der Geflügelinfluenza aufgetreten.

Vorsorglich ließen die Behörden 1500 Tiere töten, wie der Landrat des Kreises Stormarn, Klaus Plöger (SPD), am Freitag in Bad Oldesloe sagte. Unter den Tieren seien 1200 Legehennen und 300 Gänse gewesen. Um den Hof sei ein Sperrgebiet mit einem Radius von einem Kilometer errichtet worden. Die betroffenen Betriebe müssten ihre Tiere nun im Stall halten.

Für den Menschen sei der Virustyp H5N3 ungefährlich, betonte Plöger. „Alles, was Sie in den Kühltruhen haben, können Sie beruhigt essen“, sagte der Landrat an die Adresse der Bürger. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften wurde aber die Tötung des betroffenen Geflügelbestandes angeordnet. Damit wollen die Experten verhindern, dass sich im Laufe der Zeit das Virus verändert und dabei gefährlicher wird. Es handele sich nicht um den Erreger der sogenannte Vogelgrippe H5N1, sondern um das sogenannte Aviäre Influenzavirus Typ A Subtyp H5N3, das für Tiere nur eine gering krankmachende Wirkung habe. Im vergangenen Jahr gab es einen Fall in Mecklenburg-Vorpommern, 2010 in mehreren Bundesländern.

Das Virus sei im Zuge einer regulären Kontrolluntersuchung nachgewiesen worden, teilte das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holsteins mit. Die Tiere wiesen demnach zwar noch keinerlei Krankheitssymptome auf, trugen aber den Erreger in sich. Einer Risikoanalyse zufolge sei es wahrscheinlich, dass das Virus von Wildgänsen stamme, sagte Kreisveterinär Karlheinz Reisewitz. Der Virustyp wurde nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bereits bei Stockenten in Tschechien und bei Wildvögeln in Georgien nachgewiesen.

Auf dem Bioland-Hof bei Hamburg wird seit 23 Jahren Geflügel im Freiland gehalten. Noch nie habe es einen derartigen Vorfall gegeben, sagte Geschäftsführer Rolf Winter. Die Tiere hätten keinerlei Symptome gezeigt. Nach der Desinfektion, der Entsorgung des Mists und weiterer Kontrollen könne der Hof voraussichtlich im Februar schon wieder Geflügel halten, sagte Kreisveterinär Reisewitz.

Institut: Keine gefährliche Vogelgrippe in Deutschland seit 2009

Die gefährliche Form der Vogelgrippe ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts in Deutschland seit mehr als drei Jahren nicht mehr festgestellt worden. Zuletzt diagnostizierten die Greifswalder Experten das Virus H5N1 am 6. März 2009 bei einer erlegten Stockente aus Bayern. Das sei aber offenbar ein isolierter Einzelfall gewesen. Im Oktober 2008 wurde das hochpathogene (krankmachende) Virus bei Geflügel in Sachsen nachgewiesen. 2006 hatte sich die Tierkrankheit von Rügen über ganz Deutschland ausgebreitet.

2011 wurden in Deutschland weder bei Geflügel noch bei Wildvögeln derartige Fälle bekannt. Dagegen sei es zu einer Serie von Ausbrüchen niedrigpathogener aviärer Influenza des Subtyps H7N7 in insgesamt 23 Geflügelbeständen in vier Bundesländern gekommen. Alle Ausbrüche seien durch Tötung der betroffenen Bestände gestoppt worden.

dpa

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