Frankfurt erwartet zweite Hochwasserwelle

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Die Bundestraße 42 in Vallendar (Kreis Mayen-Koblenz) ist am Sonntag vom Hochwasser des Rheins überflutet und für den Verkehr gesperrt.

Frankfurt/Main - Rettungskräfte in Frankfurt bereiten sich auf eine zweite Hochwasserwelle vor, die für den Sonntagabend erwartet wird.

Wie hoch die Pegel dann steigen werden, war am Morgen noch unklar. “Die Lage ist ziemlich schwer einzuschätzen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Nach ersten Auswertungen wird aber mindestens ein Pegel von 4,79 Meter erreicht. Das entspricht etwa dem Höchststand Mitte der vergangenen Woche. Die Barrieren, die die Feuerwehr errichtet hat, halten bis zu einem Pegel von fünf Metern.

In Nord- und Mittelhessen bleibt die Lage unterdessen weiter angespannt. Eder- und Diemelsee waren am Sonntag randvoll, aber beide sollen entgegen ersten Erwartungen voraussichtlich nicht überlaufen.

Die Suche nach zwei Männern, die von den Fluten mitgerissen wurden, war auch am Sonntag erfolglos. Vermutlich sind beide ertrunken. Am Donnerstag war ein 59-Jähriger in die Steinach in Südhessen gestürzt und von den Fluten mitgerissen worden. In Nordhessen war ein Unbekannter auf der Flucht vor der Polizei in die Fulda gesprungen.

Koblenz: Rhein-Hochwasser doch nicht so stark

Der Scheitel des Rhein-Hochwassers ist am Pegel Koblenz deutlich niedriger ausgefallen als erwartet. Die Flutwelle erreichte bereits in der Nacht zum Sonntag mit 7,30 Meter ihren Höchststand, wie das Hochwassermeldezentrum in Mainz mitteilte. Eine Ursache dafür sei, dass die Wasserstände in den Nebengewässern wie etwa der Mosel sehr schnell gefallen seien. Prognosen hatten bis zu 7,50 Meter vorhergesagt, am Sonntagvormittag begann das Rheinwasser in Koblenz leicht zu sinken. Normal ist hier ein Wasserstand von 2,40 Metern. Die Feuerwehr bezeichnete die Lage als entspannt.

Die Lage in Bayern und BaWü

In Regensburg hat sich die Hochwasserlage in der Nacht entspannt. Die Donau hatte nach Polizeiangaben am Samstagabend ihren Höchststand erreicht. Die erwartete zweite Hochwasserwelle in Würzburg wird deutlich niedriger ausfallen als zunächst befürchtet Eine Hochwasserwelle bei Schweinfurt hat zahlreiche Straßen und Keller in Unterfranken überflutet.

Nach einer Woche Hochwasser liegen die Nerven vieler Einwohner im baden-württembergischen Wertheim blank. Etwa 1000 Menschen sind in der Altstadt direkt von den Fluten betroffen. Der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl nannte die Lage in der Stadt am Zusammenfluss von Main und Tauber “bitterernst“ und versicherte: “Wir lassen Wertheim nicht im Stich.“ Schmalzl, der mit dem Boot durch die überflutetet Altstadt fuhr, rechnet mit Schäden in Millionenhöhe.

Die Lage in den neuen Bundesländern

Auch in Sachsen-Anhalt gab es am Sonntag noch keine Entwarnung: Experten gehen davon aus, dass das Wasser wegen des Tauwetters bei milden Temperaturen noch steigt. “Die Lage ist weiterhin angespannt“, sagte Brit Herwig vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz in Magdeburg. Der Wasserstand der Saale in Halle habe sich noch erhöht.

In Sachsen ist südlich von Eilenburg in der Ortschaft Kossen am Sonntagmorgen bei Hochwasser ein Deich gebrochen. Hunderte Feuerwehrleute seien dort im Einsatz, um die Wohnhäuser mit Sandsäcken zu schützen und die Stelle abzudichten, sagte Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung. Die Anwohner hatte aber wohl noch Glück: “Die Häuser sind nicht abgesoffen.“ Allerdings liefen die Keller voll. Wie Branddirektor Karl-Heinz Schneider sagte, wurden 5000 Sandsäcke bereitgestellt. Der Deich liegt an einem Bach, der zur Mulde fließt. Der Schutzwall sei in sehr schlechtem Zustand, hieß es.

Auch in Dresden bangten zahlreiche Menschen. Nach den Prognosen soll die Elbstadt aber diesmal glimpflich davonkommen. Bei der Jahrhundertflut 2002 erreichten die Wassermassen eine Höhe von 9,40 Meter, diesmal soll die 7-Meter-Marke nicht fallen.

Die Meteorologen haben für die Hochwassergebiete eine gute Nachricht: In den kommenden Tagen wird es kaum regnen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.

dpa

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