Erneut Explosion im AKW Fukushima

Tokio - Im AKW Fukushima hat es erneut eine Explosion gegeben. Größere Mengen Strahlung seien laut Regierungsangaben aber nicht ausgetreten. An der Nordostküste des Landes werden unterdessen immer mehr Leichen geborgen.

Lesen Sie auch

Greenpeace: Japan gefährdet eigene Bevölkerung

Kernschmelze: Regierung widerspricht sich selbst

Japan kämpft gegen atomaren Super-GAU

Fukushima: Kühlung in drei Reaktoren ausgefallen

Japan: Explosion am AKW Fukushima 1

Eine weitere Wasserstoffexplosion in einem Atomkraftwerk, ein dramatischer Kurssturz an der Tokioter Börse und erschütterndeBilder von Aufräum- und Bergungsarbeiten haben den dritten Tag nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan geprägt. Die zweite Explosion im Atomkraftwerk Fukushima Eins hat das Gebäudes des 3. Reaktors zerstört. Das teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA am Montagmorgen mit. Der innerste Sicherheitsbehälter sei aber durch die Wasserstoffexplosion nicht beschädigt worden. Auch der Kontrollraum des dritten Reaktors in Fukushima sei noch benutzbar. Kabinettssekretär Yukio Edano bestätigte den Zwischenfall. Die Betreiberfirma Tokyo Electric Power Co teilte mit, die Strahlenbelastung am Explosionsort bewege sich mit 10,65 Mikrosievert deutlich unter dem Grenzwert von 500 Mikrosievert.

Erdbeben in Japan: Bilder  nach der Katastrophe

Ein Jahr nach dem Beben: Diese Fotos werden wir nie vergessen

Edano sagte, der innere Schutzmantel um die Brennstäbe sei intakt geblieben. Am Samstag hatte es bereits im Reaktorblock eins eine Wasserstoffexplosion gegeben, bei der vier Arbeiter verletzt wurden. Danach wurden am Wochenende 180.000 Anwohnern evakuiert, bei 160 Personen wurden höhere Strahlenwerte gemessen. Nach der Explosion hat der Gouverneur von Tokio am Montag auch eine Strahlenmessung in der japanischen Hauptstadt angeordnet. Das Kraftwerk befindet sich etwa 240 Kilometer nordöstlich der Millionenstadt Tokio.

Starkes Nachbeben und Tsunami-Warnung

Die japanische Regierung sagte unterdessen eine für Montag geplante dreistündige Stromabschaltung in Tokio und anderen Städten ab. Edano rief alle Bürger stattdessen zum Energiesparen auf. Sollte das nicht reichen, werde die angekündigte Stromrationierung in acht Präfekturen doch noch umgesetzt. Japan muss nach dem Ausfall einiger Atomkraftwerke Ausfälle bei der Stromproduktion kompensieren.

Ein Nachbeben der Stärke 6,2 erschütterte um kurz nach 10.00 Uhr Ortszeit auch die japanische Hauptstadt Tokio. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenbehörde USGS 140 Kilometer nord-östlich der Hauptstadt - also in Richtung der Atomanlagen in Fukushima. Eine erste Tsunami-Warnung wurde später wieder zurückgenommen.

Bergungstrupps finden immer mehr Leichen

Bergungstrupps kämpften sich in den vom Beben der Stärke 9,0 und dem folgenden Tsunami verwüsteten Orten an der Nordostküste mit Kettensägen und Spitzhacken durch Trümmer vor. Oft fanden sie nur noch Leichen. Es wird befürchtet, das mehr als 10.000 Menschen in der Doppelkatastrophe ums Leben kamen.

“Die Menschen überleben mit nur wenig Lebensmitteln und Wasser“, sagte ein Beamter der Präfektur Iwata, eine der drei am härtesten getroffenen, der Nachrichtenagentur AP. “Wir haben die Regierung (in Tokio) um Hilfe gebeten, aber die Regierung ist vom Ausmaß der Schäden und der enormen Nachfrage nach Lebensmitteln und Wasser überwältigt“, sagte der Beamte Hajime Sato. “Wir bekommen nur zehn Prozent von dem, was wir erbeten haben. Wir sind aber geduldig, weil alle im Bebengebiet leiden.“ Zu den knappen Gütern gehörten auch Leichensäcke und Särge, sagte Sato.

Nikkei bricht um 6,4 Prozent ein

Die Bevölkerung an der Nordostküste wurde von Militär und Polizei aufgefordert, sich wegen einer Tsunami-Gefahr an höher gelegene Orte zu begeben. Die meteorologische Behörde teilte jedoch mit, Gefahr einer weiteren tödlichen Welle bestehe nicht. Japan wurde seit Freitag von mehr als 150 Nachbeben erschüttert; das jüngste mit einer Stärke von 6,2 löste am Montag Tsunami-Alarm aus. Die Börse in Tokio zeigte sich zu Beginn des Handels zutiefst beunruhigt. Der Nikkei-Index fiel am ersten Handelstag seit der Katastrophe um 641 Punkte auf 9.612,88 Zähler - das entspricht einem Verlust von 6,3 Prozent. Die japanische Zentralbank pumpte 15 Billionen Yen (132 Milliarden Euro) in die Geldmärkte. Ersten Schätzungen zufolge verursachte das Erdbeben Schäden von mehreren Dutzend Milliarden Euro.

dapd/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare