Milliarden-Strafe droht

EU leitet Untersuchung gegen Facebook ein - Daten von 533 Mio. Nutzern veröffentlicht

Mark Zuckerberg schaut zur Seite.
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Unter Druck: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss den Leak von Millionen Nutzer-Daten erklären

Daten von 533 Millionen Facebook-Nutzern wurden von Hackern veröffentlicht. Nun leitet die EU offiziell Untersuchung gegen den Tech-Konzern ein.

Dublin - Vor knapp zwei Wochen erschütterte ein massiver Daten-Leak die sozialen Medien. Daten von Hunderten Millionen Facebook-Nutzern wurden Anfang April in einem Hackerforum entdeckt. Es handelte sich um private Telefonnummern und E-Mail-Adressen.

Facebook versuchte zunächst, den Vorfall herunterzuspielen „Das sind alte Daten, über die bereits 2019 berichtet wurde. Wir haben das Problem im August 2019 entdeckt und behoben“, twitterte eine Sprecherin des sozialen Netzwerks. Entdeckt wurde der Leak von der IT-Sicherheitsfirma Hudson Rock, wie das Nachrichtenportal Business Insider berichtete.

Die Daten von 533 Millionen Facebook-Nutzern sind betroffen: Kontaktdaten, Wohnort, Geburtstag - alles stand im Netz. Ein Totalschaden. Sogar Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bleibt von dem Daten-Leak nicht verschont.

Facebook: Leak von 533 Millionen Nutzer-Daten hat Konsequenzen - EU ermittelt

Der Leak von Millionen Nutzerdaten wird für Facebook ein Nachspiel haben. Denn nun ermittelt die irische Datenschutzbehörde, die im Auftrag der Europäischen Union handelt. Man versuche, mehr darüber in Erfahrung zu bringen, teilten die Datenschützer kurz nach dem Daten-Leak mit. Unter den Betroffenen seien viele Nutzer aus der EU. Facebook habe die Behörde nicht von sich aus informiert.

Facebook speichert Telefonnummern, um Nutzern Freunde und andere Kontakte bei Facebook vorzuschlagen. Doch das System war anfällig für Hacker, die sich die Daten über die Freundesuche ziehen konnten. Dieses automatische Abfragen der Daten wird auch als „Scraping“ bezeichnet. Schon 2019 wurden Telefonnummern von 420 Millionen Nutzern veröffentlicht. Nach dem massiven Leak konnte Facebook die Sicherheitslücke nach eigenen Angaben beheben. Die Daten der Nutzer seien geschützt - heißt es.

Wie gefährlich solche Daten-Leaks sein können, zeigen jüngst perfide Maschen von Betrügern in Baden-Württemberg. Sie bieten ahnungslosen Bürgern am Telefon Corona-Impftermine an und gelangen so an Bankdaten (BW24* berichtete). Wenn die Kriminellen bereits im Besitz sensibler persönlicher Daten sind, wirken sie auf Betrugsopfer umso authentischer. Auch E-Mails können mithilfe solcher Informationen erschreckend gut gefälscht werden.

Facebook: Irische Datenschutzbehörde leitet Untersuchung gegen soziales Netzwerk ein

Am 14. April hat die irische Datenschutzbehörde eine offizielle Untersuchung eingeleitet. Ziel der Untersuchung sei es, herauszufinden, ob Facebook gegen EU-weite Datenschutz-Regularien verstoßen habe, heißt es vonseiten der Behörde. Wenn dem so ist, kann das für den Konzern als Palo Alto sehr teuer werden. Laut EU-Datenschutzverordnung können schwere Verstöße mit Strafen in Höhe von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden. Bei Facebook betrug er zuletzt 85 Milliarden Dollar.

Beim Scraping konnten Hacker mit der Eingabe von Telefonnummern herausfinden, welchen Facebook-Nutzern sie gehören. Scraping galt als Verstoß gegen die Facebook-Regeln. Bis 201ß war der Vorgang jedoch technisch möglich. Erst nach dem Daten-Skandal behob Facebook die Sicherheitslücke. Das Fatale am Scraping: Wenn Hacker erst einmal an persönliche Daten der Nutzer gekommen sind, kann ihre Verbreitung im Netz kaum noch gestoppt werden.

Schon der Vergangenheit musste Facebook zugeben, dass wahrscheinlich sämtliche öffentlich zugänglichen Daten der damals schon weit über zwei Milliarden Nutzer durch Scraping eingesammelt wurden. Doch das war noch nicht alles: Ein weiterer Skandal zeigte, dass auch Bilder in den sozialen Netzwerken zum Sicherheitsrisiko werden können. Das Unternehmen Clearview AI hat auf Grundlage von Instagram-Fotos eine Datenbank zur Gesichtserkennung aufgebaut, die unter anderem von US-Polizeibehörden genutzt wird.

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