Mitten im „Lockdown light“

Corona-Mutationen als Gefahr für die Impfstoff-Entwicklung? Virologe Drosten formuliert deutliche Position

Wie gut geht Deutschland mit der zweiten Corona-Welle um? Bedrohen Virus-Mutationen die Impfstoff-Entwicklung? Diesen Fragen geht Christian Drosten in seinem Podcast auf den Grund.

  • Mitten in der zweiten Welle des Coronavirus* geht Deutschland in den Teil-Lockdown.
  • Wie vielversprechend ist der neue Impfstoff? Und wie gefährlich sind Virus-Mutationen?
  • Virologe Christian Drosten geht im Podcast „Coronavirus-Update“ in die Details und hat ein paar gute Nachrichten.

Berlin - Die zweite Welle des Coronavirus rollt mit voller Wucht über Deutschland. Deshalb haben Bund und Länder Ende Oktober einen „Lockdown light“ beschlossen. Im November sollen die Deutschen ihre Kontakte auf ein absolutes Minimum beschränken. Rasant steigende Fallzahlen hatten zu der harten Entscheidung geführt. Neue Hoffnung verbreitete am Montag aber die Nachricht, dass die Firmen Biontech und Pfizer einen baldigen Impfstoff ankündigten. Dieser soll zu 90 Prozent vor einer Ansteckung schützen.

Neuer Impfstoff: Virologe Christian Drosten würde sich impfen lassen

„Beeindruckend“, nennt Virologe Christian Drosten diesen Wert in seinem Podcast Coronavirus-Updates, den er wöchentlich mit seiner Kollegin Sandra Ciesek für den NDR aufnimmt. Zu Bedenken gibt er aber, dass sich die Prozentzahl noch nach unten korrigieren könne, wenn die Tests weiter fortschreiten. Damit müsse man rechnen. Auf wissenschaftlicher Ebene seien zudem noch einige Fragen zum Impfstoff* offen. Dennoch sei die Nachricht über den Impfstoff „sehr ermutigend“.

Eine Impfpflicht wird es in Deutschland aller Voraussicht nach nicht geben. Zwingen will man zu einer Impfung niemanden. Viele Menschen haben vor allem wegen der schnellen Entwicklung des Serums Bedenken. Drosten selbst sagt im Podcast aber, er hätte keine Bedenken, sich impfen zu lassen.

Neuer Corona-Impfstoff in Sicht: Sind Mutationen eine Gefahr für die Wirksamkeit?

Viren mutieren immer wieder, das ist für Wissenschaftler aber völlig normal. Auch das Coronavirus* ist bereits mutiert. Zuletzt wurde ein Fall in Dänemark bekannt, bei dem eine neue Corona-Variante zunächst bei Nerzen aufgetreten und dann auch auf Menschen übergesprungen war. Die Regierung beschloss daraufhin, Millionen der Pelztiere zu keulen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Man befürchtete, die Mutation könnte die Wirksamkeit des kommenden Impfstoffes beeinträchtigen.

Virologe Drosten sieht diese Gefahr aber als eher gering an. Seiner Einschätzung zufolge, sei die Tötung der Tiere eine Vorsichtsmaßnahme der Politik. Die neue Virus-Mutation verbreite sich nicht schnell. „Es ist gut möglich, dass es schon längst nicht mehr im Menschen zirkuliert“, erklärt er im Podcast. Auch die Effektivität des Impfstoffs sieht er nicht in Gefahr. Ähnlich sieht das auch Martin Krönke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der Uniklinik Köln. Zwar könnten manche Antikörper des Impfstoff durch die Nerz-Mutation neutralisiert werden, es gebe dennoch viele Antikörper die weiterhin wirken würden, erklärt er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Vor einer Beeinträchtigung des Impfstoffes gehen beide Virologen nicht aus.

Virologe Christian Drosten im Podcast: Was bringt der Teil-Lockdown im Kampf gegen Corona?

Momentan ist der Impfstoff aber noch nicht verfügbar. Daher sind nicht-pharmazeutische Interventionen, wie der „Lockdown light“ weiter notwendig. Tatsächlich meldet das Robert Koch-Institut am Mittwoch mit 18.487 Neuinfektionen niedrigere Zahlen als noch am Sonntag. Die Kurve scheint ein wenig abzuflachen. Auch der wichtige R-Wert* liegt jetzt wieder ungefähr bei 1, was bedeutet, dass jeder Infizierte nur einen weiteren Menschen ansteckt. Auch diese Entwicklung ist laut Drosten „eine wirklich gute Nachricht“.

Woraus sich diese Tendenz aber genau begründe, könne er nicht sagen. „Wir sind im Bereich der Spekulation“, stellt er klar. Möglich sei, dass die Menschen bereits vor dem Lockdown damit begannen, ihre Kontakte einzuschränken. Auch die Herbstferien könnten eine Rolle spielen, da die Schüler zu Hause geblieben seien. Andererseits sei auch nicht auszuschließen, dass die Labore und Teststationen überlastet seien und schlicht bei der Erfassung neuer Fälle nicht hinterher kämen. (mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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