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Mediziner warnen: Nach Corona nicht zu schnell wieder zum Sport, sonst drohen Schäden

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Von: Stella Henrich

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Mediziner warnen übereinstimmend davor, dass Sportler nach einer Infektion mit dem Coronavirus sofort zurückkehren, nur weil sie negativ getestet sind. Eine neue Studie bringt erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht.

Eine Infektion mit dem Coronavirus* sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, warnen Sportmediziner. Vor allem sollte man sich schonen und nicht wieder sofort mit dem Sport beginnen. Viele Profisportler könnten ein Lied davon singen, aber auch Amateursportler sollten vorsichtig sein, erklärt die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt in ihrer jüngsten Podcast-Folge der Süddeutschen Zeitung (SZ) und bezieht sich dabei auf eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) mit dem Titel „Return to Sport“.

Denn nicht ausgeheilte Infektionen können zu schweren und anhaltenden Schäden des menschlichen Organismus* führen. Das gelte nicht nur bei Corona, sondern grundsätzlich sollte man nach einem Virusinfekt nicht zu schnell zum Sport zurückkehren, erläutert Berndt eindringlich. Für Corona allerdings gelte es ganz besonders. Denn das Covid-19 Virus greife den Körper umfassend an und richte sich gegen alle Organe. „Schlimmstenfalls führt es sogar zu heftigen Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen.“

Covid-19: Virus greift unerkannt Herzmuskel an

Das Tückische daran, „nicht immer merkt man etwas davon“, erklärt Berndt, die ein Studium in Biochemie abgeschlossen hat. So greife das Virus mitunter unerkannt den Herzmuskel an. Dort bilde sich dann eine Herzmuskelentzündung. Wenn diese noch nicht ausgeheilt ist, während man wieder mit dem Sport beginnt, könne das zu Herzrhythmusstörungen oder einer Herzmuskelvergrößerung kommen.

Vorschäden in der Lunge könnten dazu führen, dass sich Narben bilden, die nicht wieder ausheilen. Und die Entzündungen in den Gefäßverschlüssen können Blutgerinnsel hervorrufen und dann wiederum Gefäße verstopfen, „was zu Schlaganfall oder Lungenembolie führen kann“, sagt Christina Berndt im SZ-Podcast.

Sportmediziner: Viele Menschen kennen die Auswirkungen von Corona noch nicht

Schonung ist deshalb angesagt, selbst wenn die Infektion ohne erkennbare Symptome verläuft. Die DGSP klärt darüber in ihrer Studie „Return to Sport“ auf, weil offenbar viele Sporttreibenden die Auswirkungen von Corona noch nicht kennen oder falsch einschätzen. Die Gefahren werden darin mit Hilfe einer Ampel verdeutlicht. Die Ampel steht auf grün, wenn man keine Symptome mehr hat, dann kann man sich auch während der Coronazeit schon bewegen, sollte sich aber nicht überanstrengen. Auf gelb springt die Ampel bei Menschen, die währen der Coronazeit Erkältungssymptome in den oberen Atemwegen haben. Die sollten bis Ende der Carantänezeit auf Sport verzichten. Die Ampel leuchtet orange, wenn man zum Beispiel Fieber hat oder die Erkältungssymptome tiefer liegen - wie bei Husten oder einer Bronchitis. Dann sollte man zwei bis vier Wochen keinen Sport mehr treiben.

Rot wird die Ampel, wenn man eine Lungenentzündung entwickelt oder das Herz betroffen ist. Dann empfiehlt sich mehrere Wochen oder sogar Monate mit dem Sport zu pausieren. Wichtig ist laut DGSP-Studie, auf den eigenen Körper zu hören und vor allem nicht nach einer Corona-Erkrankung zu schnell wieder mit dem Sport loszulegen.

Wichtige Erkenntnis: Nachuntersuchung beim Kardiologen machen

Eine Nachuntersuchung beim Kardiologen ist für alle, ob Profi- oder Amateur-Sportler, ratsam, bevor sie mit dem Training wieder in den Ring starten. Der Arzt schaut, ob das Herz wieder vollkommen regeneriert ist. Auch eine Blutwertbestimmung kann helfen. Sehr selten treten Herzmuskelentzündungen übrigens nach einer Impfung gegen Covid-19 auf oder zeigen sich wesentlich milder. Auf jeden Fall sollte man sich Ruhe gönnen.

Alphonso Davies trainiert wieder beim FC Bayern München nach dreimonatiger Pause aufgrund einer Herzmuskelentzündung.
Alphonso Davies fehlte lange beim Bayern-Training. © Philippe Ruiz/imago

Prominentestes Beispiel aus dem Fußball ist Alphonso Davies* vom FC Bayern*. Beim Profi-Kicker wurde eine leichte Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Der Linksverteidiger laborierte knapp drei Monate an den Folgen einer Herzmuskelentzündung, die ihn bisher zwölf Pflichtpartien kostete.

Risiko für Sportler: Folgekomplikationen bei unzureichender Ausheilung

Nach aktuellen Publikationen könne man davon ausgehen, dass das zwar nur ein bis zwei Prozent der Leistungssportler beträfe, aber umso wichtiger sei es, die Betroffenen vor der Wiedereingliederung herauszufiltern, folgert Jürgen Scharhag, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, der die Abteilung für Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention an der Universität Wien leitet. „Liegen solche Erkrankungen unbemerkt vor, steigt das Risiko von Folgekomplikationen bei unzureichender Ausheilung oder einem verfrühten Trainings- oder gar Wettkampfstart“, so Scharhag weiter.

Scharhag kommt zu dem Fazit: „Im Vergleich zu den bei Sportlern sonst üblichen Infekten der oberen Atemwege sollte bei Covid-19 aufgrund der möglichen Multiorganbeteiligung im Falle von Unklarheiten eine etwas umfassendere medizinische Abklärung vor ‚Return to Sport‘ erwogen werden. Vor dem sportlichen Wiedereinstieg werden derzeit als Basisdiagnostik eine Anamnese, körperliche Untersuchung, Bestimmung ausgewählter Blutparameter und ein Ruhe-EKG empfohlen.“

Was Wissenschaftler bereits über das Coronavirus, dessen Ansteckung und Symptome, aber auch Vorerkrankungen und Mortalität* wissen, beobachten Ärzte in aller Welt, um Auswirkungen des unbekannten Erregers besser zu verstehen. Und wahrend Europa gerade lernt, mit dem Coronavirus zu leben, wird Omikron für China zur tödlichen Gefahr*. (SZ/sth) *Merkur.de ist ein Angebot von IppenMedia.

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