Biontech, Moderna & Co.

Corona-Massenimpfungen: Jens Spahn nennt möglichen Zeitplan - und weckt mit einer Aussage Hoffnung

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht in einer Bundespressekonferenz.
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Coronavirus-Pandemie: Jens Spahn hofft für 2021 auf wirksame Impfungen.

Jens Spahn ist zuversichtlich: Bald soll es so viel Corona-Impfstoff geben, dass auch in Deutschland „massenhaft“ immunisiert werden könne. Hoffnung setzt er auf Biontech - doch das reicht alleine nicht aus.

  • In Russland soll bereits geimpft werden. In Großbritannien und den USA soll es kommende Woche soweit sein.
  • Europa wartet indes noch auf die Zulassung eines Corona-Impfstoffes* - Jens Spahn sieht sich allerdings noch nicht im Zugzwang.
  • Wann mit „massenhaften“ Impfungen in Deutschland zu rechnen ist, hat der Bundesgesundheitsminister jetzt in einem Interview verraten.

Berlin - „Ich verstehe den Wunsch nach einem Masterplan, der einmal geschrieben wird und sich nie wieder ändert. Aber dieser Wunsch ist schlicht nicht erfüllbar. Denn er widerspricht dem Wesen der Pandemie*“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das Virus sei „heimtückisch“, es fordere momentan fast 500 Menschenleben am Tag und Tausende Deutschen würden an Weihnachten um ihre Angehörigen trauern. Danach, dass sich die aktuelle Situation bald ändert, sieht es also nicht aus, schenkt man Spahn Glauben.

Corona-Krise: Spahn kann keinen „Masterplan“ aufstellen - hofft aber auf Impfstoffe

„Wo die Inzidenz hoch ist, werden weitere Kontaktbeschränkungen eingeführt“, sagte der Gesundheitsminister dem Nachrichtenportal t-online jetzt in einem Interview. Und das sei auch richtig, schließlich entscheide die kommende Woche, wie sich die Pandemie entwickelt und wie viele Menschen an Weihnachten* mit Corona auf den Intensivstationen liegen. Nach acht Monaten Pandemie sei es völlig normal von den Regeln, den Masken und der Krise genervt zu sein, sagt der CDU-Politiker. Dass „die große Mehrheit“ trotzdem nicht nachlässig wird, findet Spahn umso „bemerkenswerter“. Aber dass die Politiker alle paar Wochen neu entscheiden müssen, zermürbt schließlich nicht nur die Bevölkerung, sondern auch sie selbst.

So lautet Spahns Credo, die Pandemie solange einzudämmen und die Zahl der Covid-19-Toten* in Deutschland so gering wie möglich zu halten, bis es „massenhaft verfügbare Impfstoffe“ gibt. FFP2-Masken, Schnelltests und Hygienekonzepte, all diese Maßnahmen „sperren“ das Virus - etwa aus Schulen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern - nicht aus. „Das Risiko lässt sich reduzieren, aber nie ausschließen“, weiß Spahn. So möchte man meinen, er mache sich darüber Sorgen, dass in Großbritannien und den USA ab nächster Woche bereits die ersten Corona-Impfungen starten - und hierzulande nicht. Doch Spahn bleibt zuversichtlich: „Der weltweit erste Corona-Test kam aus Deutschland*. Der erste Impfstoff kommt ebenfalls aus Deutschland.“

Video: Wann genau wird der Corona-Impfstoff verfügbar sein?

Jetzt wird der Impfstoff aus Mainz sogar zuerst in andere Ländern ausgeliefert, während in der Europäischen Union das Zulassungsverfahren noch immer läuft. Nachrichten wie diese sorgen in der deutschen Bevölkerung zusätzlich für Unmut. Spahn hingegen bezeichnet es gegenüber t-online als „hinnehmbar“, diene der „europäische Zulassungsprozess“ doch der Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. Die Menschen soll sich schließlich „auf die Sicherheit des Impfstoffes verlassen können“. Dass der Impfstoff in Europa dann erst einige Tage oder wenige Wochen später als in den USA und Großbritannien zur Verfügung stehen wird, fällt für Spahn nicht ins Gewicht.

Die Zulassung eines Corona-Impfstoffs ist doch kein Wettrennen, sondern ein Prozess, der möglichst schnell, aber unter Achtung der notwendigen Standards abgeschlossen werden muss. Ich erwarte, dass der europäische Zulassungsprozess in absehbarer Zeit abgeschlossen ist.

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Dass die US-Regierung bis Ende Februar 2021 100 Millionen Menschen impfen können wird, bezweifelt Spahn stark, denn „dafür müsste es erst einmal so viel Impfstoff geben“. Der Gesundheitsminister stapelt für Deutschland da etwas tiefer: „Vorausgesetzt, der Impfstoff von Biontech* wird bis Ende des Jahres zugelassen, werden wir im Januar drei bis vier Millionen Impfdosen haben.“ Bis Ende März hält der Gesundheitsminister dann elf Millionen Biontech-Impfdosen für Deutschland für realistisch. Der Impfstoff des US-Konzerns Moderna, der sich gerade in Europa zum Zulassungsverfahren angemeldet hat, komme dann noch hinzu.

Spahn weckt Hoffnung: Wann ist Deutschland mit „dem Gröbsten“ durch?

„Insgesamt gibt es fünf Kandidaten, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bis zur Jahresmitte zugelassen werden: Neben den Produkten von Biontech und Moderna auch die von Curevac, Astra Zeneca und Johnson & Johnson“, erklärt Spahn im Interview. Somit gebe es dann „ausreichend Impfstoff, der wohl auch einfacher gelagert und transportiert werden kann“.

Mit unserem Wissensstand von heute gehe ich deshalb davon aus, dass wir im Sommer auch flächendeckend in den Arztpraxen impfen können. Die Grippeimpfungen zeigen, wie schnell das dann gehen kann. Jedes Jahr werden dabei in wenigen Wochen 20 Millionen Menschen geimpft.

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Spahn sei mit dem aktuellen Stand der Dinge zuversichtlich, dass es „spätestens im Sommer Massenimpfungen geben wird“. Sofern möglichst viele das Impfangebot wahrnehmen, wäre man „schon im nächsten Herbst mit dem Gröbsten durch“. Doch wer der über 83 Millionen Deutschen wird zuerst geimpft? Hier will Spahn „die Balance zwischen ethischem Grundsatz und Praktikabilität“ schaffen, führt diesen Gedanken im Interview aber nicht weiter aus, ebenso wenig die Frage, ob Geimpfte und Immune dann mehr Freiheiten als andere leben dürften.

Pragmatisch und solidarisch will Spahn vorgehen, so solle nicht gleich jeder Geimpfte eine Grundsatzdebatte über das Maskentragen anfangen. „Schon heute sind Hunderttausende Deutsche nach einer überstandenen Erkrankung – zumindest zeitweise – immun und tragen weiter eine Maske. Ich werde jedenfalls, nachdem ich geimpft bin, bei einer Besprechung nicht sagen: „Ich muss als einziger im Raum keine Maske mehr anziehen,““, sagt der CDU-Politiker.

Eine Impfpflicht soll es nicht geben, doch über ein Schlumpfloch zur Normalität in der Zeit, in der endlich ein Impfstoff bereit steht, sinnieren bereits viele: So könnte man es etwa bei Veranstaltungen ähnlich wie in Kindertagesstätten regeln und nur geimpften Menschen Zutritt gewähren. Rein rechtlich könnten private Veranstalter, die Hausrecht haben, theoretisch so handeln, doch die Debatte löst bei bei dem Gesundheitsminister im Interview eine berechtigte Frage aus: „Wollen wir Freiheit für wenige, oder die Solidarität aller, bis es eine Grundimmunität gibt?“ Beantworten will er diese jetzt jedoch nicht. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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