Weiterer Plan zerschlägt sich wohl

Höchstwerte seit April: Spahn kündigt neue Corona-Strategie für Winter in Deutschland an

Gesundheitsminister Jens Spahn kündigt eine neue Corona-Strategie für die kalte Jahreszeit in Deutschland an. Für Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen soll es zentrale Anlaufstellen geben.

Update vom 22. September, 10.34 Uhr: Immunitäts-Pass, Immunitäts-Ausweis oder eine Immunität-Bescheinigung - seit Beginn der Coronavirus-Pandemie geistern diese Begriffe herum und sorgen für Zündstoff. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte einen solchen Immunitäts-Ausweis ursprünglich geplant. Ein Corona-Nachweis sollte einzelnen mehr Freiheiten geben, so der Plan. Doch schon im Mai legte Spahn sein Vorhaben erstmal auf Eis. Und einen staatlichen Immunitätsnachweis wird es wohl in seiner Strategie für diesen Herbst und Winter kaum geben. Denn, der Deutsche Ethikrat rät von der Einführung eines Corona-Immunitäts-Ausweises ab. Das Expertengremium begründete sein Votum in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Stellungnahmen mit den derzeit noch bestehenden Unsicherheiten über die Immunität nach einer überstandenen Infektion mit dem Coronavirus. Die Empfehlung des Ethikrats fiel einstimmig aus.

Der Ethikrat rät „angesichts erheblicher Unsicherheiten hinsichtlich der Ausprägung und des zeitlichen Verlaufs einer Immunität und Infektiosität sowie der Aussagekraft von Antikörpertests gegen Sars-CoV-2“ im Moment von Immunitäts-Bescheinigungen ab. Stattdessen solle auf andere Maßnahmen für einen effektiven Infektionsschutz gesetzt werden. Zudem fordern die Experten, frei verkäufliche Tests zum Nachweis einer Immunität gegen Corona „aufgrund ihrer zweifelhaften Verlässlichkeit und des daraus folgenden Gefährdungspotenzials“ strenger zu regulieren. Nicht bei allen Genesenen etwa sind Antikörper nachweisbar, auch gibt es in seltenen Fälle falsche Ergebnisse.

Für den Fall, dass eine Immunität gegen Sars-Cov-2 künftig verlässlich nachweisbar sein sollte, ist der Ethikrat geteilter Meinung über den Sinn eines Immunitäts-Ausweises.

Die eine Hälfte der Experten hält dann unter bestimmten Voraussetzungen eine stufenweise anlass- und bereichsbezogene Einführung einer Immunitäts-Bescheinigung für sinnvoll. Zugleich warnt sie, dies dürfe nur auf freiwilliger Basis passieren, und es dürfe auch keinen Druck etwa von Arbeitgebern oder Versicherungen geben.

Die andere Hälfte der Ratsmitglieder lehnt einen solchen staatlich kontrollierten Immunitäts-Ausweis auf jeden Fall aus praktischen, ethischen und rechtlichen Gründen ab.

Corona in Deutschland: Spahn wirbt für Urlaub in Deutschland

Update vom 21. September, 22.13 Uhr: Nach seinem Auftritt im ZDF (siehe vorheriges Update) war Jens Spahn am Montagabend auch in der ARD zu Gast. Im „Corona-Extra“ warb der Bundesgesundheitsminister dafür, den Herbst- oder Winterurlaub in Deutschland zu verbringen. „Wir haben gesehen, mit dem Winterurlaub - Stichwort Ischgl - und jetzt nochmal in den Sommerferien, dass mit dem Reisen, mit der Mobilität auch zusätzliche Infektionsrisiken entstehen.“ Bayern kämpfe bis heute auch mit den Infektionsherden, die sich daraus ergaben. „Ich denke, man kann auch in Deutschland einen schönen Urlaub verbringen“, sagte Spahn.

Corona in Deutschland: Spahn erklärt neue Strategie und mahnt zur Vorsicht

Update vom 21. September, 19.33 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will im Herbst flächendeckend Fieberambulanzen einrichten. Am Montagabend hob der CDU-Politiker im ZDF noch einmal die Wichtigkeit von sogenannten Fiebersprechstunden hervor. In der Sendung Corona-Spezial: Gut vorbereitet in den Herbst? sagte Spahn: „Wenn man sich darauf einigt, dass in einer Praxis zu bestimmten Wochenzeiten im Schwerpunkt die Patienten mit Atemwegserkrankungen behandelt werden, dann ist das auch ein sehr einfaches und sehr wirksames Mittel dagegen, dass das Wartezimmer zum Hauptübertragungsweg wird.“ Man müsse also nicht sofort an einem anderen Ort tätig werden.

Damit die Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit nicht explodieren, setzt der Minister auf Altbewährtes: „Was weiter wichtig bleibt, sind die banalen AHA-Maßnahmen: Abstandhalten, Hygieneregeln, Alltagsmaske. Wir alle können im Alltag einen Unterschied machen, indem wir aufeinander aufpassen.“

Fieberambulanzen: Geteiltes Echo der Ärzteverbände zu Spahns Vorschlag

Update vom 21. September, 17.21 Uhr: Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Herbst flächendeckend Fieberambulanzen für Atemwegserkrankungen einzurichten, löst bei Ärzteverbänden ein geteiltes Echo aus. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, findet, die Versorgung sollte solange wie möglich in den Hausarztpraxen stattfinden. „Schließlich liegt dort auch die meiste Erfahrung hinsichtlich der Behandlung von Infektpatienten“, sagte er gegenüber der Rheinischen Post.

Weigeldt nannte Fieberambulanzen eine wichtige Möglichkeit, falls regional vermehrt Covid-19-Fälle auftreten. Dabei sei aber der enge Austausch mit den Praxen vor Ort unerlässlich, da diese am besten wüssten, wie die Versorgungssituation gerade aussehe. In Regionen mit wenigen Corona-Fällen sollte dagegen nicht unnötig die Versorgung aus den Praxen ausgelagert werden.

Zum Schutz der Risikopatienten forderte Weigeldt, die telefonische Feststellung einer Krankschreibung wieder zu ermöglichen. „So könnten sich Infektpatienten, die keiner Behandlung in der Praxis bedürfen, etwa, weil sie einen leichten grippalen Infekt haben, zu Hause auskurieren, und die Hausärztinnen und Hausärzte müssten sich nicht wegen des möglichen Ansteckungsrisikos für ihre anderen Patienten sorgen“, erklärte er.

Neue Corona-Strategie: Kassenärztliche Bundesvereinigung und Bundesärztekammer reagieren zurückhaltend

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung reagierte ebenfalls zurückhaltend auf Spahns Vorstoß. „Die niedergelassenen Ärzte können die Corona-Gefahr, die die beginnende kalte Jahreszeit mit sich bringt, flächendeckend bewältigen“, sagte ein Sprecher Augsburger Allgemeinen. Fieberzentren, wie sie der Gesundheitsminister vorschlage, seien nicht überall das Mittel der Wahl. In dünn besiedelten Gebieten etwa böten sich andere Möglichkeiten wie spezielle Sprechstunden der niedergelassenen Ärzte an. „Voraussetzung für eine gelingende Corona-Strategie im Herbst ist es, dass schnell die offenen Finanzierungsfragen geklärt werden und dass genügend Schutzausrüstung vorhanden ist“, betonte der Sprecher.

Klaus Reinhardt, der Chef der Bundesärztekammer, äußerte sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung ähnlich. Fieberambulanzen könnten eine sinnvolle Ergänzung sein, vor allem seien aber „Lösungen gefragt, die passgenau auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten sind“. Auf den Hochbetrieb in den Praxen in der Erkältungs- und Grippesaison, verstärkt durch Corona, bereiteten sich die Praxen ohnehin durch geänderte Abläufe, separate Wartebereiche oder gesonderte Sprechstunden für Atemwegserkrankte vor. Allerdings sollten Reihentestungen und Screenings systematisch aus den Praxen herausgehalten und auf spezielle Testzentren konzentriert werden.

Update vom 21. September, 15.04 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Pläne zur Einrichtung sogenannter Fieberambulanzen mit Blick auf einen befürchteten Anstieg der Corona-Zahlen konkretisiert. „Es geht darum, eine Infrastruktur zu haben, die sicherstellt, dass sich nicht im Wartezimmer die Menschen untereinander anstecken. Das macht Sinn für Corona und auch bei der Grippe und einer möglichen Grippewelle“, erklärte Spahn am Montag in Berlin. Patienten mit entsprechenden Symptomen sollen sich künftig an „Schwerpunktsprechstunden“, „Schwerpunktpraxen“ und „regionale Fieberambulanzen“ wenden können.

Zudem erklärte Spahn, dass Schnelltests ein Bestandteil der neuen Corona-Teststrategie ab Mitte Oktober sein sollen. Diese seien inzwischen auch qualitativ besser. Laut Angaben des Gesundheitsministers könnten so beispielsweise Besucher von Pflegeheimen schnell getestet werden, um direkt ein Ergebnis zu erfahren.

Des Weiteren äußerte sich Spahn am Montag zu der aktuellen Dynamik bei den Ansteckungen in Europa. Diese sei besorgniserregend. „Es gibt kein Nachbarland direkt zu Deutschland, dass nicht ein mehrfaches unserer Infektionszahlen bezogen auf die Bevölkerungsgröße hat, und das führt natürlich auch zu Eintrag nach Deutschland hinein“, sagte der CDU-Politiker.

Gibt es in Deutschland einen zweiten Lockdown? Nun äußert sich Christian Drosten - und wagt eine Prognose. Ist Schweden gegen Corona immun? Das „könnte sein“, meint ein dänischer Epidemiologie.

Corona-Höchstwert seit April: Spahn kündigt neue Corona-Strategie für Herbst und Winter an

Update vom 21. September, 13.53 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn möchte eine neue Corona-Strategie für Deutschland spätestens im Mitte Oktober vorstellen. Die Quarantäne-Vorschriften sollen bundesweit angepasst werden, sagt Spahn in einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. Es soll keine weiteren Öffnungsschritte geben, betont Spahn. Im Herbst und Winter sollten sich Patienten nicht in Wartezimmer von Arztpraxen anstecken, deswegen seien sogenannte „Fieberambulanzen“ geplant. Es gäbe unterschiedliche Konzepte von den Kassenärztlichen Vereinigungen. Weitere Details nannte der Gesundheitsminister zunächst nicht.

Erstmeldung vom 21. September 2020

München/Berlin - Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie scheint Deutschland mittlerweile erreicht zu haben. Vielerorts steigen die Infektionszahlen erneut. Am vergangenen Samstag, den 19. September, wurde mit 2297 neuen Corona-Infektionen der höchste Wert seit April erreicht. Mit einer neuen Corona-Strategie will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das Land für den befürchteten Anstieg der Corona-Infektionszahlen in den kalten Jahreszeiten Herbst und Winter wappnen.

Neue Corona-Strategie in Deutschland: Fieberambulanzen als zentrale Anlaufstellen

Die neue Strategie des Gesundheitsministers sieht sogenannte Fieberambulanzen und besondere Schutzvorkehrungen für Risikogruppen vor. In einem Interview mit der Rheinischen Post erklärte Spahn, dass es für Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen, die auf eine Grippe- oder Corona-Infektion* hindeuten, zentrale Anlaufstellen geben solle. Das Angebot soll nach seinen Plänen der Kassenärztlichen Vereinigungen aufgebaut werden. „Konzeptionell gibt es die schon - sie sollten im Herbst idealerweise flächendeckend zugänglich sein“, sagte der CDU-Politiker.

Jens Spahn: Präventive Reihentests in den sensiblen Bereichen zum Schutz der Risikogruppen

Zum Schutz der Risikogruppen vor einer Corona-Infektion soll es ab Herbst ebenfalls spezielle Maßnahmen geben. „Wichtig ist, dass wir die besonders betroffenen Risikogruppen weiter besonders schützen und die Konzepte dafür im Alltag wieder schärfen“, machte Spahn deutlich. Im Herbst und Winter sollen präventive Reihentests in den sensiblen Bereichen wie etwa Pflegeheimen ein fester Bestandteil der Teststrategie werden. Der Bundesgesundheitsminister mahnte: „Dort müssen wir den Eintrag des Virus verhindern. Es gilt weiter höchste Wachsamkeit.“

Corona Deutschland: Weiterentwicklung der Test- und Quarantänestrategie bis Mitte Oktober

Des Weiteren kündigte Spahn an, dass er in Abstimmung mit den Bundesländern die Strategie für die Corona-Tests bis Mitte Oktober fortentwickelt haben will. „Entscheidend ist, dass wir für den Herbst und Winter unsere Test- und Quarantänestrategie fundiert und sorgfältig weiterentwickeln“, sagte er. Die Neuaufstellung der Teststrategie sei bereits im Gange. Antigen-Schnelltests seien demnach ebenso vorgesehen wie neue Vorgaben des Bundesinnenministeriums zur Quarantäne-Zeit für Rückkehrer aus Risikogebieten.

Die Testkapazitäten in Deutschland seien in den vergangenen Wochen ohnehin enorm hochgefahren worden, bekräftigte der Bundesgesundheitsminister. „Allein in den letzten vier Wochen wurde etwa ein Drittel aller Tests seit Beginn der Pandemie gemacht“, verdeutlichte Spahn. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums waren es zuletzt 1,12 Millionen Corona-Tests innerhalb einer Woche.

Experten raten nun zu einem einfachen Hausmittel, das wohl gegen eine Ausbreitung des Coronavirus hilft. In der Nacht auf Samstag musste die Polizei Berlin mehrere illegale Corona-Partys auflösen. Das deutsche Biotech-Unternehmen Biontech ist bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs bereits sehr weit* - und plant Spektakuläres. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

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