Sterblichkeitsrate sinkt

Steigende Zahlen, „zweite Welle“ im Anmarsch: Wieso ist es auf den Intensivstationen noch ruhig?

Dresden: Eine Frau geht auf der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hinter einer Glastür einen Gang entlang.
+
Coronavirus: Wrestling-Legende James „Kamala“ Harris verstirbt wenige Tage nach einem positiven Befund. (Symboldbild)

Seit Wochen steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen: Durchschnittlich werden Infizierte nach acht Tagen ins Krankenhaus eingeliefert. Doch die Lage scheint ruhig. Warum?

München - Es ist das Bild von harten Ausgangssperren, überfüllten Krankenhäusern und Leichen, die nicht mehr abtransportiert werden können, das in den Köpfen auftaucht, wenn von einer „zweiten Welle“ gesprochen wird - und diese Welle wird derzeit heiß diskutiert: Ist sie da, kommt sie, kommt sie nicht?

Mit Neuinfektionen über 1000, dann über 1200 und 1400 lag die Zahl der registrierten Werte zuletzt Tag für Tag höher - für manche Mediziner oder Politiker ist das bereits der Beginn einer zweiten Welle. Etwa acht bis 15 Tage nach der Infektion entwickeln einige Patienten mit schweren Verläufen laut RKI-Steckbrief ein Hyperinflationssyndrom, das zu Multiorganversagen führen kann - berechnet man diese Zeitspanne ein, dann sollte es bereits jetzt eine deutlich angespannte Situation in den Krankenhäusern geben. Doch wie das RKI-Intensivregister zeigt, sind die Intensivstationen aktuell nicht überlastet - laut interaktiver Karte der Berliner Morgenpost sind von 1217 Intensivstationen in Deutschland 63 überlastet, insgesamt würden nur 223 Menschen wegen Covid-19 intensivmedizinisch betreut. Diese guten Nachrichten lassen sich an zwei Faktoren festmachen.

Coronavirus: Überlastung der Intensivstationen? Die Sterblichkeitsrate sinkt

Insgesamt liegt die Sterblichkeitsrate laut RKI bei 4,2 Prozent - dies sei laut Welt aber bedingt dadurch, dass sie noch zu Beginn der Pandemie im Februar und März bei etwa sieben Prozent lag. Aktuell seien es laut Welt nur unter einem Prozent aller mit dem Coronavirus Infizierten, die auch daran versterben.

Hinzukommt, dass derzeit deutlich mehr getestet wird - und dadurch die ermittelten Fallzahlen auch in einem anderen Verhältnis zur Situation in den Krankenhäusern stehen als noch im März. Zwar sind auch etwa ein Prozent aller Testergebnisse positiv (ein Anstieg im Vergleich zu den Vorwochen), doch waren im März noch etwa sieben Prozent aller Tests positiv.

Coronavirus: Mehr jüngere Menschen infiziert - doch es gibt einen Haken

Weitere Auswertungen des RKI zeigen, dass unter den offiziell positiv Getesteten der Anteil der 15 bis 13-Jährigen besonders hoch ist - und der Anteil derer aus höheren Altersgruppen, die eine größere Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf haben, weitaus geringer ist.

Doch während dies zunächst wirklich gute Nachrichten sind, die auch etwas Angst aus der Debatte nehmen können, zeigen auch Berichte von schwer Erkrankten Jüngeren, dass auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen in Einzelfällen unter schweren Verläufen leiden können. Zudem gibt es eine andere Parallele zum Februar: Auch damals waren es vor allem Jüngere, die das Virus aus dem Ausland mitbrachten - und es verbreitete sich schnell in der Bevölkerung. Bleibt zu hoffen, dass die Schutzmaßnahmen inzwischen wirken. (kat/Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare