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Coronavirus Deutschland: Naht bald das große Maßnahmen-Ende?

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Von: Christina Rosenberger

Sollte Deutschland das Coronavirus „einfach laufen lassen“? Experten diskutieren über diese Möglichkeit - während andere Länder schon danach handeln ...

Wann sind wir das Coronavirus und all seine Maßnahmen und Einschränkungen endlich los? Das fragen sich wohl Millionen Deutsche bereits seit über einem Jahr. Denn eigentlich hofften viele, wenn erstmal eine Impfung da wäre, würde sich alles wieder normalisieren und entspannen - doch wie sich herausstellt, sind die Infektionszahlen in Baden-Württemberg* und anderen Ländern auch im zweiten Corona-Spätsommer wieder hoch und die Impfkampagne stockt. Dennoch könnten die Maßnahmen und Regelungen zur Eindämmung der Pandemie bald der Vergangenheit angehören, wie echo24.de* berichtet.

Denn - zumindest, wenn es nach Andreas Gassen, dem Chef der deutschen Kassenärzte, geht - sollten alle Beschränkungen zum 30. Oktober aufgehoben werden. Das forderte er jetzt gegenüber der Osnabrücker Zeitung. Mit dieser Ankündigung hofft Gassen dann auch schnell eine Impfquote von 70 Prozent zu erreichen. Das genannte Datum gebe jedem, der es wolle, noch genügend Zeit, sich bis zum Stichtag impfen zu lassen.

Corona in Deutschland: Kassenärzte-Chef fordert Ende aller Maßnahmen

Doch mit dieser gewagten Aussage stößt der Kassenärzte-Chef prompt auf Gegenwind von anderen Gesundheitsexperten. Sowohl Politiker als auch Ärzte zeigen sich weitestgehend skeptisch. Ganz vorne mit dabei, der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er gibt auf Twitter zu bedenken: „Es wird voll unterschätzt, wie schwer die nächsten Monate noch sein können ohne höhere Impfquote. SarsCoV besiegt man nicht mit Brechstange.“

Es wird voll unterschätzt, wie schwer die nächsten Monate noch sein können ohne höhere Impfquote. SarsCoV besiegt man nicht mit Brechstange.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Und mit dieser Meinung ist Lauterbach nicht alleine. Auch die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) schaltet sich in die Diskussion ein. Sie hält ein Ende der Corona-Maßnahmen „noch für zu leichtsinnig“.

Doch Kassenärzte-Chef Gassen hat für seine Forderung einen ganz konkreten Grund. Andere europäische Länder wie Großbritannien und Dänemark gehen bereits den Weg der Öffnungen. In Dänemark liegt das daran, dass bereits knapp 75 Prozent der Menschen vollständig gegen Corona geimpft sind. Wegen dieser Impfquote braucht man dort überhaupt keinen 3G-Nachweis mehr - sogar bei Großveranstaltungen mit Zehntausenden Zuschauern gibt es keine Beschränkungen oder Kontrollen mehr.

Corona in Deutschland: Großbritannien und Dänemark als Vorbilder?

Großbritannien läutete seine großflächige Öffnungsstrategie mit einem sogenannten „Freedom Day“ ein. Mitte Juli war es so weit und die Briten waren sprichwörtlich wieder „frei“. Erstaunlicherweise gingen die Infektionszahlen hier zunächst zurück, doch wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, stiegen die Inzidenzen ab August wieder stetig an. Regelmäßig wurden über 100 Tote am Tag gemeldet.

Gehören Corona-Maßnahmen in Deutschland bald der Vergangenheit an? (Symbolbild)
Gehören Corona-Maßnahmen in Deutschland bald der Vergangenheit an? (Symbolbild) © Federico Gambarini/dpa

Dennoch lassen sich britische Politiker nicht beirren. Wie fr.de* berichtet, hatte Vize-Premierminister Michael Gove nicht ausgeschlossen, man müsse sich notfalls mit Hunderten von Todesfällen pro Tag abfinden. In Downing Street versicherte man: „Eine konkrete Zahl akzeptabler Opfer von Covid gibt es nicht.“

Der große Unterschied zu Deutschland ist bei Ländern wie Dänemark und Großbritannien definitiv die Impfquote. Denn diese beiden Länder haben einen markanten Vorsprung im Vergleich zur Bundesrepublik. Während hierzulande die Zahl der vollständig Immunisierten bei 63,4 Prozent rangiert (22. September), liegt Großbritannien immerhin bei fast 67 Prozent - Dänemark steht mit seinen 75 Prozent komplett geimpfter Einwohner noch ein ganzes Stück besser da.

Corona in Deutschland: Diese Strategie gegen die Pandemie wäre möglich

Wegen der stagnierenden Impfquote setzt Deutschland allerdings bisher noch auf eine andere Strategie. 3G gilt in großen Teilen der Bundesrepublik in öffentlichen Bereichen - bedeutet, wer ins Restaurant, Kino oder Museum möchte, muss nachweisen, negativ getestet, geimpft oder von Corona genesen zu sein.

Baden-Württemberg geht mit seiner neuen Corona-Verordnung sogar noch einen Schritt weiter* und lässt ab einer bestimmten Intensivbettenbelegung nur noch geimpfte und genesene Menschen rein. Wer nicht vollständig gegen Covid-19 immunisiert ist, muss dann weitestgehend auf das öffentliche Leben verzichten. Für die Landesregierung wohl das Mittel der Wahl, um Ungeimpfte unter Druck zu setzen und die Impfkampagne so wieder in Schwung zu bringen.

Denn mit 2G hofft die Regierung, in diesem Winter keinen neuen Lockdown verhängen zu müssen. In einem Strategiepapier des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es, das Infektionsgeschehen solle zwar durch Maßnahmen unter Kontrolle gehalten werden, „allerdings eher mit individuellen Maßnahmen als mit Schließungen von Einrichtungen oder Einschränkungen ganzer Gesellschaftsbereiche.“

Corona in Deutschland: Das muss erreicht werden, um die Maßnahmen aufzuheben

Das RKI hat außerdem aktualisierte Modellierungen erstellt, die zeigen, dass „die Beendigung aller Schutzmaßnahmen eine ganz erhebliche Zunahme der Infektionen mit den bekannten Folgen für Erkrankte und das Gesundheitssystem anstehen würde“, erklärte der Epidemiologe Hajo Zeeb gegenüber dem Science Media Center. Demnach sei die Impfquote aktuell noch viel zu niedrig, um ein Szenario mit vielen Toten „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu verhindern“.

Laut RKI könnten die Maßnahmen erst dann aufgehoben werden, wenn mindestens 85 Prozent der Menschen vollständig geimpft sind. Erst ab dieser Impfquote trete die sogenannte Herdenimmunität in Kraft und die Pandemie könne unter Kontrolle gehalten werden, sind sich die RKI-Experten sicher. In diesem Herbst wird dieser Zustand in Deutschland allerdings nicht erwartet, weil - so das Strategiepapier - „die erwartbaren Impfquoten insbesondere unter den jüngeren Erwachsenen hierzu noch nicht ausreichen.“ *echo24.de und fr.de sind Angebot von IPPEN.MEDIA.

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