Diskussion zwischen Politikern

Lauterbach erklärt Tübingens Modellprojekt für gescheitert - Palmer schießt zurück

Tübingen hat mit seiner Corona-Strategie bundesweit Aufsehen erregt. Doch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zweifelte auf Twitter daran.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* sollen neben den Impfungen auch großflächige Corona-Schnelltests helfen. Tübingen machte daraus das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“: Einkaufstouristen dürfen in Tübingen mit negativem Coronatest shoppen (BW24* berichtete).

Die Corona-Strategie in Tübingen sorgte bundesweit für Aufsehen. Doch inzwischen werden Zweifel am Modellprojekt laut. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte nun über den Kurznachrichtendienst Twitter Kritik. Das führte zu einem Schlagabtausch mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der nach wie vor hinter seinem Modellprojekt steht.

Steigende Corona-Inzidenz in Tübingen: Karl Lauterbach betrachtet Modellprojekt als gescheitert

Von Beginn an lief nicht alles ganz rund bei den Corona-Schnelltests. Bei einer Panne in Tübingen wurden 25 Menschen wegen falsch-positiver Corona-Tests in Quarantäne* geschickt. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hielt trotzdem am Modellprojekt fest.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlussfolgerte aber anhand der jüngsten Corona-Inzidenzen, dass das Modellprojekt gescheitert ist. „Auch Tübingen schafft es nicht“, schrieb Lauterbach auf Twitter über einer Grafik mit steigenden Corona-Fallzahlen. „Die Tests für Schulen und Betriebe fehlen noch, der Aufbau dauert. Ausgangssperren bei Inzidenz über 100 zumindest ab 20 Uhr wäre wirksam und unbürokratisch. Kommen werden sie später sonst ohnehin. Weil die Welle nicht vom Wetter gestoppt wird“, so Lauterbach weiter.

Doch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wollte die Zweifel von Karl Lauterbach nicht stehen lassen. Auf Facebook reagierte der Grünen-Politiker mit einer bissigen Stellungnahme.

Modellprojekt in Tübingen: Steigende Corona-Infektionen im Kreis, nicht in der Stadt

„Karl Lauterbach kennt den Unterschied zwischen dem Landkreis Tübingen und der Universitätsstadt Tübingen nicht. Als Rheinländer sei ihm das verziehen, aber seine These beruht auf den falschen Zahlen. Der Anstieg der Inzidenz im Landkreis Tübingen findet bisher in der Stadt Tübingen nicht statt“, schreibt Boris Palmer auf Facebook.

Die auf Corona-Getesteten erhalten in Tübingen inzwischen ein Armband mit QR-Code* als Tagesticket. Bereits bei der Verkündung dieses „Upgrades“ betonte Oberbürgermeister Boris Palmer, dass die steigende Inzidenz im Landkreis Tübingen auf Nachbarstädte zurückzuführen sei.

Im Gegensatz hierzu bewegte sich die Inzidenz in der Universitätsstadt laut der Pandemiebeauftragten Lisa Federle seit zwei Wochen in einem Korridor zwischen 20 und 30. Der von Karl Lauterbach zitierte Anstieg der Inzidenz im Landkreis Tübingen gehe auf Ausbrüche an Schulen und Kitas außerhalb des Stadtgebiets zurück. Boris Palmer wies Lauterbachs Kritik wegen der fehlenden Tests zurück*. „Tübingen hat aber auch die von Lauterbach geforderten Testungen in Schule, Kita und Betrieben längst auf den Weg gebracht.“ *BW24 und echo24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © dpa/Montage

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