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Astrazeneca-Zweitimpfung: Spahn und Gesundheitsminister der Länder vertagen Entscheidung

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Von: Richard Strobl, Fabian Müller

Am Mittwoch haben sich die Gesundheitsminister der Länder und Gesundheitsminister Jens Spahn zur Astrazeneca-Zweitimpfung beraten - und eine Entscheidung vertagt.

Update vom 7. April, 20.45 Uhr: Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben eine Entscheidung über den Umgang mit Zweitimpfungen von Personen, die bereits eine Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Vakzin erhalten haben, vertagt. Das teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Mittwochabend mit. Nun solle es am kommenden Dienstag neue Beratungen unter Einbeziehung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben.

Die EMA hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sie den Astrazeneca-Impfstoff trotz der seltenen Fälle von Hirnthrombosen weiterhin uneingeschränkt empfiehlt. Der Nutzen des Impfstoffs sei höher zu bewerten als die Risiken.

Update vom 7. April, 7.36 Uhr: Bei der Zweitimpfung auf einen anderen Impfstoff statt Astrazeneca umsteigen? Die Stiko empfiehlt dieses Vorgehen für Menschen unter 60 Jahren. In Deutschland stehen momentan dafür Biontech/Pfizer und Moderna zur Wahl. Doch jetzt ist eine große Lieferung von Impfdosen der Firma Moderna geplatzt*.

Astrazeneca-Zweitimpfung: Beratung der Gesundheitsminister am Mittwoch

Update vom 6. April, 19.38 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will am Mittwoch um 15 Uhr mit seinen Kollegen aus den Ländern über eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu Zweitimpfungen beraten. Die Stiko hatte vergangene Woche empfohlen, dass Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Corona-Impfung* mit dem Präparat von Astrazeneca erhalten haben, bei der zweiten Impfung auf einen anderen Impfstoff umsteigen sollen.

Grund sind eine Reihe von Verdachtsfällen auf eine Hirnvenen-Thrombose. Experten vermuten, dass das sehr geringe Risiko jüngere Menschen betrifft. Bund und Länder hatten deshalb vor einer Woche beschlossen, das Astrazeneca-Mittel in der Regel nur noch Menschen über 60 verabreichen zu lassen. Allerdings haben laut Spahn bereits 2,2 Millionen Bürger unter 60 eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten. Die Stiko empfiehlt, dass sie nun nach zwölf Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) bekommen (siehe Erstmeldung).

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat ihre Bewertung von möglichen schweren Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs noch nicht abgeschlossen. Ein Ergebnis werde für Mittwoch oder Donnerstag erwartet, sagte eine Sprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Amsterdam.

Astrazeneca-Zweitimpfung: Ständige Impfkommission nun mit neuer Empfehlung für Corona-Impfung

Update vom 5. April: Menschen, die bereits eine erste Corona-Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca bekommen haben, sollen bei der Zweitimpfung Mittel von Biontech oder Moderna verimpft bekommen. Das bestätigte Gesundheitsminister Jens Spahn noch einmal via Twitter. Damit folgt er einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (siehe Erstmeldung).

Betroffen sind nach Spahn etwa 2,2 Millionen Menschen unter 60 Jahren. Weiter schreibt er: „Diese Zweitimpfungen stehen frühestens ab Mitte April an, da Astrazeneca erst seit Anfang Februar in Deutschland verimpft wird. Am Mittwoch werde ich mit den Gesundheitsministern und -ministerinnen der Länder über das genaue Vorgehen sprechen“.

Erstmeldung vom 2. April: Berlin - Menschen, die bereits eine erste Corona*-Impfung mit dem Mittel von Astrazeneca bekommen haben, sollen bei der Zweitimpfung den Impfstoff von Biontech* oder Moderna* bekommen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission laut einer am Donnerstagabend aktualisierten Mitteilung.

Astrazeneca-Zweitimpfung: StiKo empfiehlt nun Misch-Impfung

Allerdings weist die Ständige Impfkommission ausdrücklich darauf hin, dass es aktuell noch keine Gewissheit zur Sicherheit und Wirksamkeit einer Misch-Impfung gebe.

In der Stiko-Empfehlung heißt es wörtlich: „Hinsichtlich der zweiten Impfstoffdosis für jüngere Personen, die bereits eine erste Dosis der COVID-19 Vaccine AstraZeneca* erhalten haben, gibt es noch keine wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit einer heterologen Impfserie. Bis entsprechende Daten vorliegen empfiehlt die STIKO, bei Personen im Alter <60 Jahren anstelle der zweiten Astrazeneca-Impfstoffdosis eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen“

In Deutschland sind momentan die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Das Astrazeneca-Präparat, das mittlerweile in „Vaxzervria“ umbenannt wurde*, ist ein sogenannter Vektorimpfstoff.

Astrazeneca-Stopp in Deutschland: Zweitimpfung war wichtige offene Frage

Am Dienstag hatte die Ständige Impf-Kommission ihre Empfehlung zu Astrazeneca bereits geändert. Die Stiko empfahl den Corona-Impfstoff dann nur noch für Menschen über 60 Jahre. Allerdings hatten bis zu diesem Zeitpunkt bereits Tausende eine erste Astrazeneca-Impfung erhalten. Die Frage, was nun mit diesen Menschen geschehen solle, nachdem nicht weiter mit Astrazeneca geimpft werden solle, war einer der wichtigen offenen Punkte nach den Bund-Länder-Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag.

Astrazeneca-Entscheidung: StiKo-Vorsitzender erklärt neue Entscheidung

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens sagte dem Spiegel dazu in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview: „Tierexperimentelle Daten zeigen, dass die Immunreaktion nach heterologer (zweiter) Impfung gleich ausfällt. Man muss noch wissenschaftlich klären, wie gut der Schutz dann beim Menschen ist. Ich hoffe, dass dazu bald Daten vorliegen.“

Mertens sagte weiter, dass man über das Risiko bei zweimaliger Impfung mit Astrazeneca derzeit nur spekulieren könne. „Der nahe liegende Ausweg ist aus meiner Sicht, es gar nicht zu probieren, sondern zur Sicherheit eben als Alternative einen RNA Impfstoff zu geben.“(rjs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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