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Statistiker machen erschreckende Corona-Prognose: Inzidenz liegt wohl bei 2000

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Von: Nils Tillmann

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Es könnte deutlich mehr Corona-Fälle geben als die meisten Statistiken zeigen, warnt Mathematiker Christian Hesse. Das liege an einer „immer größer werdenden Dunkelziffer“.

Kassel – Während vielerorts bereits das Ende der Sommerwelle begrüßt wird, warnt Statistiker Christian Hesse, dass die Lage um das Corona-Virus möglicherweise viel ernsthafter sei als die aktuellen Zahlen nahelegen. Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) würden „von einer immer größer werdenden Dunkelziffer nahezu unbrauchbar gemacht“, teilte Hesse Focus Online in einem Interview mit.

Im Wochenbericht vom 11. August hatte das RKI zuletzt einen Rückgang der 7-Tage-Inzidenz von 27 Prozent verzeichnet. Der Bericht hatte prognostiziert, dass „der aktuelle Wellengipfel überschritten zu sein scheint“.

Höhere Corona-Inzidenz aufgrund von „Dunkelziffer“

Hesse, der die Abteilung für Mathematische Statistik an der Universität Stuttgart leitet, widerspricht dem aber und legt nahe, dass der Höhepunkt der Sommerwelle noch bevorstehen könnte. Die Inzidenzzahlen des RKI basieren auf den Ergebnissen von PCR-Tests, die in Kliniken und Teststellen durchgeführt und dem Institut gemeldet werden. Fälle, die also nicht in solchen Zentren erfasst werden, würden zu einer steigenden Dunkelziffer beitragen. Tatsächlich befürchtet Hesse, dass der wahre Corona-Inzidenzwert um 2000 liegen könnte. Am 18. August hatte das RKI für Deutschland eine 7-Tage-Inzidenz von 314,2 berichtet.

June 3, 2022, Guwahati, Guwahati, India: A health worker collect nasal swab from a Hajj pilgrims wait for Covid-19 test
Die Inzidenzwerte des RKI basieren auf PCR-Testergebnissen von Teststellen und Kliniken. Manche Fälle könnten so nicht in der Statistik landen. (Symbolbild) © Dasarath Deka/IMAGO

Als einen Grund für seine Einschätzung nennt Hesse dabei die sinkende Zahl durchgeführter PCR-Tests. Diese sei im Vergleich mit dem Wert vor drei Wochen um ein Drittel zurückgegangen. Auch dass in manchen Teilen der Bevölkerung die Sorge vor einer Corona-Infektion nachgelassen habe, trage zur Dunkelziffer bei, erklärt Hesse. Jüngere und Mittelalte würden sich demnach möglicherweise nicht testen lassen.

Warnung vor der Corona-Herbstwelle

Ein weiterer Faktor könnte die aktuelle Urlaubssaison sein. Fälle, die bei Urlaubern im Ausland festgestellt werden, werden nicht in der Statistik des RKI aufgeführt. Und mit dem anstehenden Ende der Sommerferien könnte es laut Hesse zu einem erneuten Anstieg von Corona-Infektionen in Deutschland kommen.

Deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz in den letzten Jahren
18. August 202010,1
18. August 202144,5
18. August 2022314,2
(Quelle: RKI)

Auch für den Herbst sieht Hesse eine hohe Infektionslast voraus. Die Zahlen im Herbst und Winter der Länder auf der Südhalbkugel, wie zum Beispiel Australien, würden widerspiegeln, was uns in ein paar Monaten erwarte. Corona-Maßnahmen für den Herbst seien deshalb wichtig. Um einer starken Herbstwelle entgegenzuwirken, müssten noch deutlich mehr Impfdosen verabreicht werden, sagt Hesse. Auch eine Grippeimpfung könne dabei helfen, Risikogruppen zu schützen. (Nils Tillmann)

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