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Infektiologe warnt: „Wir haben keine echte Impfquote, das ist ein riesiges Problem“

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Von: Nadja Austel

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Ein Aufkleber, der auf eine Corona-Impfung mit Moderna hinweist, klebt im Impfpass eines Impflings. (Symbolbild)
Ein Aufkleber, der auf eine Impfung mit Moderna hinweist, klebt im Impfpass eines Impflings. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Die Corona-Zahlen steigen, die tatsächliche Impfquote ist ungewiss. Wird das Ende der pandemischen Lage zu früh beschworen?

Berlin - Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen liegt erstmals seit Monaten wieder im dreistelligen Bereich. Zeitgleich steht die tatsächliche Impfquote des Landes infrage: Der Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte geht davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Corona*-Impfungen in Deutschland noch nicht gemeldet wurden. 

Die meisten Impfungen seien über das kassenärztliche System eingegangen – wie viele nicht gemeldet wurden, sei aber noch unklar, sagte Verbandsvizepräsidentin Anette Wahl-Wachendorf gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Wir haben in alle Richtungen erklärt und sensibilisiert“, sagte sie weiter. Sie erwarte klärende Gespräche mit dem Robert-Koch-Institut (RKI). 

Corona-Impfquote ist noch unklar – Pandemie-Ende zu früh verkündet?

„Wir haben keine echte Impfquote, das ist ein riesiges Problem, ein strukturelles Problem“, sagte auch der Kölner Infektiologe Gerd Fätkenheuer dem RND. „Ich fürchte, dass es am Ende erst über die Abrechnungen sichtbar wird.“ Aufgrund der Ungewissheiten bei der Impfquote und stark steigenden Infektionszahlen halte er das angekündigte Ende der Einschätzung der Lage als Pandemie für „sehr unklug“: „Wir kommen gerade in die kritischen Wintermonate und wir sehen, was in anderen Ländern passiert. Es hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für diese Ankündigung geben können.“

Die Corona-Neuinfektionen in Deutschland haben wieder deutlich zugenommen: Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte am Wochenende erstmals seit Mitte Mai den Wert von 100. Das RKI gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen (23.10.2021) mit exakt 100 an. 

Am Vortag hatte der Wert bei 95,1 gelegen, vor einer Woche noch bei 70,8. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 15.145 Corona-Neuinfektionen. Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Beendigung der durch den Bundestag festgestellten Corona-Notlage sorgte angesichts dieser steigenden Zahlen für Diskussionen. (dpa/afp/na) *Fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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