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Schulen bei Corona-Inzidenz von 200 schließen? RKI-Chef Wieler schießt deutlich gegen Merkels Notbremsen-Plan

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Von: Martina Lippl

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Die Corona-Infektionszahlen müssen runter. RKI-Chef Lothar Wieler übt scharfe Kritik an dem geplanten Stopp für Schulen.

Berlin - Das Thema Kinder und Corona* sorgt seit Beginn der Corona-Pandemie für Zündstoff. Corona und Schule um so mehr. Corona-Pause, Homeschooling oder Präsenzunterricht im Wechselmodell bestimmen das Leben von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern. Normaler Unterricht im Klassenzimmer - ein frommer Wunsch mitten in der dritten Corona-Welle.

Grundsätzlich regeln die Kultusminister der Länder den Unterricht an Schulen. Bisher konnten sie sich nicht auf einheitliche Regeln zu Tests und Schulöffnungen einigen. Bund und Länder wollen das mit der geplanten Bundes-Notbremse ändern. Präsenzunterricht soll dann ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 mit zwei Corona-Tests pro Woche möglich sein. Ab einem Wert von 200 soll auf Homeschooling umgestellt werden.

„Aus meiner Sicht ist die 200er-Grenze zu hoch“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Je höher man die Schwelle setze, desto mehr Kinder werde man wegen Infektionen aus den Klassen nehmen und desto mehr ganze Klassen werde man zuhause lassen müssen. 

„Aus meiner Sicht ist die 200er-Grenze zu hoch“

RKI-Chef Lothar Wieler zur Schul-Notbremse

Dass Kinder als Treiber der Infektion bezeichnet würden, führe immer wieder dazu, dass man das Wesentliche aus dem Blick lasse. Drinnen stecke ich mich mehr an als draußen, Schulen seien natürlich Räume. „Aber, wir stecken uns hauptsächlich drinnen an. Je größer die Inzidenz ist, umso größer ist die Möglichkeit sich anzustecken“, so Wieler. Die Infektionszahlen beschleunigen sich seit Februar. Die britische Corona-Mutation B.1.1.7* lässt die Corona-Fallzahlen explodieren. Nach aktuellen Daten geht das RKI von einem R-Wert von 1,3 bis 1,7 aus. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 130 bis 170 weitere Menschen anstecken.

„Die Covid-19-Fallzahlen stiegen in den letzten Wochen in allen Altersgruppen wieder an, besonders stark jedoch bei Kindern und Jugendlichen, von denen auch zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen ausgehen“, heißt es im Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Schulen spielen laut RKI eine wachsende Rolle bei der Virusausbreitung in Deutschland. In Haushalten, auf der Arbeit sowie in Kitas und Horteinrichtungen stecken sich die Menschen mit Corona laut RKI an. Die Daten sind jedoch unvollständig. Das „Geschehen diffus“. Nicht immer lässt sich eine Infektion genau zurückverfolgen. „Beim Großteil der Fälle ist der Infektionsort nicht bekannt.“  

„Ob Kinder die Eltern angesteckt haben oder Eltern die Kinder, ist eigentlich egal“, argumentiert RKI-Chef Wieler. In einer Schulklasse lasse sich eine Infektion eben dann erkennen. Die britische Corona-Variante verbreite sich rasch und intensiv. Bei Inzidenzen von 100 oder 200 würden dann einfach viele Menschen positiv getestet werden. „Wir müssen die Inzidenzen runterbringen.“

In einigen Ländern gibt es bereits geltende Regeln, wonach Schulen ab einer Inzidenz von 100 zu Distanzunterricht wechseln. Sachsen verzichtet auf einen Grenzwert bei der Inzidenz. Über die Änderung des Infektionsschutzgesetzes wird voraussichtlich am Mittwoch (21. April) kommender Woche im Bundestag abgestimmt. Auch den Bundesrat muss das Gesetz dann noch passieren. Hier finden Sie unseren News-Ticker über die Corona-Lage in Deutschland. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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