„Datenspende“

Robert-Koch-Institut nutzt Fitnesstracker für Corona-App – und erntet Kritik

Mit dem Puls oder dem Aktivitätsniveau kann man typische Corona-Symptome erkennen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sammelt diese Daten nun über eine App. Das sorgt für Kritik.

  • Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentliche App „Corona-Datenspende“ wird offenbar gut angenommen.
  • Es gibt bereits 160.000 Nutzerinnen und Nutzer der Anwendung.
  • Aus den Daten soll eine Karte entstehen, die die regionale Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2* in Deutschland zeigt.

Berlin - Regelmäßig Sport zu treiben ist im Corona-Alltag wichtig für Gesundheit und Abwehrkräfte – und könnte nun auch im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie helfen: Das Robert-Koch-Institut (RKI) will mit Daten von Fitness-Armbändern und Smartwatches neue Erkenntnisse zur Ausbreitung von Coronavirus-Infektionen in Deutschland gewinnen. 

Dafür veröffentlichte das RKI am Dienstag (07.04.2020) die App „Corona-Datenspende“, die auf Daten aus den Geräten zugreifen kann. Zwei Tage nach der Veröffentlichung gibt es bereits 160.000 Nutzer der Anwendung, wie RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag (09.04.2020) in Berlin mitteilte. Er sprach von einem „großen Erfolg“.

App gegen Corona: RKI erforscht mit „Datenspende“ Ausbreitung

Das RKI sieht in der App für Smartwatches und Fitnessarmbänder eine sinnvolle Ergänzung zu den offiziellen Meldezahlen in der Corona-Krise in Deutschland. Mit den gesammelten „Datenspenden“ will das Robert-Koch-Institut eine Karte anlegen, welche die regionale Verbreitung potenziell mit dem Coronavirus infizierter Menschen zeigt. Zu den gesammelten Daten gehören:

  • die Postleitzahl des Nutzers,
  • Angaben zu Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht 
  • sowie Vitaldaten wie Ruhepuls, Schlaf oder Aktivitätsniveau.

App gegen Corona: RKI will über „Datenspende“ Symptome erkennen

Komme es bei den Vitaldaten zu einer Veränderung, könnte dies ein Anzeichen für eine Corona-Infektion sein. Das RKI hat nach eigenen Angaben durch die „Datenspende“-App zu keiner Zeit Kenntnis über persönliche Informationen wie Name oder Adresse des Nutzers. „Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische Covid-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden“, erläuterte das Institut. Die Nutzung der App sei freiwillig, betonte das RKI.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern ist im Kampf gegen die Corona-Pandemie auch eine andere App im Gespräch, die Coronavirus-Verbreitungswege nachzeichnen soll. Dabei geht es darum, zu registrieren, wer in der Nähe von Infizierten war und sich angesteckt haben könnte. Dafür sollen nach bisherigen Plänen Bluetooth-Funksignale oder GPS-Ortungsdaten genutzt werden. 

App gegen Corona: RKI erfasst keine persönlichen Daten wie Name oder Anschrift

Die am Dienstag vorgestellte App diene nicht der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, betonte das RKI. Sie solle aber helfen, Infektionsschwerpunkte der Corona-Krise in Deutschland besser zu verstehen.

Netzpolitiker und -aktivisten kritisieren die Corona-App des RKI dafür, dass der Quellcode nicht einsehbar ist. Patrick Breyer, Europaabgeordneter der Piratenpartei, stellte dem RKI einen Fragenkatalog und erklärte darin, dass der öffentliche Zugang zum Quellcode der App notwendig sei „um deren genaue Funktion und Sicherheit überprüfen zu können“. Der Chaos Computer Club (CCC) teilte mit, mit diesem Vorgehen verspiele das RKI Vertrauen. Auch die bereits zahlreichen App-Nutzer sehen die RKI-Anwendung kritisch: In den digitalen App-Stores ist die Anwendung größtenteils negativ bewertet. Manche kritisieren dabei, dass die Postleitzahl angegeben werden muss.

Wieler verteidigte die „Datenspende“-App gegen Kritik: Ohne die Erfassung der Postleitzahlen sei sie für den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland nicht sinnvoll. Das RKI wisse um die Verantwortung, mit der App umzugehen. Sie sei zwar mit einem privaten Dienstleister entwickelt worden, eine kommerzielle Nutzung der Daten sei aber ausgeschlossen.

jjm/dpa/afp

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Chrstin Klose

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