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Corona-Genesene: Wie lange hält der Immunschutz? Deutsche Virologen positionieren sich

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Von: Julia Schöneseiffen

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Illustration/Symbolbild: Eine Frau in Nahaufnahme putzt sich mit einem Taschentuch die Nase.
Virologen gehen von einem längeren Immunschutz nach durchgemachter Corona-Infektion (Symbolbild) aus als bisher angenommen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Während es für Genesene gute Neuigkeiten gibt, warnen Experten vor einer erneuten Corona-Welle im Herbst und Winter. Der News-Ticker.

Ärztekammer-Präsident ist gegen fixes Enddatum aller Corona-Beschränkungen

Update vom 2. Oktober 2021, 11.45 Uhr: Der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt lehnt die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen zu einem festgesetzten Datum ab. Allerdings sei es richtig, eine Debatte darüber zu führen, „wann wir zur Normalität zurückkehren können“, erklärte Reinhardt den RND-Zeitungen vom Samstag.

„Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht in einer Infektionsangstneurose einrichten.“ Das heiße im Umkehrschluss aber nicht, „dass wir jetzt alles in Laissez faire-Manier laufen lassen“. Es müsse der ärztliche Anspruch sein, Infektionen zu verhindern.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt
Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt gegen fixes Enddatum aller Corona-Beschränkungen. © Wolfgang Kumm / dpa

In Bahnen und Bussen, wo häufig keine Abstände eingehalten werden können, sei das Maskentragen weiterhin sinnvoll. Allerdings sei es völlig unangemessen, dass Kinder und Jugendliche stundenlang im Unterricht eine Maske tragen müssten, während die Erwachsenen abends maskenlos ins Lokal gehen könnten, so Reinhardt. Das stehe in keinem Verhältnis. „Die Maskenpflicht im Unterricht muss jetzt bundesweit in allen Schultypen entfallen“, betonte der Ärztekammer-Präsident.

Ärztekammer-Präsident Reinhardt: 2G als Anreiz für Ungeimpfte

Die 2G-Regel ist nach Sicht von Reinhardt sinnvoll. „Wenn 2 G kombiniert wird mit der Aufhebung von Maskenpflicht und Abstandsregeln, ist das ein sehr guter Weg“, sagte er. „Ich plädiere dafür, dass alle Bundesländer 2 -G ohne Maske und Abstand als Option für das Gastgewerbe, für den Sport und die Veranstaltungsbranche einführen. Das ist dann auch ein zusätzlicher Anreiz für die bisher Ungeimpften.“

Das solle aber nicht für Angebote des öffentlichen Lebens gelten, auf die die Menschen zwingend angewiesen seien, wie zum Beispiel der öffentliche Nah- und Fernverkehr. Hier käme eine 2-G-Regelung einer Impfpflicht durch die Hintertür gleich.

Virologen: Genesene mindestens 1 Jahr vor Corona geschützt

Erstmeldung vom 2. Oktober 2021: Berlin - Wer eine Corona-Infektion durchgemacht hat, genießt auch ohne Impfung für eine gewisse Zeit einen Immunschutz. Deutsche Virologen gehen nun davon aus, dass dieser Schutz länger anhält als bisher angenommen. „Die nachgewiesene Dauer des Schutzes nach durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion beträgt mindestens ein Jahr“, heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie. Aus immunologischer Sicht sei sogar von einer deutlich längeren Schutzdauer bei Genesenen auszugehen. Das sei aber noch nicht durch Studien belegt, weil es Sars-CoV-2* noch nicht lange genug gebe, heißt es weiter.

Die Experten plädieren dafür, dass der Zeitraum, in dem Genesene bei Corona-Beschränkungen Geimpften gleichgestellt sind, auf zwölf Monate nach der Infektion verlängert wird. Derzeit profitieren Genesene nur sechs Monate lang, indem sie etwa von Tests befreit sind.

„Im Herbst und Winter könnte es nochmal richtig abgehen“ warnt Virologe Stürmer

Karl Lauterbach warnte vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter. „Immer noch sind 30 Prozent der Unter-60-Jährigen nicht geimpft. Wir unterschätzen diese enorme Zahl. Sie ist zu hoch, um einen Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Das Virus wird sich weiter ausbreiten in der kalten Jahreszeit, in der sich das Leben wieder in geschlossene Räume verlagert.“

Auch Virologe Martin Stürmer mahnt zur Vorsicht. „Im Herbst und Winter könnte es nochmal richtig abgehen“, sagt Stürmer im ARD-Morgenmagazin am Freitagmorgen. Er warnte davor, es auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Impfquote sei seiner Meinung nach zu niedrig.

Coronavirus, Maske im Herbst, Laub
Experten warnen vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter. © Paul Zinken / dpa

Corona in Deutschland - RKI meldet 10.118 Coronavirus-Neuinfektionen (Stand 2. Oktober 2021)

Die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen liegt am Samstag bei 64,4. Das Robert-Koch-Institut* (RKI) meldet 8.517 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 9727 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 66 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 65 Todesfälle.

Coronavirus-Fallzahlen laut RKI2. Oktober 2021
Coronavirus-Neuinfektionen8.517
Todesfälle in Verbindung mit Sars-CoV-266
Corona-Inzidenz64,4

Seit Beginn der Corona-Pandemie* haben sich in Deutschland nachweislich 4.246.136 Menschen in Deutschland mit Sars-CoV2 infiziert. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. 93.777 Menschen starben bisher laut RKI an oder mit Corona. Die Zahl der Genesenen liegt bei 4.018.500.

Aktuell RKI-Zahlen: Corona-Hospitalisierungs-Inzidenz bei 1,65

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gibt das RKI am Freitag mit 1,65 an. Der Vergleichswert der Vorwoche ist geringfügig niedriger. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Kostenlose Corona-Schnelltests werden ab dem 11. Oktober für viele abgeschafft. Aber es gibt Ausnahmen. Hier finden Sie einen Überblick*. (dpa/jsch) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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