Hundert Meter mitgerissen und verschüttet

Trotz Warnung: Skifahrer lösen Lawine aus - nach ihrer Rettung wollen sie die Strafe nicht zahlen

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Macht Spaß, ist aber auch sehr gefährlich bei bestimmter Schneelage: Abseits der Piste fahren.

Der 6. Januar 2019 hätte für drei Freunde beinahe in einer Katastrophe geendet. Sie lösten eine Lawine und einen großen Rettungseinsatz aus. Die Strafe wollten sie aber nicht bezahlen. Nun entschied ein Gericht.

Wolfratshausen/LenggriesBeim Skifahren am Brauneck löste ein 32-Jähriger aus Gmund am Dreikönigstag abseits der präparierten Piste oberhalb des Speichersees eine Lawine aus. Der Mann wurde hundert Meter mitgerissen und verschüttet.

„Er hat Riesenglück gehabt, dass er überlebt hat“, sagte ein Polizist, der mit den Ermittlungen betraut war. Nur weil eine Bergwachtlerin die lediglich ein paar Zentimeter aus dem Schnee ragende Spitze des Skistocks bemerkt hatte, konnte der Verschüttete im letzten Moment gerettet werden.

Lawine am Skigebiet Brauneck: Verschütteter Skifahrer im letzten Moment gerettet 

Nun fand das Unglück eine Fortsetzung am Amtsgericht. Das Landratsamt hatte an den Gmunder und seine zwei Begleiter, einen Sachsenkamer (27) und einen Greilinger (29), Bußgeldbescheide in Höhe von jeweils 300 Euro verschickt. Nach Auffassung der Behörde hatte das Trio „ordnungswidrig gehandelt und die Lawinengefahr missachtet“. Dagegen legten die Skifahrer Einspruch ein.

Lawine am Skigebiet Brauneck: Vor Gefahr wurde deutlich gewarnt

Das Landratsamt begründete die Bescheide damit, dass an jenem Tag hinreichend vor der Gefahr gewarnt worden sei. Es herrschte durchgängig Lawinenwarnstufe vier. Die Umfahrung des Beschneiungsteichs war gesperrt, und ein Lawinenbericht an der Kasse der Bergbahn einsehbar. Zudem wies am Einstieg der Bahn ein gelbes Blinklicht auf die erhöhte Lawinengefahr hin.

Brauneck: Skifahrer verteidigen sich: „Bestens vertraut, Warnung war nicht einsehbar“

Die drei Freunde, allesamt erfahrene Skifahrer und mit ihrem „Heimskigebiet“ bestens vertraut, wehrten sich gegen den Vorwurf, „vorsätzlich“ und „grob rücksichtlos“ gehandelt zu haben. „Die Absperrung war von dem Punkt, an dem wir die Piste verlassen haben, nicht einsehbar“, sagte der Greilinger. Dies bestätigte der Polizist. Auch der Gmunder berief sich darauf. Er räumte aber auch ein, „durchaus unverantwortlich gehandelt“ zu haben. Es sei ihnen bewusst gewesen, dass Warnstufe vier herrschte. „Diese Gefahr haben wir in Kauf genommen.“

Aber nicht grob rücksichtslos, sagte der Sachsenkamer. Man sei nicht „mit der Intention, uns oder andere zu gefährden, zum Skifahren gegangen“, so der 27-Jährige. „Wir haben uns überschätzt und die Situation falsch eingeschätzt.“

Lawine am Brauneck - Ermittler: „Rinne war für Gefahrenstufe viel zu steil“

Der Polizist hatte nach seinen Untersuchungen die Bußgeldverfahren angestrengt. „Die Rinne, die sie hinabgefahren sind, war für die Gefahrenstufe viel zu steil“, erklärte der Beamte. Im Bußgeldbescheid ist sie mit 36 bis 40 Grad Gefälle beschrieben. Dort noch dazu ohne Lawinenausrüstung zu fahren, halte er für mehr als unverantwortlich. „Ich muss ein gewisses Maß an Eigenverantwortung zugrunde legen. Das war hier in keiner Weise gegeben. Wenn ich mich bei solchen Verhältnissen dort bewege, muss ich mich vorher damit auseinandersetzen – und das ist nicht passiert“, hielt der Zeuge der ortskundigen Skifahrergruppe vor. Er deutete das Verhalten der drei so: „Ist mir alles wurscht. Hauptsache, ich hab meinen Spaß.“

Am Ende der Beweisaufnahme wies Richter Urs Wäckerlin darauf hin, dass seiner Meinung nach durchaus ein „grob rücksichtsloses Verhalten“ vorliege und somit die Bußgeldbescheide „zu Recht ergangen sind und die 300 Euro in Ordnung gehen“. Nach kurzer Beratung mit ihren Rechtsanwälten nahmen die drei Skifahrer ihre Einsprüche zurück.

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