Beerdigung in Russland?

Vater von Boston-Attentäter will Sohn zurück

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Tamerlan Zarnajew und sein jüngerer Bruder Dschochar

Boston - Der Vater der mutmaßlichen Boston-Attentäter will die Leiche seines älteren Sohnes zurück nach Russland holen. Dafür und um mit der Polizei einige Dinge zu klären, reist er nun in die USA.

Der Vater der mutmaßlichen Bombenleger von Boston will noch in dieser Woche in die USA reisen. Er habe „viele Fragen an die Polizei“ und wolle dort vieles aufklären, sagte Ansor Zarnajew der Nachrichtenagentur AP in Russland. Seine Frau Subeidat Zarnajewa sagte am Montag vor Journalisten, ihr Mann werde am kommenden Mittwoch in die USA aufbrechen. Sie und ihr Mann hatten zuvor behauptet, dass das FBI ihren älteren Sohn angerufen und beschuldigt hatte, das Attentat begangen zu haben. Daraufhin soll Tamerlan Zarnajew geantwortet haben: "Das ist euer Problem." Als seine Mutter ihn kurze Zeit später anrief, weil sie sich nach dem Bombenanschlag Sorgen um ihre Kinder machte, soll er lediglich lachend abgewiegelt haben: "Mama, warum sorgst du dich?" Das berichtet das Wall Street Journal. Die Familie werde nun versuchen, den Leichnam des älteren Sohnes Tamerlan nach Russland zurückzubringen, erklärte die Mutter den Medien.

Tamerlan und sein Bruder Dschochar Zarnajew gelten als Hauptverdächtige der tödlichen Bombenanschläge auf den Marathon von Boston. In der vergangenen Woche sollen sie an der Eliteuniversität MIT zudem einen Polizisten erschossen haben. Bei einer spektakulären Verfolgungsjagd mit der Polizei wurde Tamerlan im Feuergefecht schwer verletzt und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Sein Bruder Dschochar wurde lebend gefasst. Er ist schwer verletzt.

Tante: Tamerlan kämpfte mit Identitätsproblemen

Unterdessen hat sich auch eine Tante von Tamerlan zu Wort gemeldet. Patimat Suleimanowa erzählte der Nachrichtenagentur AP am Montag, dass ihr Neffe mit Identitätsproblemen kämpfte. Durch eine Reise nach Russland habe Tamerlan im vergangenen Jahr wieder Verbindung zu seinen tschetschenischen Wurzeln aufnehmen wollen, sagte die Tante.

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Allerdings habe Tamerlan dort „eher wie ein Amerikaner“ und nicht wie ein Tschetschene gewirkt und auch „nicht in die islamische Welt gepasst“. In Russland habe Zarnajew dann täglich über Skype mit seiner erst kürzlich zum Islam konvertierten Frau gesprochen. Diese habe ihn darüber aufgeklärt, wie die Religion richtig zu praktizieren sei, fügte Suleimanowa hinzu.

Die US-Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf den sechsmonatigen Russlandaufenthalt Tamerlans im vergangenen Jahr. Die Zeit verbrachte er zum Teil auch mit seinem Vater.

AP

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