Viele Vermutungen

Forscher machen mysteriösen Fund unter Wasser - Stonehenge im Bodensee? 

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Eine Unterwasseraufnahme von Hügel fünf. Die auf der Schweizer Seite des Bodensees entdeckten rätselhaften Steinhügel sind von Menschen aufgeschüttet worden.

Forscher rätseln über eine Entdeckung, die auf dem Grund des Bodensees gemacht wurde. Nur in einer Sache sind sie sich bisher sicher.

Uttwil - Ein seltsamer Fund auf dem Grund des Bodensees gibt Forschern noch immer Rätsel auf: Rund 170 Steinhügel wurden auf dem Seegrund entdeckt. Diese haben jeweils einen Durchmesser von 15 bis 30 Metern und befinden sich in regelmäßigen Abständen in einer Reihe in Ufernähe, rund viereinhalb Meter unter Wasser. 

Bei einer einzigen Sache sind sich die Forscher bisher einig, und zwar, dass die Hügel von Menschenhand errichtet sein müssen. Doch diese Erkenntnis führte nur zu noch mehr Fragen: Wie kommen diese Hügel viereinhalb Meter unter Wasser? Wer hat sie gebaut? Und wozu waren sie gut?

Hügel im Bodensee: Ein Archäologe liefert erste Einschätzungen - doch vieles bleibt rätselhaft

Beim Rätselraten um die Steinhügel kommen die Forscher in kleinen Schritten voran. Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie des Kantons Thurgau geht derzeit davon aus, dass die Hügelreihe vermutlich aus der Bronzezeit rund 1000 vor Christus stammen könnte. Das teilte er am Freitag mit. 

Nun hat er zusammen mit dem Geologen Flavio Anselmetti von der Universität Bern Bohrproben entnommen. Wie Anselmetti dem Stern gegenüber mitteilte, haben sie dafür in den letzten Tagen bis zu acht Meter tief in den Grund gebohrt und Proben rausgeholt. Jetzt hoffen sie, dass sie darin Reste von beispielsweise Holz oder Früchten finden. Das würde mehr über die genaue Zeit verraten, in der die Hügel aufgeschüttet wurden. Mit ersten Ergebnissen ist aber erst im Herbst zu rechnen.

Der Archäologe Leuzinger schätzt zudem, dass der Bereich der Hügel zur Zeit des Baus im flacheren Wasser gelegen hat. „Ich gehe davon aus, dass das Wasser den Menschen damals maximal bis zum Bauchnabel ging“, sagte er.

Wozu die Strukturen dienten, ist dagegen noch völlig unklar. Es gibt derzeit verschiedene Theorien, etwa dass sie als Wehranlagen, Grabhügel oder Transportwege dienten. In diesem Zusammenhang sei auch der Begriff „Stonehenge vom Bodensee“ aufgetaucht, sagte Leuzinger weiter. Einen astronomischen Bezug halte er allerdings für unwahrscheinlich. Seiner Meinung nach könnte es aber durchaus einen kultischen Hintergrund für die Hügel geben. „Sie könnten zum Beispiel als Begräbnisplattform oder als Denkmal für Verstorbene genutzt worden sein.“

Die Entdeckung der mysteriösen Steinhügel im Bodensee

Die geheimnisvollen Hügel bereiten den Forschern nun schon seit Jahren Kopfzerbrechen, wenn auch jetzt wieder neue Erkenntnisse ans Tageslicht gelangen könnten. Die Steinhügel waren 2015 vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Bodenseekreis) bei Tiefenvermessungen zwischen Romanshorn und Bottighofen entdeckt worden.

Erst letztens sind mehrere Kajakfahrer auf dem Bodensee in Seenot geraten. Sie mussten teilweise von der Wasserschutzpolizei mit Booten gerettet werden.

dpa/nz

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