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Bodensee mit nahezu rekordverdächtigen Niedrigwasser: Stinkender Algenteppich breitet sich aus

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Von: Martina Lippl

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Bodensee - Algen breiten sich aus
Ein großer Teppich voller Algen schwimmt vor Eriskirch auf dem Bodensee. © Felix Kästle/dpa

Am Bodensee herrscht Niedrigwasser. Ein riesiger Algenteppich schwimmt am Nordufer des Bodensees. Die grüne Schicht ist eklig, aber ungefährlich.

Langenargen – Ein grüner Algenteppich im Bodensee wächst gerade ungehemmt vor den Gemeinden Langenargen und Eriskirch (Baden-Württemberg). Er ist von weitem zu sehen und zu riechen. Kaum ein Badegast wagt sich dort mehr ins Wasser. Es ist kein neues Phänomen, aber in diesem Jahr sei für die Gemeinde Langenargen es besonders schlimm, zitiert der SWR den Tourismusamtsleiter Alexander Trauthwein.

Algenteppich schwimmt auf Bodensee – Bewohner und Urlauber beschweren sich über Gestank

Die grüne schmierige Schicht auf dem Bodensee im Bereich des Strandbads sind für den Menschen harmlos, teilt die Gemeinde im Bodenseekreis mit. Der grüne Algenteppich bestehe aus mehrzelligen Fäden, die eine Netzstruktur bilden. Deshalb werde diese Alge auch „Wassernetz“ genannt. Doch der schwimmende Algenteppich stinkt auch.

„Die Intensität dieses Gestanks war sehr hoch und zahlreiche Gäste und Bewohnerinnen und Bewohner konnten sich im Freien aus diesem Grund nicht lange aufhalten“, so Bürgermeister Ole Münder laut der Mitteilung.

Darum wachsen die Algen im Bodensee gerade so extrem schnell

Algen wachsen schnell an Stellen, wo es viel Nährstoffe gibt und das Wasser warm ist, erklärt die Gemeinde Langenargen die Situation. Diese Faktoren begünstigten laut dem Institut für Seenforschung das Wachstum der Algenmatten im Uferbereich. Um das Algen-Problem anzugehen, haben sich Vertreter der Gemeinde, des Regierungspräsidiums Tübingen und des Landkreises bereits Ende der vergangenen Woche getroffen. Vor allem die hohe Nährstofffracht aus der Schussen müsse reduziert werden.

Algen-Mief am Bodensee – Saugbagger rücken gegen die stinkenden Algen an

In der Folge wurde vergeblich versucht, die Algen mit einer Ölsperre abzufischen. Auch die Algen mit einem Bagger sowie einem Radlader aus dem See zu holen, blieb ohne Erfolg. Per Hand die Algen einzusammeln, sei aufgrund der schmierigen Konsistenz enorm aufwändig. Nun soll ein weiterer Versuch mit einem Saugbagger folgen. Doch das wären alles nur kurzfristige Aktionen mit enormem Aufwand.

Langfristig gelte es aber, die Ursache für die Algenbildung abzustellen, und zwar den Anteil des nährstoffreichen Wassers beim Zufluss in den See zu reduzieren. Die Schussen ist nach Ansicht des Regierungspräsidiums lediglich das Transportmittel – und nicht die Ursache.

Bodensee: Pegelstand in Konstanz jetzt schon bei knapp 3,30 Meter

Der Wasserstand am Bodensee ist niedrig. Der Pegelstand in Konstanz liegt nur noch bei 3,30 Meter. Vom saisonalen Rekordwert für Niedrigwasser ist das nur rund zehn Zentimeter entfernt. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg geht davon aus, dass der bisher niedrigste Wert für diese Jahreszeit von 3,17 Meter aus den Jahren 1949 und 1876 im Sommer oder Herbst „erreicht oder sogar unterschritten wird“, falls weiter wenig Regen fällt.

Bodensee: Rekordwerte für Niedrigwasser

19493,17 Metern Wasserpegel in Konstanz am Bodensee
18763,17 Metern Wasserpegel in Konstanz am Bodensee
Bodensee: Mehrere Boote liegen im Hafen von Moos auf dem Trockenen, weil der Bodensee Niedrigwasser hat.
Mehrere Boote liegen im Hafen von Moos auf dem Trockenen, weil der Bodensee Niedrigwasser hat. © Felix Kästle/dpa

Zu wenig Wasser im Bodensee – Boote müssen aus dem Hafen an Land geholt werden

Bootsbesitzer müssen ihre Boote am westlichen Ufer an Land holen. „Wir sind seit 14 Tagen ständig am Auswassern“, sagte der Hafenmeister der Gemeinde Moos (Landkreis Konstanz), Martin Graf. „Bei uns liegt eigentlich kein Boot mehr, wo es soll.“ Rund ein Drittel der Boote an den rund 400 Liegeplätzen sei entweder verlegt oder aus dem Wasser genommen worden. „So niedrige Wasserstände gibt es schon ab und zu, aber normalerweise nicht zu dieser Jahreszeit.“

Im Sommer 2021 sorgte ein Tornado am Bodensee für Schlagzeilen. Eine gigantische Wassersäule ragte aus dem Wasser. Es gibt unglaubliche Aufnahmen von dem Ungetüm am Himmel. „Man geht davon aus, dass Tornados durch mehr Energie in der Atmosphäre heftiger werden“, erklärte der Tornado-Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Friedrich.(ml mit Material der dpa)

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