Ermittler rätseln über Motive

Blutbad von Wisconsin: Tödliche Verwechslung?

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Nach dem Blutbad herrscht Trauer und Entsetzen

Washington - Trauer und Entsetzen nach dem Massaker in einem Sikh-Tempel in den USA. Ermittler rätseln über die Motive. Verwechselte der Todesschütze die Glaubensanhänger mit Muslimen?

Ein Blutbad in einem amerikanischen Sikh-Tempel mit sieben Toten ist womöglich rassistisch motiviert gewesen. Der Schütze ist der 40 Jahre alte Ex-Soldat Wade Michael Page, der 1998 wegen wiederholten Ungehorsams aus dem Militär entlassen worden war. Als möglich galt, dass der Täter die Sikhs verwechselte und eigentlich Muslime mit seinem Anschlag in Oak Creek (Bundesstaat Wisconsin) treffen wollte. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Sie geht aber von Terrorismus aus. Der Täter wurde von einem Polizisten erschossen.

Zu den Todesopfern zählt auch der Präsident der Tempel-Gemeinde, Satwant Kaleka, wie Angehörige dem Sender CNN sagten. Drei Menschen wurden bei der Attacke schwer verletzt, darunter ein Polizeibeamter.

Der indische Premierminister Manmohan Singh verurteilte das Massaker scharf. Besonders schmerzvoll sei, dass es an einem Ort der Gottesverehrung zu der “sinnlosen Gewalttat“ gekommen sei, erklärte Singh, der selber der religiösen Minderheit der Sikhs angehört.

Dem Sender CNN zufolge war der Schütze Mitglied einer Neonazi-Band. Er habe mit seiner Freundin zusammengelebt, sei verschlossen und “widerborstig“ gewesen, hieß es unter Berufung auf Nachbarn.

Spekulationen, nach denen der Todesschütze seine Opfer mit Muslimen verwechselt haben könnte, stützen sich unter anderem auf Augenzeugenberichte. Demnach soll der Täter eine “9/11“-Tätowierung getragen haben, möglicherweise zum Gedenken an die Anschläge vom 11. September 2001. Laut US-Medien fühlen sich viele Mitglieder der Sikh-Gemeinschaft seit den Terrorattacken einer wachsenden Abneigung ausgesetzt.

“Jeder hier glaubt, dass es sich ganz bestimmt um ein Hassverbrechen handelt“, zitierte die “New York Times“ einen Sikh aus der Region. “Die Leute glauben, wir sind Muslime.“ Eine andere Sikh-Anhängerin sagte dem Blatt zufolge, manche halte die Sikhs für Mitglieder der radikal-islamischen Taliban, weil viele von ihnen einen Turban tragen.

Der Mann hatte am Sonntag in dem Tempel das Feuer eröffnet, während Gläubige ein Mittagessen vorbereiteten. Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger. Ihre Zahl in den USA wird auf bis zu 500 000 geschätzt.

Der Präsident der Tempel-Gemeinde in Oak Creek, Satwant Kaleka, versuchte nach Angaben von Angehörigen, den Schützen zu überwältigen und wurde dabei erschossen. “Er war der Beschützer seiner eigenen Leute, ein unglaublicher Mensch“, zitierte CNN Kanwardeep Singh Kaleka, einen Neffen des Opfers.

In Indien wurde am Montag in Trauergottesdiensten der Ermordeten gedacht. Premierminister Singh kondolierte den Angehörigen und erklärte Indiens Solidarität mit allen friedliebenden Amerikanern, die die Gewalt verurteilten. Zugleich begrüßte er die Erklärung von US-Präsident Barack Obama, der seine “tiefe Trauer“ bekundet hatte.

Der Anschlag passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer Premiere des Batman-Films “The Dark Knight Rises“ zwölf Menschen erschossen und knapp 60 verletzt. Danach entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA.

dpa

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