Bizarres Phänomen: Hier läuft ein Delfin auf seiner Flosse

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Der Delfin Wave beim Flossentanz vor Adelaide in Australien (Foto April 2008).

Adelaide - Ein australischer Delfin-Forscher hat bei den Tieren ein bemerkenswertes Verhalten entdeckt: Aus purer Freude am Können “laufen“ immer mehr Tiere vor der Küste von Adelaide manchmal auf ihren Schwanzflossen.

Eine faszinierende Delfin-Show in freier Natur hat der australische Delfinforscher Mike Bossley vor Adelaide entdeckt. Ganz ohne Publikum, in freier Wildbahn, “laufen“ dort immer mehr Delfine manchmal lustvoll auf der Schwanzflosse, der Fluke. Die neuesten Anhänger des Modetanzes sind das Kalb “Tallula“, das Delfinweibchen “Bianca“ und deren Nachwuchs “Hope“ und “Bubbles“.

“Sie tun es offenbar nur, weil es ihnen Spaß macht - das ist das erste Mal, dass wir solch kulturelles Verhalten entdecken, ohne dass es dafür Belohnung in Form von Essen gibt“, sagte Bossley der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. In der Delfintruppe in der Port- River-Mündung bei Adelaide wird eifrig geübt. “Bianca“ hat die besten Tricks schon ziemlich raus und eifert der großen Tanz-Dame “Wave“ nach. Die hatte ihr Handwerk von “Billie“, der Urmutter des “Fluke- Dance“ in freier Wildbahn, gelernt. Sie starb vor einem Jahr. Nur die Jungen albern noch reichlich rum, sind aber auch im Kommen.

Bossley beobachtet die Großen Tümmler dort seit mehr als 20 Jahren für die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. Seine Neugierde begann mit “Billie“, die als dreijährige Delfin-Waise 1988 kurz in einem Delfinarium aufgepäppelt wurde. Nach drei Wochen kehrte sie ins Meer zurück. Sie lebte mit rund 30 anderen Delfinen überwiegend in der Port-River-Mündung, nur 15 Kilometer vom Stadtzentrum von Adelaide entfernt. Einen “ökologischen Slum“ nennt Bossley das. “Es ist schon ziemlich schmutzig dort.“

Die schrägsten Tiere der Welt

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“Als Billie etwa 1995 die Geschlechtsreife erlangte, begann sie plötzlich, manchmal auf der Schwanzflosse zu laufen“, sagte Bossley. “Sie muss es sich im Delfinarium von anderen abgeschaut haben.“ Dort wird Delfinen dieses Verhalten zur Unterhaltung des Publikums antrainiert, anschließend werden sie mit Fisch belohnt. Dass “Billie“ ohne Anreiz auf der Flosse tanzte, fand Bossley bemerkenswert. Erstaunt war er, als zehn Jahre später auch “Wave“ das Verhalten zeigte. Vollends fasziniert beobachtete er vor ein paar Wochen ein anderes Weibchen und drei männliche Delfine beim “Fluke-Dance“.

“Wir haben keinen anderen Grund für das Verhalten als den Spaß am Können gefunden“, betonte Bossley. “Sie machen es nicht an einem bestimmten Ort, nicht beim Fischen und oft, wenn kein anderes Tier in der Nähe ist.“ Für Bossley hat die Entdeckung weitreichende Folgen für den Tierschutz: “Bei Schutzbemühungen geht es uns immer um den Erhalt der Arten, der Biodiversität“, sagte er. “Aber der Schutz der Kultur müsste genauso wichtig werden wie der der Genetik.“

Kulturelles Verhalten - Vorgehensweisen, die von Generation zu Generation weitergereicht werden - gibt es in er Tierwelt schon. Zum Beispiel bei Schimpansengruppen in Afrika, die eine ganze eigene Methode zur Termitenjagd entwickelt haben, oder bei Delfinen vor Westaustralien, die beim Fischen einen Schwamm am Kiefer tragen, um sich vor Gräten zu schützen. “Im Port River gibt es aber keinen praktischen Grund für das Verhalten, es ist wirklich mehr wie Kunst“, sagte Bossley, “vergleichbar mit der Kultur der Italiener, die immer Lasagne essen, oder mit den Deutschen und dem Sauerkraut“.

dpa

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