Justizsenator: "Wir müssen mehr tun"

Berlin trauert um totes Prügelopfer

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Trauergäste legen einen Kranz für Jonny ab

Berlin - In Berlin-Charlottenburg haben am Sonntagvormittag die Trauerfeierlichkeiten für den 20-Jährigen begonnen, der vor zwei Wochen auf dem Alexanderplatz zu Tode geprügelt wurde.

An dem nichtöffentlichen Gedenken in Berlin-Charlottenburg nahmen neben dessen Familie auch der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), Parlamentspräsident Ralf Wieland sowie der erst kürzlich ernannte Opferbeauftragte Roland Weber teil. Ein Mönch leitete die buddhistische Zeremonie.

„Heute ist ein Tag der Trauer“, sagte Wowereit. Durch diese „sinnlose Tat“ sei ein junger Mann seiner Perspektive beraubt worden. Er selbst sei zutiefst erschüttert. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Gewalt kein Thema mehr ist“, mahnte Wowereit.

Das Opfer war in der Nacht zum 14. Oktober von mehreren jungen Männern am Alexanderplatz bewusstlos geprügelt worden. Der 20-Jährige starb am Tag darauf an seinen schweren Verletzungen.

Im Anschluss an die buddhistische Zeremonie sollte von 15.00 bis 18.00 Uhr auch die Öffentlichkeit Gelegenheit haben, sich von dem 20-Jährigen zu verabschieden.

Opferbeauftragter will zwischen Familie und Gericht vermitteln

Über die Freilassung von zwei Tatverdächtigen im Alter von 19 und 21 Jahren gibt es eine heftige Debatte in der Stadt. Die beiden jungen Männer, die sich selbst gestellt hatten, waren am Donnerstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Richter hatte in beiden Fällen keine Untersuchungshaft angeordnet. Zwar war gegen den 21-Jährigen wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge Haftbefehl erlassen worden, er wurde jedoch wegen seines Geständnisses und seiner sozialen und familiären Bindungen freigelassen.

Justizsenator Heilmann äußerte am Sonntag Verständnis über den Unmut an den Entscheidungen des Haftrichters. Die Kritik sei berechtigt, sagte er und fügte hinzu: „Ich bin ergriffen darüber, was das Unglück für die Familie bedeutet. Das ist ein Signal für die Politik. Wir müssen mehr tun.“

Berlins Opferbeauftragter Weber kündigte an, zwischen der Familie des Getöteten und dem Gericht vermitteln zu wollen. „Wir müssen der Familie zeigen, dass wir sie unterstützen“, betonte er. Er habe selbst Interesse daran, die genauen Hintergründe für die Entscheidungen des Richters zu erfahren, sagte er. Dieser sei eigentlich nicht dafür bekannt, „laxe Urteile“ zu fällen, sagte Weber.

dapd

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