Bericht: Rechtsextreme Serienmörder hatten Unterstützer

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Eine mit der Mordwaffe baugleiche Pistole wird im Polizeipräsidium in Dortmund vor eine Bilderwand mit den Porträts von Opfern einer deutschlandweiten Mordserie, der so genannten Döner- Morde, gehalten

Zwickau - Die mutmaßlichen rechtsextremistischen Drahtzieher der Döner-Mordserie hatten einem Medienbericht zufolge Unterstützung. Welcher Art diese war und was ihnen dadurch erleichtert wurde:

Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtete, hatte ein 37-Jähriger aus Niedersachsen den Verdächtigen vor Jahren seinen Personalausweis überlassen. Damit soll das Wohnmobil angemietet worden sein, in dem sich die zwei Männer am 4. November bei Eisenach laut Polizei erschossen hatten. Mit dem Ausweis des Niedersachsen hatten die Männer dem Bericht zufolge auch 2007 ein Wohnmobil gemietet, mit dem sie unterwegs waren, als sie in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen haben sollen.

Der Unterstützer aus Lauenau bei Hannover soll ebenso wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben. Laut Focus wurde der Mann bereits wenige Stunden nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört.

Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt wohl die gleiche Gruppe rechtsextremer Täter. Am Freitag hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Verbindung fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem ein mutmaßliches Bankräuber-Trio jahrelang unerkannt gelebt hatte. Dem Trio gehörten die beiden Männer an, deren Leichen in Eisenach in dem Wohnmobil gefunden wurden, und Beate Z., die sich inzwischen der Polizei stellte.

Sie soll neuesten Ermittlungen zufolge bereits seit Mai 2001 unter falschem Namen in Zwickau gelebt haben, jedoch nicht unter der bisher bekannten Adresse. Damals habe das Landeskriminalamt Thüringen nach der Frau und den Männern wegen Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens per Haftbefehl und Fahndungsfotos gesucht. Bisher war davon ausgegangen worden, dass die drei nach ihrem Verschwinden aus Jena im Jahr 1998 im Untergrund oder im Ausland lebten.

Täter machten offenbar Bilder von Opfern der Döner-Morde

Gegen die Beate Z. ermittelt inzwischen die Bundesanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts einer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, schwerer Brandstiftung und Mordversuchs.

Die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten wurden vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In ihrer Wohnung in Zwickau fanden Ermittler die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Zudem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos. Diese beziehen sich auf eine Gruppe mit dem Namen “Nationalsozialistischer Untergrund“ und enthalten auch Bilder von Opfern der Döner-Morde, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Die Bilder zeigten mindestens drei Opfer der Taten unmittelbar nach ihrer Hinrichtung, berichtete der SWR-Hörfunk am Samstag unter Berufung auf Ermittlungskreise. Es sei wahrscheinlich, dass die Bilder von den Tätern selbst gemacht worden seien. Die Propagandavideos seien nicht veröffentlicht worden, es seien aber voradressierte Umschläge an verschiedene Medien sowie islamische Vereine gefunden worden, die offenbar zum Versand der DVDs dienen sollten.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und ihre 36-jährige Gefährtin Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen “Thüringer Heimatschutz“. 1998 verschwand das Trio dann aber vom Radar der Verfassungsschützer.

dpa/dapd

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