Bericht: Drei Tote nach Bundeswehr-Schüssen

Talokan - Bei den gewaltsamen Protesten im afghanischen Talokan vor zweieinhalb Wochen sollen Bundeswehrsoldaten drei Angreifer erschossen haben. Zunächst war nur von Verletzten die Rede gewesen.

Die Bundeswehr hatte bislang nur davon gesprochen, dass durch Schüsse sieben bis zehn Angreifer verletzt, aber nach damaligem Erkenntnisstand niemand getötet worden sei. Von den drei Getöteten berichtete am Samstag das Magazin “Der Spiegel“ unter Berufung auf einen Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen. Das Verteidigungsministerium teilte auf Anfrage lediglich mit, dass die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien. “Alle bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die deutschen Soldaten im Einklang mit den nationalen Regeln und den ISAF-Regeln gehandelt haben“, sagte ein Sprecher. Auch der UN-Bericht kommt laut “Spiegel“ zu dem Ergebnis, dass die Soldaten “angemessen“ handelten.

Nach einer nächtlichen Attacke amerikanischer Spezialeinheiten war am 18. Mai eine Trauerfeier für die vier afghanischen Opfer zu einem Angriff auf das deutsche Lager in Talokan ausgeartet. Demonstranten warfen Molotow-Cocktails und Handgranaten. Die Deutschen schossen dem Magazin zufolge erst mit Signalpistolen, gaben dann Warnschüsse ab und zielten schließlich auf die Demonstranten.

Ferner berichtete das Magazin unter Berufung auf einen Vertreter des afghanischen Geheimdienstes NDS, dass es bei den afghanischen Sicherheitskräften 130 bis 150 sogenannte Schläfer gebe. Diese könne die Taliban-Führung jederzeit gegen die ausländischen Truppen einsetzen. Bis zu sieben Prozent der afghanischen Soldaten und Polizisten hätten Sympathien für die Taliban.

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

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Erst vor einer Woche waren bei einem Anschlag ebenfalls in Talokan zwei Bundeswehrsoldaten getötet und sechs verletzt worden, darunter der ISAF-Regionalkommandeur, General Markus Kneip. Im Zusammenhang damit wurden fünf einheimische Polizisten unter dem Verdacht festgenommen, die Attentäter unterstützt zu haben.

Unterdessen brachte eine Bundeswehrmaschine den beim jüngsten Anschlag am Donnerstag getöteten Soldaten zurück nach Deutschland. Das Flugzeug mit dem Sarg des 23-Jährigen landete am Samstagabend auf dem Flughafen Köln-Bonn, wie ein Sprecher der Luftwaffe sagte. Zuvor hatten Kameraden in Afghanistan von ihm Abschied genommen. Der Oberstabsgefreite der Panzerbrigade 21 aus Augustdorf bei Detmold war ums Leben gekommen, als sein “Marder“-Schützenpanzer in der Provinz Baghlan angesprengt wurde.

Dabei wurden fünf Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Vier der Verletzten werden inzwischen im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz behandelt. Der Zustand der beiden Schwerverletzten sei stabil, sagte eine Sprecherin des Sanitätsdiensts. Auf der dortigen Intensivstation liegt auch noch eine Soldatin, die beim Anschlag in Talokan sehr schwer verletzt wurde. Auch General Kneip, der den Angaben zufolge auf dem Weg der Besserung ist, sowie ein weiterer Verletzter sind in der Klinik.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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