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„Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke“: Unwetter-Tragödie in Behindertenheim

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Von: Franziska Schwarz

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Die Zahl der Todesopfer des Hochwassers in Deutschland steigt weiter. Für Bewohner eines Heims kam jede Hife zu spät.

Update vom 16. Juli, 12.53 Uhr: Einer der Vermissten eines von den Fluten überraschten Heims (siehe Erstmeldung) ist doch lebend gerettet worden. Nach dem Unwetter in der Nacht zum Donnerstag wurden dort zunächst 13 Menschen vermisst. Das teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Rheinland-Pfalz mit.

„Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des an der Ahr gelegenen Wohnheims zu bringen. „Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.“ Die Wassermassen seien so rasant in das Gebäude eingedrungen, dass es keine Chance gegeben habe.

Hochwasser-Tragödie in Rheinland-Pfalz: Seelsorger betreuen Heim-Mitarbeiter

Das Heim hat 34 Wohnplätze und befindet sich in einem tiefer gelegenen Wohnviertel der Stadt, die an der Mündung der Ahr in den Rhein liegt. Das Team im Haus sei völlig traumatisiert, sagte Mandos. Seelsorger bereiteten sich darauf vor, die überlebenden Bewohner behutsam über das schreckliche Geschehen aufzuklären.

Am Freitag war an dem Gebäude eine etwa drei Meter hoch reichende Schlammschicht zu sehen, die über die Fenster des Erdgeschosses reichte.

Unwetter-Tragödie: Fluten überraschen Behindertenheim – 12 Menschen sterben

Unsere Erstmeldung vom 16. Juli: Mainz - Unter den Todesopfern der Unwetter* in Rheinland-Pfalz sind auch Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen aus Sinzig (Kreis Ahrweiler). Die Fluten* seien schneller gekommen, als die Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden können, erklärte das Innenministerium des Bundeslandes. Nach Informationen von Bild.de gab es 12 Tote.

Der Geschäftsführer des Heims sagte zu Bild.de: „Das ist fürchterlich. Unsere Mitarbeiter sind traumatisiert, helfen aber noch, so gut sie können.“ Die Heimbewohner seien nicht auf sich gestellt gewesen, sondern hätten Nachtwache im Nachbarhaus gehabt, fuhr er fort. Man habe die Feuerwehr gebeten, das Gebäude zu evakuieren. Doch als die Einsatzkraft kam, sei die Flutwelle gekommen – „er kam nicht mehr raus und konnte keine Hilfe leisten“.

Ein Luftaufnahme der verheerenden Fluten im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz im Juli 2021.
Das Hochwasser hat den Kreis Ahrweiler verwüstet und zahlreiche Todesopfer gefordert. © FERDINAND MERZBACH/AFP

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Mindestens 28 Tote und zahlreiche Vermisste

Mehrere Orte in Rheinland-Pfalz trifft das Hochwasser besonders schwer. Der Innenminister des Bundeslandes, Roger Lewentz (SPD), rechnet bei den Bergungsarbeiten damit, dass Rettungskräfte weitere Tote finden. Die Zahl von 50 Toten sei inzwischen überschritten, sagte Lewentz am Freitag im Deutschlandfunk. (frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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