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Alarm in den Alpen: Permafrost lässt Berge bröseln - Katastrophale Felsstürze und Muren drohen

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Von: Joseph Scheppach

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 Ein mit etwas Schnee bedeckter Hang ist vor den grünen Wiesen im Tal am Fellhorn bei Oberstdorf (Bayern) in den bayrischen Alpen zu sehen.
Ein mit etwas Schnee bedeckter Hang ist vor den grünen Wiesen im Tal am Fellhorn bei Oberstdorf (Bayern) in den bayrischen Alpen zu sehen. (Archiv) © Jan Eifert/dpa

Aktuelle Messungen zeigen: Der Klimawandel heizt die Alpen auf und der Permafrost taut. So werden Berge instabil - mit unübersehbaren Folgen.

Permafrost im Gestein hält Berge wie Zement zusammen. Dieses Eis findet sich auch in den deutschen Alpen*, nämlich in den nördlichen Kalkalpen. Jüngste Daten von 2011 bis Ende 2020 von der Permafrost-Messstation an der Zugspitze ( 2962 m) zeigen: Das Gebirge erwärmt sich deutlich und lässt den Permafrost schwinden. Je stärker das Eis taut, desto öfter bröckelt der Fels.

Fachleute rechnen damit, dass ein Teil der Hochalpen instabil werden könnte. In Zukunft drohen häufiger Felsstürze und Muren. Gletscherschwund und Starkregen verschärfen die Gefahren. „Die bis Ende des Jahrhunderts projizierte weitere Erhöhung der Umgebungstemperaturen lässt bei einer Fortsetzung des derzeitigen Trends ein Verschwinden des Permafrosts an der Zugspitze ab dem Jahr 2040 erwarten“, heißt es in einer vom bayrischen Landesamt für Umwelt im Juli 2021 herausgegebenen Broschüre.

Permafrost-Gefahr: In der Schweiz wanken schon die ersten Berge

An der Zugspitze wurde erst im Jahr 2007 mit zwei Bohrungen eine dauerhafte Messstation für den Permafrost im Fels* eingerichtet. Seitdem sammeln Temperatursensoren im Stundentakt die erforderlichen Daten. Auch in der Schweiz und in Österreich gibt es erst seit 1970 ein Monitoring von alpinem Permafrost. Wie brenzlig indes die Lage ist, zeigt der Spitze Stein, eine Felsnase oberhalb des Kanderstegs im Kanton Bern. Er droht zu zerbrechen. 20 Millionen Kubikmeter Gestein seien in dem Gebiet in Bewegung, sagte Nils Hählen, der Leiter der Abteilung Naturgefahren im Kanton Bern der NZZ. Kleinere Rutschungen seinen ebenso möglich wie große Bergstürze.

Tauender Permafrost krempelt weltweit Landschaft um: neue Seen in der Tundra

Inzwischen gibt es weltweit aufeinander abgestimmte Beobachtungsnetzwerke, die Permafrosttemperaturen messen und analysieren. Denn der Klimawandel krempelt nicht nur in den Alpen die Landschaft um. Weltweit verändert tauender Permafrost die Erdoberfläche. Auch in den flachen Ebenen des hohen Nordens setzt ihm der Klimawandel zu. In der arktischen Tundra dringt die Erwärmung in den Boden ein. Dieser sogenannte „Thermokarst“ lässt neue Tümpel und Seen entstehen, die den Auftau-Prozess noch beschleunigen.

Permafrost - bis zu 1500 Meter tief

Wenn Böden mindestens zwei Jahre lang nicht auftauen, spricht man von Permafrost. In kalten Klimazonen und im Hochgebirge taut zwar im Sommer eine dünne Schicht über dem Boden auf, gefriert aber dann wieder in der kalten Jahreszeit. Der Permafrost kann bis 1500 Metern in die Tiefe reichen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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